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Zum Gedenken

Stephan Leisner

Feldkirch. Ein Leben auf der Überholspur hat ein jähes Ende gefunden. Stephan Leisner starb dort, wo er am liebsten war: in den Bergen. Beim Abstieg vom Alphubel

stürzte der 38-Jährige in den Tod. Seinen Eltern erklärte er seine Leidenschaft für die Berge so: „Nirgends auf der Welt gibt es so viel Freiheit wie auf den Bergen.“ Nachdem er als Student trotz Höhenangst mit dem Klettern begonnen hatte, wurde er zu einem Alpinisten. Es gefiel ihm, dass er nicht nur den Berg, sondern auch das eigene Ich bzw. dessen Ängste bezwingen konnte. Auch an sportlichen Wettkämpfen beteiligte er sich gerne. Unvergessen bleibt seine Teilnahme am „Dachstein Rush 2015“, wo er als einziger mit einem Mountainbike an den Start ging. Bald hatte er solche Schmerzen, dass er sich in einer Apotheke Medikamente besorgen musste. Ein anderer hätte aufgegeben. Nicht aber Stephan. Der begeisterte Sportler fuhr weiter und beendete die Challenge. Sport spielte immer eine große Rolle in seinem Leben. Als Kind übte er sich im Kunsteislaufen und erreichte einige Stockerlplätze. Der Bub begeisterte sich aber auch für Judo, Tennis und Volleyball. Bei den Pfadfindern erlebte das Einzelkind schöne Zeiten der Gemeinschaft. „Er war gerne Pfadfinder“, erinnert sich seine Mutter Annerose. Schon damals liebte ihr Sohn die Natur und das Abenteuer. Stephan hatte so viele Interessen, dass ihm die Tage zu kurz waren Aber irgendwie schaffte er es, sich auch für die Musik – er war Gitarrist in einer Band – und fürs Tanzen Freiräume zu erkämpfen. Wenn die Tage mit Schule oder Lernen verplant waren, mussten eben die Nächte für Freizeitaktivitäten herhalten. Auch später, während der Studienzeit in Wien, waren seine Tage mehr als ausgefüllt. Der Student der Handelswissenschaften engagierte sich als Bundesobmann der Aktionsgemeinschaft.

Nach dem Studium steckte er seine Energie in den Aufbau einer Firma, die Bioöl produziert. In dieser Zeit wurde er auch Vater. Als Papa war es ihm wichtig, seinen zwei Söhnen die Natur nahezubringen. „Im Sommer hat er unseren Enkeln noch ein Baumhaus gebaut“, erinnert sich sein Vater Hans. Dieser sah es nicht gerne, dass sich sein Sohn immer mehr zum Extrembergsteiger entwickelte. „Ich war darauf bedacht, dass er als Vater das Risiko minimiert. Aber Stephan meinte, dass ihm schon nix passiere.“ Allein heuer unternahm Stephan so viele Touren wie ein anderer sie in seinem ganzen Leben nicht macht. Er war am Mont Blanc, am Gran Paradiso, am Piz Bernina, . . . Stephan, so befinden seine Eltern, war sein Leben lang auf der Überholspur. „Vielleicht hat er gespürt, dass sein Leben früh zu Ende gehen wird und hat deshalb so intensiv gelebt“, mutmaßt seine Mutter, die von ihrem Sohn vor allem seine Herzlichkeit und Fröhlichkeit in Erinnerung behalten wird. Den verwaisten Eltern ist es ein Trost, „dass unser Sohn in seinem kurzen Leben so viel gemacht hat, wie ein anderer es in drei Leben nicht tut.“ Es gibt ein Zitat, das Cicely Saunders, der Begründerin der Hospizbewegung, zugeordnet wird: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Stephan hat exakt danach gelebt.

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