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Kunst, die einmal mit der Haut zu erfassen ist

Für sein neues Projekt hat Kurt Hofstetter mit der Vorarlberger Firma Getzner zusammengearbeitet. Foto: Bildraum

Für sein neues Projekt hat Kurt Hofstetter mit der Vorarlberger Firma Getzner zusammengearbeitet. Foto: Bildraum

Österreicher Kurt Hof­stetter stellt im Bildraum Bodensee Kunst als Tragegefühl vor.

BREGENZ. (ag) Das Projekt, das im Bildraum Bodensee eine Ausstellung als Feldversuch anlegt und eine sinnlich-taktile Erfahrung von Kunst liefert, stammt von Kurt Hofstetter, geboren 1959 in Linz, in Wien lebend. Der unter dem Künstlernamen Hof­stetter Kurt agierende Konzept- und Medienkünstler, Komponist und Mathematiker wurde 2015 für sein zwischen Ordnung und Chaos oszillierendes Werk mit dem outstanding artist award für Interdisziplinarität ausgezeichnet. Begonnen hat alles mit dem Generieren von aperiodischen, asymmetrischen Mustern durch Drehen und Verschieben von nur einer Einzelform als Ausgangselement, die als komplexes, sich nie wiederholendes Muster an orientalische Ornamente und Arabesken erinnerten. Diese Methode der Aperiodizität, die der Wissenschaft bis dato nicht bekannt war, für die aber 2015 in einem Forschungsprojekt der Beweis erbracht wurde, nennt Hof­stetter Kurt „Induktive Rotation“. Darauf basierend hat der Künstler weitergeforscht und seine Formel auf Gewebe und die Erfindung einer neuen Webart übertragen, mit überraschenden Ergebnissen und für die Wissenschaft von großer Bedeutung. Das hat ihm nicht nur einige Patente beschert, sondern auch einen künstlerischen Auftritt mit der Arbeit „Susys Fingerprint“, als Visualisierung der Theorie der Supersymmetrie mithilfe der induktiven Rotation, in der Ausstellung „Wie alles begann.

Von Galaxien, Quarks und Kollisionen“ im Wiener Naturhistorischen Museum. Für eine Ausstellung im Bildraum Bodensee, respektive im Textilland Vorarlberg, war für den Künstler klar, dass er keine Bilder oder Skulpturen zeigen wollte, sondern die in eigens an digital programmierten Jacquard-Webstühlen gewobenen Stoffen demonstrierte Hofstetter-Bindung.

Unikate zum Ausleihen

Die dergestalt erzeugten Stoffe zeichnen sich durch ihre besondere Reißfestigkeit und die ungleich höhere Luftdurchlässigkeit aus. Für seinen Feldversuch ließ er in Kooperation mit und von der Firma Getzner Textil Baumwollstoffe weben, aus denen in limitierter Auflage je 50 Hemden und Blusen konfektioniert wurden. Diese Unikate werden in Bregenz Ausstellungsbesuchern für die Laufzeit der Schau leihweise zur Verfügung gestellt. Bei Ausstellungsende können die signierten, edlen Stücke entweder zurückgebracht oder käuflich erworben werden. Das Tragen der Hemden ist keine kurzfristige Aufmerksamkeit, sondern erfolgt dann über einen gewissen Zeitraum und die Gewohnheit, wie ein Bild, das man im Wohnzimmer hängen hat, mit der Zeit aber gar nicht mehr bewusst wahrnimmt. Wer sich indes nur kurz das Tragegefühl von Kunst auf der Haut verschaffen, und die bereits im futuristischen Manifest von 1921 gestellte Forderung nach taktiler Kunst erfühlen will, der kann eines der Kleidungsstücke anprobieren, die in einer Ausstellung, die nicht aufs Augentier Mensch, als vielmehr aufs Hauttier Mensch zugeschnitten ist, die eigentlichen Kunstwerke sind. In nach Geschlechtern getrennten Umkleideräumen, mit Blick auf den See, wird so für einmal die Epidermis zum irrationalen Kunstrezeptionsorgan.

Geöffnet im Bildraum Bodensee, Seestraße 5, in Bregenz, bis 14. Jänner, Di und Do, 13 bis 18 Uhr, Fr und Sa, 11 bis 16 Uhr.

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