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Sehr britisch, der „Messias“

Das Originalklangensemble Orchestra & Choir of The Sixteen gastierte im Festspielhaus. Foto: Kulturamt/Mathis

Das Originalklangensemble Orchestra & Choir of The Sixteen gastierte im Festspielhaus. Foto: Kulturamt/Mathis

Englisches Originalklangensemble überraschte bei den Meisterkonzerten.

BREGENZ. (ju) Es ist kaum zu glauben, wie sehr ein und dasselbe Werk in zwei unterschiedlichen stilistischen Sichtweisen gleichermaßen zu begeistern und zu berühren vermag. Es geht um Händels kompositorische Großtat, sein Oratorium „Der Messias“, das innerhalb von elf Tagen zum zweiten Mal im Land zu hören war.

Bei den „Montforter Zwischentönen“ in Feldkirch erklang das Werk äußerlich in einer aktualisierenden Inszenierung, musikalisch griffig und zupackend, voll Kraft und Wärme im Sinn der historischen Aufführungspraxis in der bei uns üblichen Harnoncourt-Nachfolge. Das berühmte englische Originalklangensemble Orchestra & Choir of The Sixteen, das bei den Meisterkonzerten im Bregenzer Festspielhaus gastierte, geht das Werk dagegen in der jahrhundertealten und noch heute gültigen englischen Gesangstradition ganz anders an. Da ist alles in den vertonten Bibeltexten religiös vergeistigt, von großer Schlankheit, Klarheit und Transparenz. Eben „very british“.

Sprechkultur

Man ist zunächst hingerissen von der exzellenten musikalischen Qualität, der Präzision und traumwandlerischen Sicherheit im Koloraturenreichtum, durch die wunderbaren Farben der jungen Stimmen und alten Instrumente mit ihrem seidigen Glanz und die klug eingesetzte Dynamik von Dirigent Harry Christophers. Er modelliert die Musik mit bloßen Händen, ein besonderes Merkmal ist auch die Sprechkultur in einem gepflegten Englisch, dem jeder folgen kann, der diese Sprache einigermaßen beherrscht. Weitere Hilfsmittel gibt es nicht, weder durch das Programmheft mit dem sonst üblichen Text samt Übersetzung noch durch Übertitel wie im Opernbereich.

Doch dann kommt die Glaubensfrage, die das Publikum beschäftigt. Während dem klein besetzten 18-köpfigen Chor intimere Passagen wie „For unto us a Child is born“ („Denn es ist uns ein Kind geboren“) oder die kurzen A-cappella-Stellen im dritten Teil wunderbar verhalten klangvoll gelingen, hätten sich manche die festlichen Chöre wie „Glory to God“ („Ehre sei Gott“) oder das berühmte „Halleluja“ gerade in diesem großen Raum mit mehr Volumen, mächtiger, bombastischer gewünscht. Was freilich eine reine Geschmacksfrage bleibt.

Immerhin wird dieser Wunsch in der triumphalen Schlussfuge noch zum Großteil erfüllt. Die Solopartien sind mit der ersten Garnitur an britischen Sängern besetzt. Der Sopranistin Lucy Crowe ist die Verkündigung anvertraut, sie erfüllt diese Aufgabe strahlend engelsgleich. Der Alt ist weiblich besetzt, mit dem Mezzo Catherine Wyn-Rogers, deren Passionsarie „He was despised“ („Er ward verachtet“) mit schmerzlicher Ausdruckskraft unter die Haut geht.

Draufgängertum besitzt mit herausfordernd hellen stimmlichen Attacken in der Arie „Ev’ry valley shall be exalted“ („Alle Tale macht hoch und erhaben“) der Tenor Joshua Ellicott. Der Bass Henry Waddington hat seinen imposantesten Auftritt im Duett mit der Solotrompete bei „The trumpet shall sound“ („Sie schallt, die Posaun‘“). Christophers fügt die einzelnen Teile nahtlos aneinander, so überträgt sich die Konzentration von der Bühne rasch auf das Publikum, das jubelnde Zustimmung bekundet.

Nächstes Bregenzer Meisterkonzert: 19. Jänner, Festspielhaus. Wiener Symphoniker unter Teodor Currentzis, Patricia Kopatchinskaja, Violine (Tschaikowsky)

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