IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

Über das Schönreden schön schreiben

von Christa Dietrich
Maria Fliri in „Wir brauchen doch keine Bienen, um uns zu bestäuben“ von Linda Achberger.  Foto: Kosmos

Maria Fliri in „Wir brauchen doch keine Bienen, um uns zu bestäuben“ von Linda Achberger.  Foto: Kosmos

Monolog der Vorarlberger Autorin Linda Achberger wurde gestern Abend uraufgeführt.

Bregenz. Mit Maria Fliri, inzwischen im mit Barbara Herold gegründeten Theaterunternehmen tätig, steht eine der renommiertesten Schauspielerinnen des Landes auf der Bühne, Christian Himmelbauer, ein Regisseur, der an vielen großen Häusern und unter anderem im Rahmen der Bregenzer Festspiele inszenierte, hat den Text für das Podium eingerichtet, Stephan Kasimir, Kurator des Kosmodroms hat ihn, unterstützt von Literaten und Literaturvermittlern wie Wolfgang Mörth ausgesucht. Mit Linda Achberger hat ihn eine junge Vorarlberger Autorin verfasst, die damit bereits zum zweiten Mal eine Arbeit auf dieser Schiene des Bregenzer Theaters Kosmos platzieren kann.

Vor rund zwei Jahren hat sie sich unter dem Titel „Was wir wirklich wollten“ in beeindruckend starker Weise mit den Lebensumständen in der Region befasst. Mittlerweile hat die 24-Jährige, die inzwischen in Leipzig studiert, nicht nur selbst an Erfahrung zugelegt: Was möglicherweise schief oder zu langsam läuft, wird nicht auf das Umfeld oder eine noch zu erduldende Elterngeneration bezogen, sondern auf das eigene Verhalten bzw. auf jenes junger Erwachsener. Davon handelt jedenfalls der Text mit dem genauso witzigen, wie nachvollziehbaren Titel „Wir brauchen doch keine Bienen, um uns zu bestäuben“, der gestern Abend im Kosmodrom uraufgeführt wurde. 

Auf den Punkt gebracht

Viel Lektoratsarbeit wäre nicht vonnöten, um den Text als Monolog in einem Kurzgeschichtenband zu veröffentlichen. Achberger zeigt eine junge Frau, die gewillt ist, Zustände, auch politische, nicht schönzureden, sondern aufzubegehren, die Autorin weiß genau, wie Plakativität vermieden wird, mit dem Leser bzw. Zuhörer betreibt sie sogar ein ausgefuchstes Spiel um konkretes Benennen oder abstraktes Andeuten. Himmelbauer greift diesen Aspekt auf und liefert mit der gestrafften Version des ursprünglichen Textes  auf der mit Flokati und Laptop von Manuela Müller trefflich ausgestatteten Bühne ein vielschichtiges Bild von jemanden, oder sagen wir, einer Gruppe, die sich zwar motiviert in die Startposition wirft, dann aber doch nicht vom Fleck kommt, also nichts verändert. Die Bremsklötze sind erahnbar. Wer sich ständig mit seiner Außenwirkung beschäftigt (ein Mechanismus, der der Whatsapp-Generation offenbar anerzogen wurde), der vergeudet jene Energie, die für Taten notwendig wäre. Maria Fliri spielt das mit derart enormer Lebendigkeit, dass jegliches Aufkeimen von Weltschmerz ganz weit weg bleibt. Hier wurden ein Lebensgefühl, eine Problematik genau, berührend, schmerzlich und dabei ungemein unterhaltend auf den Punkt gebracht.

Das Kosmodrom, in dem die Aufführungen mit Diskussionsrunden ergänzt werden, zählt zweifellos zu den wesentlichen Einrichtungen des Landes. Vom Publikum wird diese, wie auch der Uraufführungsabend zeigte, gut frequentiert.

Weitere Aufführungen am 4. und 5. November, 20 Uhr, im Kosmodrom des Bregenzer Theaters Kosmos.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.