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Potenziale erkennen und ausbauen

von Christa Dietrich
Letzte Programmpräsentation mit Bregenzer Festspielleitung, Künstlern und dem Komponisten Georg Friedrich Haas. Foto: VN

Letzte Programmpräsentation mit Bregenzer Festspielleitung, Künstlern und dem Komponisten Georg Friedrich Haas. Foto: VN

Künstler, Festspiel-Intendant, Philosoph: Theatermann Alfred Wopmann wird 80.

Bregenz, Wien, Graz. Ob man in der Stadt selbst wohl kapiert hat, was im Ausland über Bregenz und die Festspiele an Positivem geschrieben wird? Alfred Wopmann ist sich nicht sicher. Auch jetzt nicht, zwölf Jahre nachdem er weg ist und ein völlig neu strukturiertes Festival mit einem internationalen Ruf hinterließ, für den es bei seinem Antritt am Bodensee nicht einmal Anzeichen gab. Als er Anfang der 1980er-Jahre Mozarts „Zauberflöte“ vorschlug, war man nicht nur der Meinung, dass die Oper für den See absolut ungeeignet ist, man glaubte sogar, erst einmal in Salzburg anfragen zu müssen, ob man das Werk hier im Abstand von knapp 400 Kilometern überhaupt spielen darf.

„Die Zauberflöte“ markiert nicht nur den Durchstart zu einer Internationalisierung, sie steht auch für eine neue Freilufttheaterästhetik, die stets weiterentwickelt und mit speziellen Opern im Haus und Projekten auf der Werkstattbühne ergänzt wurde. „Bregenzer Dramaturgie“, „Trias“, nennt Wopmann dieses Konzept, es erwies sich als eines, das auch die Ideen seiner Nachfolger trägt. Seine Wasserprobe habe er schon in jungen Jahren bestanden, bemerkt er in Anlehnung an Szenen im Mozart-Werk. In einem Wiener Stadtteil aufgewachsen, in dem Straßennamen an Beethoven und Grillparzer erinnern, und geprägt von Nachkriegsjahren, in denen er früh mit Krankheit und Tod konfrontiert war, hatte er nach der Ausbildung zum Geiger gleich einige Orchesterstationen durchlaufen, auf die eine Karriere aufzubauen gewesen wäre. Während eines Aufenthaltes in Marseille konnte er allerdings jene Abenteuerlust, die sich beim späteren Theatermann immer wieder zeigte, nicht zügeln und heuerte als Matrose mit verlorenen Papieren auf einem Frachter an. Stürme, die ein Schiff zum Sinken bringen könnten, hat er somit auch im wahrsten Sinne des Wortes erlebt.

Das Bild fand für die Seebühne dann ab und zu Verwendung. Schon zu Beginn, als er sich mit der „Zauberflöte“ durchsetzte. Er hatte einen Trumpf in der Hand, und der hieß Jérôme Savary, den er sich holte, weil er ihn für den Abenteurer hielt, den Bregenz brauchte. Über die Mechanismen der Überhöhung, die für ihn als Regisseur und Intendanten ein zentrales Thema wurden, hat er Artikel in mehreren Büchern verfasst.

