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Aus dem Bezirksgericht. Vergehen der Urkundenfälschung

Der unbekannte Sprachschüler

von Gerhard Sohm

Bosnier wollte sich mit gefälschten Sprachzertifikaten Aufenthaltstitel erschwindeln.

Dornbirn. Für Sprachlosigkeit sorgte der Herr zunächst bei der Bezirkshauptmannschaft: Bereits zum zweiten Mal legte er gefälschte Sprachzertifikate vor, die angeblich in einer Schule in Sarajevo ausgestellt worden sein sollen.

Nach der Anzeige ans Bezirksgericht Dornbirn leistete man dort erst mal Detektivarbeit. Tatsächlich, so ließ sich verifizieren, existiert in der Heimatstadt des Bosniers eine Sprachschule, die solche Zertifikate ausstellt. Wie sich jedoch ebenfalls herauskristallisierte, handelte es sich bei den betreffenden Zertifikaten um Falsifikate. Zu guter bzw. schlechter Letzt war der Bosnier in dieser Schule weder als Antragsteller noch als Schüler bekannt.

Urkundenfälschung

Am Bezirksgericht Dornbirn schließlich mit dem Vorwurf der Urkundenfälschung konfrontiert, scheint der Bosnier aus Entsetzen endgültig die Sprache verloren zu haben. Allerdings nur die deutsche. Denn lautstark vermag er seine Empörung mit Hilfe einer Dolmetscherin nur über die Sprache auszudrücken, die ihm in seiner Heimat in die Wiege gelegt wurde. Er sei ein ehrlicher und rechtschaffener Mensch, lässt er für Richter Frank Plasinger übersetzen, und: „Ich habe mir das so nicht ausgedacht! Ich habe große Probleme, meine Frau hat einen Kredit aufgenommen, und ich kriege tagtäglich eine Gänsehaut.“

Da will es jetzt aber Bezirksanwalt Stefan Klein genau wissen: „Sie behaupten, einen Deutschkurs absolviert zu haben. Was haben Sie denn dabei gelernt?“

Der Angesprochene wird auf diese Fragen nun merklich etwas kleinmütiger und lässt sich durch seine Dolmetscherin verdeutschen: „Wissen Sie, ich verstehe ja ziemlich viel Deutsch. Aber es zu sprechen, ist etwas anderes.“

Im Übrigen kenne er einen Doktor in Sarajevo, der seinen Sprachkurs in Bosnien bestätigen könne. Zu seinem Entsetzen entgegnet ihm der Richter, dass auch eben dieser „Doktor“ keinen blassen Schimmer hätte, wer er, der Beschuldigte, nun wirklich sein soll. Er spricht den Bosnier wegen Urkundenfälschung schuldig und verdonnert ihn zu einer teilbedingten Strafe von 480 Euro in 120 Tagessätzen. Der Verurteilte nimmt die Entscheidung zwar an, doch lässt er noch eine Frage übersetzen: „Kann ich gegen den Doktor zivilrechtlich vorgehen?“

„Ja, aber halt nur in Bosnien“, so die Antwort des Richters.

Wissen Sie, ich verstehe ja ziemlich viel Deutsch. Aber es zu sprechen, ist etwas anderes.

Der Beschuldigte
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