IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

Verbrechensopfer sind oft die Dummen

von Christiane Eckert
VN-Bericht vom 19. Oktober 2016.

VN-Bericht vom 19. Oktober 2016.

Vielzahl von Vorschriften ermöglicht es Betrügern, dass sie ihre Schulden nie bezahlen müssen.

Feldkirch. (ec) Im Oktober wird ein ehemaliger Mechaniker wegen eines Raubes und zahlreicher Betrugsfakten zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Geradezu meisterhaft gelang es dem zweifachen Familienvater wiederholt, Menschen ihre Ersparnisse herauszulocken. Immer wieder tischte er Märchen auf. Einmal waren es schwerkranke Kinder, denen der Betrüger angeblich aus finanzieller Not keine Weihnachtsgeschenke machen konnte, dann dringende Geldstrafen, die zur Bezahlung anstanden. Alles war gelogen, vor allem Frauen, im Internet kennengelernt, fielen auf die Tricks herein. Ein Opfer nahm sogar einen Kredit auf, um dem sympathisch wirkenden Mann helfen zu können. Gesamtschaden: mindestens 150.000 Euro.

Nichts mehr übrig

Der Mann verwendete das Geld für Kokain, Glücksspiel und Lebensunterhalt. Zu holen ist bei ihm wenig und jetzt sitzt er im Gefängnis. Die erste Hürde, die einer Rückerlangung des Verlorenen entgegensteht. Doch noch ist nicht jede Hoffnung dahin. Der Zuspruch durch das Strafgericht ist ein Exekutionstitel, der einem 30 Jahre ermöglicht, sein Glück zu versuchen. Gerade bei Tätern, die einen Beruf erlernt haben, scheint dies ein Hoffnungsschimmer zu sein. Doch da kommt das nächste Fragezeichen. Auch im oben geschilderten Fall lässt der Verteidiger durchblicken, dass der Betrüger anschließend „Privatkonkurs“ beantragen könnte. Und wieder sinken die Chancen auf Schadenersatz.

Das Schuldenregulierungsverfahren, bekannter als „Privatkonkurs“, wurde 1995 eingeführt. Überschuldeten Privatpersonen sollte ein wirtschaftlicher Neubeginn ermöglicht werden. Eine realistische Chance, sich aus eigener Kraft aus ihrer Notsituation zu befreien. Schuldenberatungsstellen stehen zur Seite, die Quote, die Gläubiger erhalten, muss dem Einkommen des Schuldners entsprechen. Die Zahlungsfrist darf sieben Jahre nicht überschreiten. Werden alle Erfordernisse erfüllt, tritt Restschuldenbefreiung ein. Dieser Weg steht auch Kriminellen offen. Daneben existiert noch das Abschöpfungsverfahren. Die Einzelheiten und Unterschiede sind kompliziert, doch eines ist fix: Die Gläubiger bekommen nur einen Bruchteil dessen, was ihnen abgeluchst wurde. Wenn ein Verbrecher gar nichts besitzt, dann haben Geschädigte endgültig verloren. Das Existenzminimum kann man niemandem wegnehmen. Und genau dieser Umstand hat auch Geschädigte oft an ihr Existenzminimum gebracht.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.