Pountney und Sobotka

Eine Publikation liegt nun beim Gespräch in seinem Wiener Domizil auf dem Tisch. Stefanos Lazaridis beschreibt seine Arbeit. Er hat etwa die Bühnenbilder, diese Metaphern für den „Fliegenden Holländer“, „Nabucco“ und „Fidelio“ entworfen. Eine Szene aus der Beethoven-Oper auf dem See ziert den Titel des Prachtbandes. David Pountney hatte die Opern inszeniert. Der Regisseur, in dem er einen der richtigen Künstler für seine Projekte sah, wurde sein Nachfolger. Dass er Elisabeth Sobotka, die Chefin an der Oper Graz, die er ob ihrer Programme enorm schätzte, gehen lassen sollte, bedeutete für den Vorstandsvorsitzenden der dortigen Theaterholding ein Hin- und Hergerissensein. Seit 2015 ist sie nun Intendantin in Bregenz. Dass zwischenzeitlich ein Intendant kommen sollte, der die Finanzierungsmechanismen nicht durchschaute, habe ihn sehr verwundert. Sich in der Öffentlichkeit zurückzuhalten, sei ihm damals nicht leicht gefallen. Es kam dann ohnehin anders. In Graz setzte er Findungskommissionen ein, deren Mitglieder mit großer Sorgfalt ausgewählt wurden. Mit der noch jungen Nora Schmid fand er eine Nachfolgerin für Elisabeth Sobotka. Eva Kleinitz, die ihre Laufbahn bei ihm in Bregenz startete, wechselt gerade von der Oper Stuttgart nun an die Spitze des Hauses in Straßburg. Wenn jemand Fähigkeiten in Personen erkennt, dann ist es wohl Alfred Wopmann.

Georg Friedrich Haas

In mehreren Fällen waren es Komponisten. Von Georg Friedrich Haas, der in Vorarlberg aufgewachsen ist, hängt eine Partitur in seiner Wohnung. Seine ersten Opern wurden in Bregenz uraufgeführt. Zwischenzeitlich ist er gefragt wie kaum ein anderer, unterrichtet an der Columbia University, schrieb für die neue Elbphilharmonie in Hamburg ein Werk. „Er hatte schon in frühen Jahren enormes Potenzial“, sagt Wopmann. Vor wenigen Tagen saß er neben ihm, man sprach über ein neues Werk, das in Richtung „Medea“ geht.

Alfred Wopmann wird in der nächsten Woche 80 Jahre alt. Ganz Theatermann verweist er auf Reflexion und Staunen, das die Menschen das ganze Leben brauchen. Bei seinen kleinen Zwillings­enkeln erlebt er gerade beglückt diese Momente.

Wir sprechen über den „Don Giovanni“, der nie kam, aber vielleicht einmal kommt, weil es eine Fassung gibt, die auf dem See möglich wäre. Wir sprechen über ausgezeichnete Produktionen wie den „Maskenball“, die „Griechische Passion“, den Kampf um die Finanzierung von Bühnenbildern, über Uraufführungen und dennoch rund 200.000 Besucher. „Ich bin kein Manager, ich habe mit den Künstlern mitgerudert, dabei wurde meine Stimme gehört.“

Bregenz sei einzigartig, lenkt er den Blick auf den See, die Festspiel-Umgebung, die Architektur. Das Büro Dietrich-Untertrifaller habe beim Festspielhausausbau eine sehr gute Lösung umgesetzt, die die Landschaft und die besondere Dramaturgie einbezieht. Peter Zumthor habe ein Kunsthaus geplant, das seiner Funktion und auch ohne Fenster dem Ort am See absolut entspricht. Auch auf dieses Potenzial macht er aufmerksam.

<p class="caption">Musiker, Regisseur und Intendant Alfred Wopmann: „Ich bin kein Manager, ich habe mit den Künstlern mitgerudert.“ Foto: VN</p>

Musiker, Regisseur und Intendant Alfred Wopmann: „Ich bin kein Manager, ich habe mit den Künstlern mitgerudert.“ Foto: VN

Bregenz ist einzigartig, damit meine ich auch das Festspielhaus mit den drei Bühnen und das KUB.

Alfred Wopmann

Zur Person

Alfred Wopmann

Geboren: 1936 in Wels

Ausbildung: Studium Psychologie, Philosophie, Anthropologie und Violine

Tätigkeiten: Musiker, Regisseur (zahlreiche Inszenierungen im In- und Ausland), Leiter des Opernstudios an der Staatsoper, von 1983 bis 2003 Intendant der Bregenzer Festspiele, seit 2005 Vorstandsvorsitzender der Theaterholding Graz.

Auszeichnungen: u. a. Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse

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