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„Pfänderflüchtling“ vom Vorwurf schwerer Nötigung freigesprochen

von Christiane Eckert
Im Jahr 2013 hatte der Lochauer nach seiner Flucht am Pfänderhang einen Polizei-Großeinsatz ausgelöst. Foto: vol.at/Vlach

Im Jahr 2013 hatte der Lochauer nach seiner Flucht am Pfänderhang einen Polizei-Großeinsatz ausgelöst. Foto: vol.at/Vlach

Von insgesamt 13 Jahren Gefängnis werden Lochauer Räuber 15 Monate abgezogen.

Feldkirch. 60 Einbrüche, drei Raubüberfälle, zahlreiche sonstige Delikte und eine spektakuläre Flucht über den Pfänderhang 2013: Daran erinnern sich viele. Geflüchtet war der junge Mann, als er der Polizei im Wald angeblich zeigen wollte, wo er die Einbruchsbeute versteckt hat. 135 Tage Flucht, doch dann wurde es für den 27-Jährigen ernst.

Alles in allem waren mit dem Urteil vom April 2016 insgesamt 13 Jahre Haft abzusitzen. Doch in einem Punkt wurde das Urteil aufgehoben: Es betrifft eine versuchte schwere Nötigung und 15 Monate Haft. Diesbezüglich hob der Oberste Gerichtshof das Urteil auf, und die erste Instanz musste nochmals urteilen. Dieses Mal überzeugte Verteidiger Thomas Raneburger: Freispruch, das heißt 15 Monate Gefängnis sind von der Gesamtstrafe abzuziehen. „He! Freispruch, das ist eine Premiere in meiner Karriere“, freut sich der Lochauer.

Der Grund für den Freispruch liegt in der rechtlichen Beurteilung. Der junge Mann saß damals gemeinsam mit einem anderen Straftäter in einer Zelle. Der Mithäftling stellte so allerhand Schabernack in und außerhalb der Justizanstalt an und war bei Gericht „Dauergast“. Der seltsame Zellengenosse malte sich beispielsweise das Bein blau an und versuchte, Beamten vorzugaukeln, er habe sich verletzt.

Ein anderes Mal bohrte er in kindischer Manier an der Zellenwand herum und sagte, er werde ausbrechen. „Der war doch nicht ganz dicht!“, urteilt der Lochauer. Eines Tages sollte der Räuberhäftling für seinen Mitinsassen handschriftlich von einer Vorlage ein Drohschreiben abschreiben.

„Damit man die Handschrift nicht erkennt“, erklärt der Verteidiger. Mit dem Drohschreiben sollten Zeugen des Anstifters beeinflusst werden, vor Gericht nicht gegen diesen auszusagen. Doch die Adressaten gingen mit den Morddrohungen sofort zur Polizei.

Keine Absicht

Der Lochauer Räuber kennt die Zeugen nicht, wollte ihnen deshalb nicht drohen, weshalb das Gericht keine Nötigung annimmt. „Es fehlt ein entsprechender Vorsatz“, so Richter Richard Gschwenter. Es gibt kein Motiv, warum der Lochauer den ihm unbekannten Personen hätte drohen sollen. Der einzige Grund, warum er mitmachte, waren zwei Schachteln Marlboro. „Wenn du im Knast nichts zu rauchen hast, machst du so was“, erklärt der Mann, der jetzt in der Justizanstalt Stein als Hausarbeiter 70 Euro pro Monat verdient.

Das Urteil ist rechtskräftig, der verurteilte Räuber freut sich wie ein Kind, lacht und bedankt sich.

<p class="caption">Auch der dubiose Mithäftling sorgte schon für Schlagzeilen.</p>

Auch der dubiose Mithäftling sorgte schon für Schlagzeilen.

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