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Hilfe für die schwache Blase

von Marlies Mohr
Mit entsprechender Gymnastik können Beckenboden und damit auch die Blase gestärkt werden. Manchmal nützt aber selbst dieser Einsatz nicht mehr viel, und eine Operation ist angezeigt.

Mit entsprechender Gymnastik können Beckenboden und damit auch die Blase gestärkt werden. Manchmal nützt aber selbst dieser Einsatz nicht mehr viel, und eine Operation ist angezeigt.

Inkontinenz immer noch Tabuthema. Schonende Eingriffe gegen weit verbreitetes Problem.

Feldkirch. (VN-mm) So einfach wie es eine, wenn auch sympathisch gestaltete Werbung darstellt, ist die Sache nicht. Im Gegenteil. Harninkontinenz, bedingt durch eine Schwäche des Bindegewebes im Beckenboden, wird noch immer als Tabuthema behandelt. Dabei bekommt es jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens einmal mit Inkontinenz zu tun. Selbst solche, die nie ein Kind geboren haben. Was laut Primar Burghard Abendstein die Theorie von der Genetik als Hauptgrund für dieses belastende Leiden bestätigt. Der Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe im Landeskrankenhaus Feldkirch hat sich unter anderem auf die operative Behebung solcher Bindegewebsschwächen spezialisiert und ist in diesem Zusammenhang auch Mitglied einer Expertengruppe, die an weiteren Verbesserungen arbeitet. Außerdem soll im Mai 2017 eine Tagung dazu stattfinden.

Fast nur Frauensache

Das Problem betrifft vornehmlich Frauen. Rund 850.000 gibt es in Österreich. Aber die Hälfte schweigt aus Scham. „Angaben werden oft erst auf Nachfrage des Arztes gemacht“, bestätigt Abendstein. Und das, obwohl mit dem unkontrollierten Harnverlust massive Beeinträchtigungen der Lebensqualität verbunden sein können. Heutzutage gibt es jedoch eine Vielzahl von schonenden Möglichkeiten, eine Inkontinenz zu beseitigen. „Die Therapieangebote sind individuell und maßgeschneidert“, sagt Burghard Abendstein, der an der Umsetzung in die praktische medizinische Anwendung maßgeblich mitbeteiligt war. Hauptaufgabe sei, präzise zu erheben, welcher Defekt vorliegt, und diesen dann gezielt zu beheben. „Mithilfe einer umfassenden Diagnostik kann in der Operation genau an diesen Schwachstellen angesetzt werden“, erläutert der Fachmann.

Künstliche Bänder

Der Beckenboden der Frau besteht aus zahlreichen Muskel- und Bindegewebsschichten, Bändern, Gefäßen und Nerven. Sie werden zum Öffnen und Schließen von Blase und Darm gebraucht, sie sind wichtig für Geburt und Sexualität sowie zum Schutz der Bauchorgane. Genetik, vaginale Geburten, Operationen, Übergewicht oder Östrogenmangel im höheren Alter setzen dem Bindegewebe jedoch zu. Es kommt zu Störungen der Blasen- und Darmentleerung, nächtlichem Harndrang, Rücken- oder Unterleibsschmerzen oder einer Senkung der Gebärmutter. Konservative Therapieversuche wie Beckenbodengymnastik oder Medikamente nützen nicht immer. Abhilfe kann in solchen Fällen ein minimal-invasiver Eingriff schaffen. Kurz erklärt: Geschädigte Bänder werden gestrafft, wenn nötig auch durch künstliche Bänder verstärkt. „Damit wird die ursprüngliche Elastizität und Funktion des Beckenbodens wiederhergestellt“, führt Burghard Abendstein aus. Auch die Gebärmutter muss im Falle einer Senkung nicht mehr entfernt werden.

Früher wurden so genannte Raffnähte gesetzt oder Verlagerungsoperationen durchgeführt, etwa Blasenhals nach oben verlegt oder die Scheide an ein seitliches Band vernäht. Inzwischen sind spannungsfreie Operationen chirurgischer Alltag. Beim verwendeten Kunststoffnetz handelt es sich um Gewebe, das zum Teil abgebaut wird. Bereits am fünften Tag nach Einbringung des Bandes beginnt der Körper, neue Bindegewebszellen zu bilden.

Vorbeugung kaum möglich

Vorbeugende Maßnahmen sind laut Abendstein nur bedingt möglich, ebenso wie Inkontinenz nur bedingt verhinderbar ist. Als Möglichkeiten der Prävention nennt der Gynäkologe die Gewichtskontrolle, elektrische Muskelstimulation sowie Beckenbodengymnastik. Für Letzteres muss aber eine gewisse Restfunktion vorhanden sein, später nützt sie nicht mehr viel. Patientinnen nach einem operativen Eingriff wird Beckenbodengymnastik wieder empfohlen, weil sich damit die Blase besser kontrollieren lässt.

Arten von Harninkontinenz

» Belastungsinkontinenz: früher auch Stressinkontinenz genannt; bei Husten oder Niesen oder schwerem Heben wird Harn verloren.

» Dranginkontinenz: Es entsteht ein plötzlicher intensiver Harndrang, dem nicht widerstanden werden kann.

» Mischkontinenz: Mischform zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz.

» Überlaufblase: Blase kann nicht vollständig entleert werden; ist häufig bei Blasensenkung

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