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Wechselwirkung in einem unbestimmten Land

„Das, was ein Bild zu sagen hat, sagt es selbst“, so Pümpel. ag                                                      

„Das, was ein Bild zu sagen hat, sagt es selbst“, so Pümpel. ag                                                      

Neue Werkreihen des Tiroler Künstlers Norbert Pümpel in der Galerie Maximilian Hutz in Hard.

HARD. (VN-ag) Bildkonzepte, die im Grenzbereich zu den Naturwissenschaften angesiedelt sind, charakterisieren das Werk des Malers und Zeichners Norbert Pümpel. In den neueren Werkreihen des Tiroler Künstlers tritt der theoretische Überbau zugunsten sich selbstorganisierender Bildsysteme in den Hintergrund und der Meister räumt dem Zufall Platz ein, wenn auch nur bedingt.

Alchemistische Verfahren

Mit der neuen Poesie und einer anderen Sinnlichkeit, die sich ins Werk von Norbert Pümpel geschlichen haben, ist der Zugang des Künstlers haptischer geworden, stärker vom Material und der intensiven Auseinandersetzung mit Werkstoffen geprägt. Was sich zuletzt schon angedeutet hat, wird angesichts der aktuellen Schau und mittels der beiden neuen Werkreihen „Kondensate“ und „Unbestimmtes Land“ derzeit in der Galerie Maximilian Hutz in Hard bestätigt. Aber: „Auch der Zufall gehorcht den Naturgesetzen“, relativiert Norbert Pümpel seine Vorgehensweise, die einer Versuchsreihe im Labor gleicht, wenn auf die am Boden liegenden Leinwände Flüssigkeiten aus der Malerei aufgetragen und ein- oder mehrschichtig Folien aufgelegt werden, die am Ende teilweise wieder entfernt werden. Wo physikalisch-chemische Gesetze während des Trocknungsprozesses, der einen Tag, aber auch zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen kann, für die oberflächenbestimmenden Strukturen und „Zeichnungen“ sorgen, obliegt dem Künstler in diesem alchemistischen Verfahren allein die Wahl der Farben. Im Farbspektrum bleibt sich Norbert Pümpel treu. Dunkle Töne, Schwarz, aber vor allem Grau, das in allen Varianten nie ein reines Grau, sondern stets unterlegt ist, dominieren nach wie vor. Und das ist gut so, denn es ist wohl auch das Verdienst der dunklen Töne, dass sich die Arbeiten des Künstlers in dem hallenartigen, hellen Raum, den man von der letzten Ausstellung mit Gottfried Bechtold vielleicht sogar noch größer in Erinnerung hat, gut behaupten können und absolut stimmig wirken.

Formale Übung

Im Gegensatz zu den sich selbst generierenden „Kondensaten“ kann man die Blätter der Reihe „Unbestimmtes Land“ der klassischen Malerei mit dem Pinsel zuordnen. In der Nachfolge jener Werke entstanden, die sich mit dem nuklearen Fallout und den menschenentleerten Landschaften nach der atomaren Katastrophe befasst haben, greifen die komplexen Mischtechniken die experimentellen Erfahrungen mit dem Material auf. Was man nicht malen bzw. in der Wirkung nicht genau berechnen kann, passiert einfach. „Das, was ein Bild zu sagen hat, sagt es selbst,“ so Pümpel. Für ein Überraschungsmoment sorgt auch eine einzelne Skulptur, ein rares Exemplar aus der Beschäftigung des Künstlers mit dem Medium Bildhauerei. Das „Modell der Wechselwirkung“, wie das aus einem gefundenen Holzbalken, Bitumen und Silikon produzierte Werk titelt, versteht sich jenseits der klaren Vorstellungen und der Inhaltlichkeit der Malerei und Zeichnung als rein formale Übung. Die Flüchtigkeit, die allem innewohnt, die sensiblen Zustände und fragilen Gleichgewichte, stets im Begriff, sich aufzulösen und zu kippen, ist aus dem Schaffen von Norbert Pümpel nicht wegzudenken. In der Wechselwirkung von Nichts und Materie, die sich an einem diffusen Horizont treffen, entwirft er ein sensibles Bild von der Welt, veränderlich und vergänglich, das die gegenwärtigen Verhältnisse auf dem Globus gut spiegelt.

Die Ausstellung von Norbert Pümpel ist in der Galerie Maximilian Hutz, In der Wirke 4 in Hard, ab heute, Samstag, zu sehen.

Zur Person

Norbert Pümpel

Künstler und Naturwissenschaftler

Geboren: 1956 in Innsbruck

Laufbahn: naturwissenschaftliches Studium, seit 1982 freischaffender Künstler, zahlreiche internationale Ausstellungen in Europa, Amerika und Japan, Lehrtätigkeit an der Universität Innsbruck, Studienreisen

Wohnort: Götzis

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