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“Vom Fischen kann man nicht mehr leben”

Elmar Gehrer schildert die Lage der Berufsfischer. Foto: ajk

Elmar Gehrer schildert die Lage der Berufsfischer. Foto: ajk

Höchster Fischer in Pension, immer weniger Fische im Bodensee.

Höchst. (ajk) Elmar Gehrer hat seine Fischernetze zum letzten Mal aus dem Bodensee gezogen. Der 60-Jährige war seit 1978 als Berufsfischer aktiv, nach Vater Ernst und Großvater Benedikt. „Vom Fischen kannst du heute nicht mehr leben, es gibt viel zu wenige Fische im See.“ In Höchst sind noch vier Berufsfischer aktiv. Kaum war bekannt geworden, dass Elmar Gehrer seine Pension antritt, wollte ein ausgebildeter Fischer das freigewordene Fischerpatent. Diesen Antrag lehnte die Gemeindevertretung ab. Einmal wohnt der Antragsteller nicht in Höchst, zudem begrenzt Vorarlberg die Zahl der Berufsfischer bald auf höchstens zwölf. Diese Anzahl ist mit dem Betriebs-Aus bei Elmar Gehrer erreicht. Rund um den See soll die Zahl der aktuell 112 Berufsfischer auf 80 reduziert werden.

300 statt 3000 Tonnen

Ursache ist der anhaltende Rückgang der Fischerträge. Wurden früher pro Jahr bis zu 3000 Tonnen Fisch aus dem See geholt, sind es heute gerade noch 300 Tonnen. Auch bei hohen Fischpreisen – von dieser geringen Menge kann kein Berufsfischer eine Familie ernähren. Elmar Gehrer selbst war während der vergangenen Jahre neben seinem Hauptberuf als Fischer als gelernter Mechaniker aktiv. „Um einen Facharbeiterlohn zu erarbeiten, muss man sieben Tonnen Fisch pro Jahr fangen. Jetzt sind es noch 2,3 Tonnen“, so Gehrer. Für den pensionierten Berufsfischer ist klar, weshalb die Zahl der Fische im See so stark schrumpft. „Die Fische finden kein Futter mehr, sie verhungern.“ Noch vor rund 40 Jahren war der Bodensee gefährlich überdüngt. Aus Landwirtschaft und über die Kanalisation gelangten zu viele Phosphate ins Wasser. Diese düngten den See, die Algen vermehrten sich. Weil Algen Plankton produzieren und junge Felchen Plankton fressen, gab es viele gut genährte Felchen. Allerdings drohte dem See wegen der Wucherung der Algen Sauerstoffmangel. Mit enormem Einsatz wurden rund um den See Kläranlagen errichtet und Abwasserleitungen verlegt. Das Phosphatverbot in Waschmitteln tat ein Übriges. Elmar Gehrer verweist noch auf die chemische Reinigung der Kläranlagen. „Sie verändert das bisschen Phosphat, das noch im Abwasser ist. Das wird schwerer und sinkt im See zum Grund ab. Es trägt also nicht zum Wachstum der Algen bei.“ Deshalb nützt es nach seiner Meinung auch nicht viel, Felchennachwuchs in Brutgläsern zu ziehen. „Sobald die kleinen Fische im See ausgesetzt werden, finden sie kein Futter und bleiben schwach.“

Weiters beklagt er, dass die Kläranlagen zwar viele Dinge aus dem Abwasser holen, etliche Gifte bleiben aber drin, wie etwa Weichmacher oder Stickstoffe. „Für eine saubere Umwelt wäre es wichtig, dass die EU der chemischen und pharmazeutischen Industrie verbietet, solch gefährliche Stoffe zu verarbeiten. Stattdessen wird beispielsweise beim Ausfällen von Phosphat übertrieben. Das ist ein natürlicher Stoff, den Pflanzen und Lebe­wesen benötigen.“

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