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Am Anfang stand der „Ikarus vom Lautertal“

von Ariane Grabher
„Abseitig – Jenseits des Brokats“ lautet der Titel der Schau mit Arbeiten der Vorarlberger Künstlerin Ch.Lingg.  Foto: AG

„Abseitig – Jenseits des Brokats“ lautet der Titel der Schau mit Arbeiten der Vorarlberger Künstlerin Ch.Lingg. Foto: AG

Der Traum vom Fliegen ist eines der Themen in den neuen Arbeiten von Ch.Lingg

Feldkirch. Manchmal dauert es etwas länger, bis aus den Dingen im Atelier von Christine Lingg Kunst wird. So harrte auch ein Posten Brokatstoffe aus, bis die Zeit endlich reif für ihn war. Die Ergebnisse dieses Aufeinandertreffens von Idee und Material sind in der aktuellen Ausstellung der Künstlerin in der Villa Claudia in Feldkirch zu sehen.

Blätter, Körbe, Figuren

Wollte man das Motto von „Abseitig – Jenseits des Brokats …“, so der Titel der Schau, die ausschließlich Arbeiten aus einem geschlossenen Konzept und diesem Sommer vereint, schlicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunterbrechen, so geht es um die sprichwörtliche Kehrseite der Dinge, sprich des Stoffs. Da die Divergenz bei Brokat besonders groß ist, bearbeitet Ch.Lingg nicht die erhabene, farbenprächtige Vorderseite, sondern dreht den Stoff um und malt und zeichnet in die Vertiefungen der Rückseite. Aber bevor es so weit ist, widmet sich die Zeichnerin, deren Bilddenken sich vollends aus der Linie nährt, einem aufwendigen, mehrschichtigen Bildaufbau. Bildkörper aus Streifen von Büttenpapier, Stoff und aufcollagierten Resten, durchscheinende Schichten, zusammengestückelt wie ein Fleckerlteppich, lassen in der Behandlung ungleich mehr zu als eine glatte, plane Papierfläche, wenn geklebt, geritzt, mit Wasser und Farbe, mit Öl, Eitempera, Tusche und Graphit hantiert wird. Was die Formen anbelangt, geht Ch.Lingg im Zerlegen und wieder neu Zusammenstellen ganz ähnlich vor. Weniger dominant als zuletzt bevölkern Formen aus dem Mikrokosmos, Organisches, medusenartige Gebilde, Blumen und Pflanzensamen zwar ansatzweise immer noch die Werke. Dazu gesellen sich aber neu textile gefaltete Applikationen, Blätter als durchgängiges Motiv, seltsame Behältnisse wie Körbe, oft ohne Boden, auseinanderfallend oder sich auflösend, sowie Figuren und Personen.

Begeisterter Ikarus

Als elfenhafte Wesen, auf einem Zweig thronend, in Kleidern aus Blättern als Hüllen, losgelöst, neben dem Körper platziert oder als tollkühne Flieger sind die Gestalten omnipräsent. Selten berühren sie den Boden, sie schweben wie Luftikusse und tanzen wie Blätter im Wind. Immer wieder ist es diese spielerische Leichtigkeit, die in den Arbeiten von Ch.Lingg berührt, etwas ungemein Zartes, wie hingehaucht. Nicht von ungefähr evozieren die Arbeiten Traumwelten, Möglichkeiten jenseits der Realität. Auch wenn es mit dem Motiv des schwäbischen Flugradbauers und Visionärs Gustav Mesmer (1903–1994), der auf einigen Werken zu sehen ist, ganz konkret um den Traum vom Fliegen geht. Auslöser war eine Fotografie, die Mesmer mit angeschnallten Flügeln auf einem Hügel stehend kurz vor „Abflug“ zeigt. Die Begeisterung im Gesicht des „Ikarus vom Lautertal“, wie Mesmer genannt wurde, für seinen Traum zu leben, faszinierte die Künstlerin, die sich bereits in früheren Arbeiten mit Flug und Bewegung befasst hat. Als Metapher für den besiegten Stillstand, der Sonne entgegen, impliziert es mit Fall und Absturz auch die Kehrseite und fügt sich so ins Konzept der Werke.

Die Ausstellung ist in der Villa Claudia, Bahnhofstraße 6, Feldkirch, bis 13. November geöffnet, Fr 16 bis 18 Uhr, Sa 15 bis 18 Uhr, So 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr.

Zur Person

Ch.Lingg

Geboren: 1963 in Dornbirn

Ausbildung: Seminare und Symposien zur Kunst

Aktivitäten: Ausstellungen v.a. in Vorarlberg, Mitglied bei KunstVorarlberg sowie in der Berufsvereinigung bildender Künstler Vorarlbergs, Mitglied von XYLON Österreich, Gründungsmitglied milK_ressort in Göfis

Wohnort: Dornbirn

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