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Kommentar

Walter Fink

Zurück an den Seestadt-Start

Lange hat es gedauert, bis sich wirklicher Protest gegen die Verbauung der Bregenzer Seestadt formiert. Jetzt aber ist er gekommen. Zwar nicht öffentlich, dafür umso heftiger. Am Montag trafen sich auf Einladung der Zentralvereinigung der Architekten Vorarlbergs die Mitglieder dieses Berufsstandes, um über die Seestadt zu diskutieren. Etwa siebzig Architektinnen und Architekten waren gekommen, und sie ließen kein gutes Haar an der geplanten Verbauung.

Zur Erinnerung: Es ist schon sieben Jahre her, dass der Architekturwettbewerb zur Seestadt durchgeführt und von der Gemeinschaft Aicher, Ludescher, Lutz gewonnen wurde. Vom ausgezeichneten Entwurf ist allerdings nicht mehr viel übrig geblieben, auch von der Architektengemeinschaft blieb nur noch Gerhard Aicher, Ludescher/Lutz sind längst ausgestiegen.

Beim Treffen der Architekten blieb vom bestehenden Plan kein Stein auf dem anderen. Es gab ausschließlich Wortmeldungen gegen die geplante Verbauung, keine einzige dafür. Die Kritikpunkte waren vielfältig: Der Baukörper bilde einen Riegel gegen den See, es gebe keine Durchlässigkeit; wenn man am Bahnhof ankomme, dann werde man von der Anlieferung zur Seestadt „begrüßt“ statt von einem attraktiven Angebot; die Seeseite werde über die ganze Länge eine tote Seite des Gebäudes; die innen liegende Einkaufsstraße werde dafür sorgen, dass die Bahnhofstraße leer bleibe; es gebe keinen öffentlichen Raum, keine vernünftige Anbindung an den See. Man könnte mit vielen Einwänden fortsetzen.

Aus all diesen Argumenten kann man nur zu einem Schluss kommen: Wenn die führenden Köpfe der international so geschätzten Vorarlberger Architektenschaft zu einem solch vernichtenden Urteil kommen, dann darf man ganz einfach den eingeschlagenen Weg nicht weitergehen. Dann muss man sagen: Zurück an den Start. Noch ist kein Stein verbaut, noch ist alles Parkplatz. Wenn die Gefahr besteht, dass sich die Stadt mit einem solchen „Flugzeugträger“ (wie bei der Diskussion formuliert) ihre Zukunft verbaut, dann darf man nicht weitermachen. Einmal ganz abgesehen davon, dass Bregenz mit Kunsthaus, Landesmuseum und Festspielhaus über herausragende Architektur verfügt, die auch als Grundlage für eine mögliche Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt gesehen wird. Mit der Seestadt, wie sie jetzt geplant ist, kann man diesen Titel getrost vergessen.

walter.fink@vorarlbergernachrichten.at
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

Wenn die Gefahr besteht, dass sich die Stadt mit einem solchen ,Flugzeugträger‘ ihre Zukunft verbaut, dann darf man nicht weitermachen.

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