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Begegnung, auf die es zu bauen gilt

von Christa Dietrich
Auf enormes Interesse stieß bereits die Eröffnung der Ausstellung über Maasai-Baumeisterinnen am Wochenende im Frauenmuseum Hittisau. Foto: VN/CD

Auf enormes Interesse stieß bereits die Eröffnung der Ausstellung über Maasai-Baumeisterinnen am Wochenende im Frauenmuseum Hittisau. Foto: VN/CD

Auf Augenhöhe zeigt das Frauenmuseum Geschichten von Maasai-Baumeisterinnen.

Hittisau. Ein neokolonialistischer Blick ist ebenso abzulehnen wie die Wiederholung von Klischees, die sich in ethnologischen Ausstellungen gelegentlich immer noch einschleichen. „Wir begegnen den Frauen auf Augenhöhe“, erklärt Stefania Pitscheider-Soraperra, die Leiterin des Frauenmuseums, und diesem Grundsatz entspricht man bei der Präsentation des Projekts „Maasai – Baumeisterinnen aus Ololosokwan“, in der Besucherinnen und Besucher mit Lebensdaten von zwölf Frauen konfrontiert werden, die nicht nur viel über ihren Alltag in Tansania vermitteln, sondern immer wieder darauf hinführen, wie wichtig mehr Bildungsmöglichkeiten sind. In lebensgroß aufgezogenen Bildern sind die Baumeisterinnen vertreten, einige von ihnen nach Österreich einzuladen, davon hat man aus gutem Grund abgesehen. Exotische Aspekte sind viel zu oft schon in Berichten über die Maasai betont worden, eine Verständigung wäre ohnehin nur über mehrere Dolmetscher möglich gewesen und somit käme die Anwesenheit der Frauen, deren Lebensweise es entspricht, sich bunt zu schmücken, einer Vorführung gleich.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Lebens- und Arbeitswelt basiert auf Projekten der aus dem Bregenzerwald stammenden und an der Universität in Liechtenstein lehrenden Hochschuldozentin Cornelia Faißt, die die Kuratorenschaft für eine Ausstellung übernahm, die den Hausbau, für den die Maasai-Frauen verantwortlich sind, in den Mittelpunkt rückt. In von Männern dominierten Berichten über die Volksgruppe blieben deren Aufgaben und Leistungen meist unerwähnt.

Mit großem Respekt

In polygamen Familienverbänden bewohnen die Frauen mit ihren Familien und Kleintieren jeweils eine selbst gebaute Hütte. Drei, fünf und auch noch mehrere solcher Gebäude haben die porträtierten Frauen errichtet. Das Körpermaß bestimmt die geringe, zur Verfügung stehende Fläche, die Länge von zwei Füßen entspricht der Breite der Türöffnung, die Schlafkammer ist gerade so groß, dass Liegen möglich ist. Entscheidend und großen Respekt abverlangend ist die Tatsache, dass diese Hütten, die „Enkaji“, aus im Boden verankerten, ineinander verflochtenen Ästen bestehen, deren Zwischenräume mit einem Gemisch aus Erde, Sand, Asche, Kuhdung, und Urin ausgefüllt werden. Die handwerklichen Fähigkeiten werden von den Müttern jeweils an die Töchter vermittelt. Obwohl einen beim Anblick ein Gefühl von Enge beschleicht, betrachtet man die Bilder vom Erstellen eines Grundrisses, vom Sammeln des Baumaterials bis zur Errichtung des Gerüstes und schließlich die Fertigstellung mit zunehmender Achtung.

Truhen von Wälderinnen

Das Können der Maasai-Baumeisterinnen haben zehn Bregenzerwälder Handwerkerinnen mit der individuellen Gestaltung von Holztruhen kommentiert. In Bezug auf jene Metalltruhen, in denen die Ostafrikanerinnen ihre Habe aufbewahren, sind sie entstanden, um von Ausstellungsbesuchern zur Verwendung erworben zu werden. Der Erlös einer Versteigerung, die im Juni 2017 vorgesehen ist, soll den Maasai-Baumeisterinnen zugute kommen. Nicht unerwähnt ließ die Ausstellungsgestalterin nämlich eine besondere Form der Unterdrückung der Frauen bzw. der Verletzung ihrer Rechte: Sich gegen die mit uralten Traditionen begründete Genitalverstümmelung zu wehren, bedingt Ausbildung. So wird auch in einer Dokumentation deutlich, dass es Mädchen dann gelingt, sich gegen den schmerzhaften, gesundheitsgefährdenden und auch tödlichen Eingriff aufzulehnen, wenn sie durch entsprechendes Wissen gestärkt sind.

Die Ausstellung ist bis 18. Juni geöffnet. Dazu gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm: www.frauenmuseum.at

Es war uns sehr wichtig, jeglichen neokolonialistischen Blick zu vermeiden.

Stefania Pitscheider-Soraperra
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