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“Ein Teufelskerl, dieser Dix”

von Christa Dietrich
Porträts machen einen Schwerpunkt der Sammlung aus.

Porträts machen einen Schwerpunkt der Sammlung aus.

Blick über den See: Zeppelin-Museum widmet sich einem, den auch Wacker sehr schätzte.

Friedrichshafen. Persönlich getroffen haben sie einander nie, aber nicht nur vergleichbare Selbstbildnisse von Rudolf Wacker (1893-1939), sondern auch Akte und andere Szenen mit Arbeiten von Otto Dix (1891-1969) zu kombinieren, wofür sich Wacker-Experte Rudolf Sagmeister einmal in Vorarlberg entschied, hat einen besonderen Grund: Der Vorarlberger Maler, der ebenso zu den prägenden Vertretern von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit zählt, hat in seinen Tagebüchern die Arbeiten des Deutschen, denen er auf seinen Reisen zu verschiedenen Ausstellungen begegnet ist, bis ins Detail kommentiert. „Ein Teufelskerl, dieser Dix“, notierte er im September 1925. Nach einem Verhör durch die Gestapo verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, 1939 verstirbt Wacker.

Otto Dix befindet sich zu der Zeit bereits vorwiegend in Hemmenhofen am Bodensee, die Professur an der Akademie in Dresden wurde ihm aberkannt, einige seiner Bilder wurden von den Nazis als „entartet“ gebrandmarkt.

125. Geburtstag

Das Dritte Reich endete in Friedrichshafen mit der Zerstörung der meisten Gebäude. Von der städtischen Kunstsammlung blieb nichts mehr übrig. Laut Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin-Museums, ist nicht einmal mehr eruierbar, was man gesammelt hatte. In den 1950er-Jahren jedenfalls begann man mit Kunstankäufen, dabei Gemälde von Dix zu berücksichtigten, der neben den berühmt gewordenen Städtebildern sehr viele Bodenseelandschaften malte und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kunst (darunter ist auch der Schweizer Schriftsteller Max Frisch) porträtierte, lag auf der Hand. Mit über 400 Arbeiten des Künstlers (darunter 21 Gemälde, über hundert Zeichnungen und zahlreiche Grafiken) darf man sich als Kompetenzzentrum in Sachen Dix bezeichnen. Zentrale Beispiele des malerischen Œuvres befinden sich in Stuttgart, das Haus in Hemmenhofen ist in den Sommermonaten geöffnet.

Anlässlich eines runden Geburtstags (Dix wurde am 2. Dezember, also heute vor 125 Jahren, in Gera geboren), bietet das Zeppelin-Museum nun alles auf, was es hat. Kuratorin Ina Neddermeyer hat die Arbeiten nach Motiven geordnet. Vom Kriegszyklus, der mit entsetzlichem Grauen ebenso konfrontiert wie mit formalen Lösungen, vom Abarbeiten an der Landschaft, von biblischen Szenen und religiöser Ikonografie, von berühmten Akten wie der „Vanitas“ (1932) und Gesellschaftskritik geht es nicht zum wiederholten Mal um die Brüche im Schaffen oder den Mann mit zwei Familien, sondern um teuflisch gute Arbeiten, für die man sich am besten viel Zeit nimmt oder mehrmals kommt.

Geöffnet ab heute bis 17. April im Zeppelin-Museum Friedrichshafen, Di bis So, 10 bis 17 Uhr.

<p class="caption">Mit Christophorus-Darstellungen hat sich Dix mehrmals befasst.</p>

Mit Christophorus-Darstellungen hat sich Dix mehrmals befasst.

<p class="caption">Der Maler Otto Dix, der heute vor 125 Jahren geboren wurde, 1952 in seinem Atelier. FotoS: Dix-Stiftung Vaduz, Bild-Kunst, Zeppelin-Museum</p>

Der Maler Otto Dix, der heute vor 125 Jahren geboren wurde, 1952 in seinem Atelier. FotoS: Dix-Stiftung Vaduz, Bild-Kunst, Zeppelin-Museum

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