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VN-Interview. Sebastian Fitzek (45), deutscher Psychothriller-Autor mit über acht Millionen verkauften Büchern

Der Augensammler, der Seelenbrecher, Pupsi und Stinki

von Michael Prock
Sebastian Fitzek (l.) im VN-Gespräch in München: „Ich hatte Angst, als der Namensfuzzi gebrandmarkt zu werden.“  Foto: VN/Prock

Sebastian Fitzek (l.) im VN-Gespräch in München: „Ich hatte Angst, als der Namensfuzzi gebrandmarkt zu werden.“ Foto: VN/Prock

Bestsellerautor Sebastian Fitzek über grausames in Büchern und den DSDS-Effekt.

München. Er hat nach eigenen Angaben über acht Millionen Bücher in 24 Sprachen verkauft. Seine Fangemeinde wächst, Lesungen sind ein Event, ein Spektakel und meist ausverkauft. Wenn der deutsche Thrillerautor Sebastian Fitzek ruft, folgen die Fans. Er tritt manchmal vor mehr als 2000 Hörern auf. Kürzlich war er im Münchner Zenith zu Gast. Vor dem Auftritt traf er sich mit den VN zum Interview über Grausamkeiten, Kinderbücher und erzählte, was er von Lesungen hält.

Zwei Stunden vor der Vorstellung stehen über 100 Menschen Schlange. Sind Sie ein Popstar?

Fitzek: Nein. Ich bin Geschichtenerzähler und sehr froh, dass es Menschen gibt, die meine Geschichten lesen. Sobald ich von der Bühne gehe, bin ich ein ganz normaler Mensch. Ich bin nicht gesichtsbekannt, ich muss mich in der Öffentlichkeit nicht benehmen (lacht).

Wie kommen Sie auf die Grausamkeiten in Ihren Büchern?

Fitzek: Manchmal wird man von der Realität inspiriert, durch Schlagzeilen und Schicksale. Und dann sind das tatsächlich eigene Ängste, die man verarbeitet. Eine Formel gibt es aber nicht.

Aus welcher Realität nehmen Sie bitte die Vorstellung, dass ein Vergewaltiger seinem Opfer die Augenlider aufschneidet?

Fitzek: Das ist die schrecklichste Metapher dafür, die Augen zu öffnen. Der Täter prangert an, dass ihn seine Opfer nicht anzeigen, und will verhindern, dass sie die Augen vor dem Leid verschließen.

Nun bringen Sie im März ein Kinderbuch über Pupsi und Stinki raus …

Fitzek: (lacht) Ja, genau. Das ist, wie vieles in meinem Leben, völlig naiv und ohne großen Plan entstanden. Meine Kinder haben mich gefragt, was ich beruflich mache. Ich antwortete: ‚Ich schreibe Geschichten.‘ Dann sollte ich ihnen eine Geschichte erzählen, aber meine natürlich nicht. Nach dem Augensammler, dem Nachtwandler und dem Seelenbrecher kommt jetzt mit Pupsi und Stinki der nächste Schocker.

Lesen Sie Kritiken?

Fitzek: Ich habe mir zur Maxime gemacht, dass ich nicht beachte, was ich nicht beeinflussen kann. Um sich weiterentwickeln zu können, brauchen Autoren Kritiken von Menschen, die wollen, dass man sich verbessert. Die hole ich mir im Vorfeld.

Soll ein Autor nur für andere schreiben?

Fitzek: Als ich angefangen habe zu schreiben, wusste ich nicht, für wen. Ich hoffte lediglich, nicht der einzige zu bleiben, der es liest. Dieses Gefühl muss man sich konservieren. Beim zweiten Buch tappt man häufig in die Falle, es irgendjemandem recht machen zu wollen. Das funktioniert nicht. Ganz schlimm ist es, wenn man zuerst auf andere hört, um später sein Ding durchzuziehen. Das ist der DSDS-Effekt.

DSDS-Effekt?

Fitzek: Ich singe die Songs von Bohlen, damit ich berühmt werde. Und dann ziehe ich mein eigenes Ding durch. Das ist eine Falle, man ist gebrandmarkt. Ich habe so ein wahnsinniges Glück, dass ich nicht auf die gehört habe, die sagten: Psychothriller funktionieren in Deutschland nicht, siedeln Sie den doch in Skandinavien an.

Ihr erster großer Bucherfolg war ein Sachbuch über Nachnamen.

Fitzek: Da hatte ich große Angst, dass ich als der Namensfuzzi gebrandmarkt werde. Es war eigentlich nur eine naive Idee von mir und einem Professor. Aber dann wurde es ein Spiegel-Bestseller. Ein Jahr, bevor die „Therapie“ rauskam. Hätte sie gefloppt, wäre ich für immer derjenige gewesen, der über Namen schreibt.

Heute kommen über 2000 Menschen auf eine Lesung.

Fitzek: Einige Fans der ersten Stunde haben mich eingeladen und irgendwann fragte eine Buchhandlung. Ich hatte keine Ahnung, was eine Lesung ist, ich war noch nie auf einer. Dass da Menschen hingehen und einem Autor beim Lesen zuhören, das würde ich nie machen. Ich will meine Thriller ja in meinem Tempo lesen, und bin kein professioneller Sprecher.

Also machten Sie keine normale Lesung?

Fitzek: Ich würde unterhalten werden wollen, schließlich habe ich Eintritt bezahlt. Und ich möchte etwas über den Menschen erfahren. Wie er auf Ideen kommt, wie er tickt, wie er Autor wurde. Dann habe ich eine Leinwand reingekarrt, das gezeigt, und allen hat es Spaß gemacht.

Dieses Jahr feiern Sie zehn Jahre Fitzek. Womit gehen Sie im kommenden Jahr auf Tour?

Fitzek: Das darf ich gar nicht laut sagen, sonst werde ich geköpft. Ich habe mir vorgenommen, dass es 2017 keine große Tour geben wird. Erst 2018 wieder.

Mit welchem Buch?

Fitzek: Im nächsten Jahr wird zur Leipziger Buchmesse ein Taschenbuch erscheinen und ein Hardcover zur Frankfurter Buchmesse. Aber das ist 2017. Was 2018 passiert, weiß ich noch nicht. Da kann einiges kommen.

Sebastian Fitzek: „Das Paket“ Psychothriller, Droemer/Knaur (2016), geb., 368 Seiten

Dass da Menschen hingehen und einem Autor beim Lesen zuhören, das würde ich nie machen.

Sebastian Fitzek

Zur Person

Sebastian Fitzek,

deutscher Schriftsteller. Schrieb zunächst drei Sachbücher, unter anderem: „Professor Udolphs Buch der Namen“ 2005. Debüt als Psychothrillerautor 2006 mit „Die Therapie“. Seine 15 Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt und in über acht Millionen Exemplaren verkauft.

Geboren: 13. Oktober 1971

Ausbildung: Promovierter Jurist

Familie: Verheiratet mit Sandra Fitzek, drei Kinder, wohnt in Berlin

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