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VN-Interview. Wolfram Schurig (48), Komponist und Blockflötist

Hier spielen Instrumente ihre Rollen

Seit 1988 ist Wolfram Schurig international als Blockflötist und Komponist tätig.  Foto: Judith Krasser Schurig

Seit 1988 ist Wolfram Schurig international als Blockflötist und Komponist tätig. Foto: Judith Krasser Schurig

Sein Violinkonzert wird am 22. November beim Festival „Wien Modern“ uraufgeführt.

FELDKIRCH. (JU) Der Musiker Wolfram Schurig vereint in seiner Tätigkeit als Blockflötist und Spezialist für Alte Musik sowie als Komponist avancierter zeitgenössischer Musik gleichwertig zwei scheinbar total gegensätzliche Bereiche, die sich bei ihm nicht ausschließen, sondern oft eine Wechselwirkung entfalten. Elf Jahre lang, bis 2006, gab er als Kurator den „Bludenzer Tagen zeitgemäßer Musik“ mit Programmen der internationalen Szene ein spannendes Profil. Das diese Woche bei diesem Festival tätige Wiener Ensemble „Phace“ wird mit der Geigerin Ivana Pristasova am 22. November beim renommierten Festival „Wien Modern“ Schurigs Violinkonzert zur Uraufführung bringen.

Ist dieses Konzert ein Auftragswerk für „Wien Modern“?

SCHURIG: Nein. Das Prozedere ist bei mir immer das gleiche. Ich überlege mir, was ich schreiben will, und versuche, die bestmöglichen Bedingungen für eine Aufführung zu finden. Ich habe mit der Solistin seit Jahren intensiv zusammengearbeitet, und daraus ist dann dieses Werk für sie entstanden, das bei „Wien Modern“ nun aufgeführt wird.

Nehmen Sie als Komponist Einfluss auf die endgültige Gestaltung?

SCHURIG: Natürlich. Die Vorbereitungen sind optimal gelaufen. Das eigentlich nur achtköpfige Ensemble „Phace“ spielt mein Werk in einer nun auf 19 Musiker vergrößerten solistischen Orchesterbesetzung. Der Dirigent kennt das Stück schon sehr gut, hat sogar Click-Tracks für die Musiker gebaut, damit sie gut vorbereitet in diese Uraufführung gehen, denn das Stück hat wechselnde Taktarten, die man nicht mit dem Metronom proben kann.

Also es geht wieder in die Richtung, für die Sie bekannt sind, dass Ihre Musik sehr komplex ist und schwierig zu spielen?

SCHURIG: Diese Musik ist überhaupt nicht komplex zu hören, sie ist sehr transparent und auch formal eine „runde Sache“. Sie ist komplex, was ihren innermusikalischen Beziehungsreichtum betrifft. Die motivischen Verflechtungen sind alle sehr dicht und die Metrik ist ziemlich vertrackt – aber das ist nur ein Problem für die Spieler, nicht für den Hörer.

Also die Zuhörer werden Ihre Musik nachvollziehen können?

SCHURIG: Ich denke schon, und was das Ganze erleichtert, ist, dass sowohl bestimmte Instrumente und auch musikalische Motive die Funktion von Rollen wie in einem Musiktheater ausüben. Neben der Violine spielt etwa das Fagott eine wichtige Rolle, das die Solistin als Kind eigentlich lernen wollte, aber nicht durfte, weil es kein „Mädcheninstrument“ ist … (lacht).

Gibt es schon Folgeaufführungen für das Werk, wird es verlegt?

SCHURIG: Meine Werke sind alle verlegt. Die Knochenarbeit besteht darin, Programmverantwortliche davon zu überzeugen, Geld in die Hand zu nehmen, um die Musik aufzuführen. Unser Ziel ist es, das Stück auch bei anderen Festivals unterzubringen.

Als Komponist wie als Blockflötist müssen Sie sich Ihre Aufträge und Engagements selber suchen – ist das schwierig?

SCHURIG: Wenn man wie ich das Pech hat, zwei brotlose Berufe auszuüben, muss man schon sein eigener Manager sein, sonst funktioniert das nicht (lacht). Aber jetzt, da ich wieder deutlich mehr spiele, versuche ich, beide Bereiche zu verschränken. Das führt bei Veranstaltern nicht selten zu Irritationen, da diese Kombination in keine gängige Schublade passt – aber ich arbeite daran.

Woran liegt es, dass man Ihre Werke kaum in Vorarlberg hört – am Geld, an den Musikern?

SCHURIG: Das Geld wäre da, es gibt auch Musiker im Land, die meine Musik spielen können und sonst könnte man welche engagieren, das kann kein Argument sein. Wir haben mein Violinkonzert auch hier im Land angeboten, das hätte nur den Bruchteil einer Neueinstudierung gekostet. Aber da fehlt völlig das Interesse und vor allem das Bewusstsein, dass das eine Chance wäre, die so schnell nicht wiederkommt.

Zur Person

Wolfram Schurig

Komponist und Blockflötist

Geboren: 30. Dezember 1967, Bludenz

Ausbildung: Blockflötenstudium in Zürich, Kompositionsstudium in Zürich und Stuttgart bei Hans-Ulrich Lehmann und Helmut Lachenmann

Aufführungen: unter anderem bei den Salzburger und Bregenzer Festspielen, Donaueschinger Musiktage, Wiener Konzerthaus, Centre Georges Pompidou, etc.

Familie: lebt mit Gattin Judith und zwei Kindern in Feldkirch

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