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Kommentar

Meinrad Pichler

Respekt

Eine Schweizer Studie, in der letzten Woche veröffentlicht, befasst sich mit dem Verhalten der Bürger(innen) gegenüber den Exekutivorganen. Dabei konstatieren 88 Prozent aller Polizist(inn)en eine dramatische Zunahme von Ehrverletzungsdelikten. Fast 70 Prozent aller Befragten gaben an, selbst bei der Dienstausübung tätlich angegriffen, bespuckt oder verbal insultiert worden zu sein. Auch in unserem Land hört man immer häufiger von Respektlosigkeiten gegenüber Exekutivbeamt(inn)en. Die frühere Grußformel „Respekt, Herr Inspektor“ scheint nicht nur vergessen, sondern ins Gegenteil verkehrt.

Die häufigste Ursache für das Scheitern von Beziehungen, so die Meinung von Experten, bildet Respektlosigkeit. Diese beginnt verbal und endet öfters in handfester Gewalt. Mangelnder Respekt äußert sich stets darin, dass die persönliche Integrität des anderen nicht ernst genommen wird; dass Grenzen überschritten und andere beleidigt und herabgesetzt werden. Auch das in allen gesellschaftlichen Gruppierungen zunehmende Mobbing beruht mehrheitlich auf Herabsetzung, Ehrabschneidung und Respektlosigkeit.

Ebenso scheint der Respekt vor der Person im politischen Diskurs abzunehmen. Unterschiedliche inhaltliche Positionen werden ad personam und nicht als sachliche Auseinandersetzung ausgetragen. Wer, wie jüngst in dieser Zeitung geschehen, die gewählten Volksvertreter pauschal als „Politgeschwür“ heruntermacht, verlässt die politische Sachebene, verweigert den Andersdenkenden den persönlichen und demokratiepolitisch notwendigen Respekt und zielt bewusst auf Verächtlichmachung. Politische Pöbeleien sind gleichen respektlosen Ursprungs wie die Flegeleien gegenüber Ordnungshütern.

Respekt beruht natürlich, wie alle menschlichen Interaktionen, auf Gegenseitigkeit. Vorgesetzte, die gegenüber ihren Untergebenen eine respektvolle Haltung vermissen lassen, können deren Respekt nur schwerlich einfordern. „Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein“, mahnte dieser Tage die große Meryl Streep. Gegenseitiger Respekt ist ein Schutzschild, den sich unsere Kultur in einem langen Reifungsprozess geschaffen hat. Um diese Haltung zu zeigen, sind eigene Rituale entwickelt worden. Respekt achtet die Integrität und Intimität der Person, gibt und lässt jedem Individuum seine Wertigkeit und erleichtert und bereichert damit unseren Umgang miteinander.

meinrad.pichler@vn.at
Meinrad Pichler ist Historiker und pensionierter Gymnasialdirektor.

Respekt beruht natürlich, wie alle menschlichen Interaktionen, auf Gegenseitigkeit.

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