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Vom großen Zauber der Alten Musik

Johannes Ebenbauer, einst Domorganist zu St. Stephan, findet den rechten Umgang mit dem historischen Bludescher Instrument. Foto: JU

Johannes Ebenbauer, einst Domorganist zu St. Stephan, findet den rechten Umgang mit dem historischen Bludescher Instrument. Foto: JU

Bludescher Orgelkonzerte präsentierten ein kaum bekanntes Vokalquartett.

BLUDESCH. (JU) Eine Fahrt in die idyllische Walgau-Gemeinde zahlt sich fast immer aus, schon der 260 Jahre alten Orgel in der Pfarrkirche St. Jakob wegen, die in prächtig wiederhergestelltem Zustand bereits seit 46 Jahren im Zentrum einer kleinen vierteiligen Konzertreihe steht. Der Höchster Organist Bruno Oberhammer hat diese gegründet und als Kurator mit kräftiger Unterstützung eines Vereins unter Obmann Karlheinz Worsch bis heute lebendig erhalten. Oberhammers Spürsinn verdankte man beim letzten Konzert der Saison auch die Begegnung mit dem Gesangsquartett „Vocaliter“, das dabei zur echten Entdeckung wurde, während der Orgelpart diesmal dem erfahrenen Wiener Organisten Johannes Ebenbauer anvertraut war.

Vokalquartett

Vier Pädagogen mittleren Alters haben sich 2010 den Wunsch nach gemeinsamer Arbeit in einem anspruchsvollen Vokalquartett erfüllt. Die Wolfurter Altistin Ursula Breuer übernahm die Leitung, mit ihr wirken bis heute Annegret Ziegler, Sopran, Rudolf Seidel, Tenor, und Steffen Farian, Bass, aus dem deutschen Bodenseeraum. Unter dem Namen „Vocaliter“ (lateinisch „Von Singstimmen vorzutragen“) konzentrierte man das Repertoire auf den A-cappella-Gesang der Alten und Neuen Musik. Es ist erstaunlich, mit welch hohem Anspruch diese vier Sänger inzwischen alle Klippen der Mehrstimmigkeit überwinden und sich in abgerundeter Stimmkultur, großer Intonationssicherheit und ausgefeilter Stilistik gefunden haben. Das wird an den in Harmonik und Stimmführung oft sehr kompliziert angelegten lateinischen Klageliedern des Propheten Jeremias von Orlando di Lasso ebenso deutlich wie bei drei Begräbnis-Gesängen des Engländers Thomas Morley, in denen sich der besondere Zauber dieser fast 500 Jahre alten Musik der Renaissance entfaltet. Drei Teile aus Jehan Alains Vokalrequiem zeigen den nicht weniger kompetenten Umgang mit der neueren Musik in derselben unprätentiösen Art wie zuvor. Ein Ensemble, das eine größere Öffentlichkeit verdienen würde!

Während das Gesangsquartett also mit Trauergesängen einen Bezug zu Allerheiligen herstellt, knüpft Johannes Ebenbauer mit seinem Programm an die nach wie vor im Dunkeln liegende Entstehungsgeschichte der barocken Bludescher Orgel an und vermittelt den begeisterten Besuchern damit auch etwas vom Geheimnis um deren bis heute unbekannten Erbauer. Ebenbauer, einst Domorganist zu St. Stephan, der derzeit die aus dem Jahr 1642 stammende älteste Orgel Wiens betreut, findet entsprechend kenntnisreich auch den rechten Umgang mit dem historischen Bludescher Instrument. Er entlockt ihm mit festlichen Werken von Couperin und Muffat in einer ausgeklügelten Registrierung und bewundernswerter Beherrschung der Tücken der alten Mechanik das besondere französische Flair, stellt eigene Variationen über den gregorianischen Bestattungs-Choral „In Paradisum“ in den Raum und setzt mit Bachs genialer „Magnificat“-Fuge einen pompösen Schlusspunkt.

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