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Es genieße jeder das, was ihn vergnügen kann

von Christa Dietrich
Die Premiere der Oper „La Critica“ von Niccoló Jommelli fand gestern Abend auf der Kulturbühne Ambach in Götzis statt. Foto: Lampert

Die Premiere der Oper „La Critica“ von Niccoló Jommelli fand gestern Abend auf der Kulturbühne Ambach in Götzis statt. Foto: Lampert

Mit seiner ersten Oper stieß das Ensemble Concerto Stella Matutina auf viel Gegenliebe.

Götzis. In der Komödie – und hat sie auch nicht immer Tiefgang – zeigt sich das Können. Dieses bezieht sich beim jüngsten Projekt des Concerto Stella Matutina, jenem Ensemble, das seit einem Jahrzehnt dafür sorgt, dass im Vorarlberger Konzertleben auch die Barock-Literatur auf hohem Niveau gepflegt wird, auf die Musik. Mit Thomas Platzgummer ist ein ausgewiesener Fachmann nun die treibende Kraft, geht es doch darum, eine Ausgrabung zu realisieren und ein Unterfangen wieder aufzunehmen, das einst im Rahmen des inzwischen umstrukturierten Festivals „Montafoner Sommer“ auch unter seiner Beteiligung zu einigen Überraschungen führte.

Der Cellist und Dirigent hat seine Musiker und Sänger absolut im Griff, wenn es darum geht, Feinheiten einer Partitur so herauszuarbeiten, dass auch jede der Barock-typischen Wiederholungen zum reinen Genuss wird. Dem Ohr wurde am gestrigen Premierenabend in der Kulturbühne Ambach in Götzis somit allererste Sahne geboten, verfolgte man doch höchst animiert die einzelnen Instrumentengruppen. Auch das Auge wurde bedient, denn der Wechsel vom zeitgenössischen Kolorit zur Üppigkeit des Barock- bzw. Rokoko-Ambientes, das ein Stück zulässt, das so umgesetzt wird, als probe man also heutzutage eine vor Jahrhunderten entstandene Oper, bietet reizvolle, um nicht zu sagen, kuriose Einblicke. Im Übrigen auch dann, wenn das gesamte Geschehen mit einfachen Mitteln auf kleinem Raum, also ohne Kluft zwischen dem Orchester und den Darstellern abgewickelt wird.

Liebevolle Detailbehandlung

Wer davon ausgeht, dass sich die von Niccoló Jommelli verfasste und in Ludwigsburg 1766 uraufgeführte Parodie auf den Opernbetrieb auch auf das heutige Theaterschaffen bezieht, beraubt sich des Genusses. „La Critica“ ist zwar bissig, bleibt aber im Geplänkel zwischen ehrgeizigen Künstlern und libidinös Verbandelten an der Oberfläche. Einbußen ergeben sich daraus nicht, denn die Kraft einer Inszenierung zeigt sich dann, wenn dem Publikum in einem zweistündigen Durchlauf Szene für Szene Spannendes und Witziges offeriert wird, das aus liebevoller Detailbehandlung erwächst.

Zu den bestens aufgestellten Musikern kommen Sänger, die eine längere Aufführungsserie rechtfertigen. Platzgummer hat in seiner Mehrfachfunktion als Cellist, Dirigent, szenischer Koordinator, künstlerischer Leiter und neben Johannes Hämmerle als Wiederentdecker der Oper die Rollen mit internationalen Interpreten sorgfältig besetzt. Capucine Kellers Stimme passt bestens zur Giocando, die über das Genre hinauszuwachen hat. Konkreter in der Zeit verankert, schleudern Mercedes Arcuri (Palmira) und Marie-Sophie Pollak (Lesbia) elegant die Koloraturen. Sonia Tedla (Severina) ist kraftvoll präsent. Sopranist Paolo Lopez begeistert mit exzellenter Weichheit,  Matteo Pigato (Arcamante) ist ein profund heranwachsender Countertenor und Jan Petryka ein hingebungsvoller Tenor mit tollem Ausdruck. Von Götzis aus reist „La Critica“ nach Meran, schön wäre es, wenn man die Oper dann wieder zurückholt, heißt es doch im Finale: Es genieße jeder das, was ihn vergnügt.

Weitere Aufführung auf der Kulturbühne AmBach in Götzis am
12. November, 20 Uhr.

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