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Auf dem Layout stehen

Der Boden ist in der neuen Ausstellung in der Galerie Hollenstein ein zentrales Element.  Foto: Voit

Der Boden ist in der neuen Ausstellung in der Galerie Hollenstein ein zentrales Element. Foto: Voit

Die Ausstellung „SALE ON-SITE“ bietet in der Galerie Hollenstein ungewohnte Blicke auf preiswerte Kunst

LUSTENAU. (ag) Schlimm sind die Teppichböden. Da steht es. In weißen Lettern auf dem grauen Teppich der Galerie Hollenstein. Gesagt von einem Künstler, der es wissen muss, hat er doch schon hier ausgestellt. Dass just die Teppichböden im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, ist nur ein bemerkenswerter Umstand der Ausstellung „SALE ON-SITE“, die sich als Retrospektive über den Galerieraum versteht.

Haben sich bei der letzten Ausstellung von „baer“ noch alle Augen auf die Decke der Galerie Hollenstein gerichtet, so werden die Besucher aktuell gesenkten Hauptes, den Blick nach unten, durch die Schau gehen. Und das auch noch vorzugsweise rückwärts, denn Kunst soll ja nicht bequem sein und die Hauptattraktion ist ein begehbares Schriftband auf dem Boden, das lesend abgegangen werden muss. Parallel dazu werden auf Platten, ebenfalls am Boden, die als zweites Band den Raum durchstoßen, die Arbeiten der elf eingeladenen Künstler präsentiert. Die Wände bleiben für einmal tatsächlich leer, ganz leer.

In der letzten Ausstellung des Jahres und bevor die Galerieräume baulich verändert werden und ein Facelift erhalten (in welchem Ausmaß, werden die demnächst anstehenden Budgetverhandlungen bestimmen), macht sich Claudia Voit, seit dem Sommer die neue Leiterin der Galerie, mit „SALE ON-SITE“ an eine (längst fällige) Standortbestimmung des Raums. Dazu hat sie elf Künstler zum Gespräch eingeladen, die schon einmal in der Galerie ausgestellt und ihre Arbeiten in Bezug zum Raum gesetzt haben. Als Siebdruck auf Teppich finden sich Auszüge aus diesen Gesprächen, die die Geschichte der Galerie dokumentieren, nun am Boden, eingeschrieben und gut aufbereitet wie die Rotweinflecken der letzten mehr als vierzig Jahre. Diskutiert wurde neben der Architektur und dem Originalzustand des Raums seit den 1970ern vor allem auch die Positionierung der gemeindeeigenen Galerie als „Dienststelle der Marktgemeinde“ (Voit), sowie die für jeden Künstler unausweichliche Auseinandersetzung mit der Person Stephanie Hollenstein als „Stifterin“ und Namensgeberin.

Kein Ausverkauf

Claudia Voit will Aspekte beackern, die aber auch für die Künstler eine Art Hassliebe zum Raum sind, wie die vielstimmigen und kritischen Zitate von „Alles rausreißen“ (Gerhard Klocker) über „Vielleicht hat vieles sogar hier angefangen!“ (Albrecht Zauner) bis zu „Will ich das wirklich, in einem Raum ausstellen, der nach einer Frau benannt ist, die überzeugter Nazi war?“ (Claudia Larcher) verlauten. Das eigenwillige Display stammt vom Grafikdesigner Julian Hagen, der den Boden als Layout aufgefasst hat. „Der Boden ist ein zentrales Element, das wurde auch aus den Gesprächen mit den Künstlern deutlich“, so Hagen, für den, aus dem zweidimensionalen Bereich kommend, ein flaches Layout, auf dem man nun stehen und gehen kann, naheliegend war.

Eine Herausforderung stellte dagegen die Skalierung des Formats auf Raumgröße dar. Aber auch das ist gelungen, und der Blick von oben auf die eigens produzierten Editionen, die großteils im Druckwerk als Kooperationspartner realisiert wurden, ist bereichernd. Die Preise sind zwar tief angesetzt, ein Kunstausverkauf, wie es der Titel suggeriert, findet aber trotzdem nicht statt. Stattdessen gibt es witzige und kritische, originelle und tiefsinnige Arbeiten von Bella Angora, tat ort, Bernhard Buhmann, Marbod Fritsch, Franz Gassner, Gerhard Klocker, Claudia Larcher/Liddy Scheffknecht, sowie Albrecht Zauner/Florian zu sehen.

Geöffnet in der Galerie Hollenstein, Pontenstraße 20, in Lustenau, bis 23. Dezember, Fr, Sa, So und Feiertag, 15 bis 19 Uhr.

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