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40 Notschlafstellen gesucht

von Michael Prock und Gernot Schweigkofler
Feldkirch bittet Unternehmen, "Spendenkässile" im Büro aufzustellen.

Feldkirch bittet Unternehmen, "Spendenkässile" im Büro aufzustellen.

Caritas-Direktor Schmolly fordert rasche Lösung. Feldkirch richtet Brief an Firmen.

Feldkirch, Bregenz. Was wurde nicht schon alles versucht. Notschlafstellen eingerichtet, Zeltlager geräumt, Busse und Zugfahrkarten nach Rumänien organisiert, rumänische Polizisten auf Vorarlbergs Straßen geschickt – eine Abordnung des Landes und der Stadt Dornbirn machte sich sogar auf den Weg zu einer Exkursion nach Rumänien. Am Ende stehen die Verantwortlichen vor derselben Situation wie vor einem Jahr: Geschätzte 250 Menschen aus Osteuropa befinden sich derzeit in Vorarlberg und suchen mit Betteln ihr Auskommen. Sie haben kein Obdach, der Winter naht. Also werden wieder Notschlafstellen gesucht. Vorarlbergs Städte reißen sich allerdings nicht gerade um die Herberge. Die zuständige Landesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) gesteht den VN: „Die Suche nach Notschlafstellen für Notreisende gestaltet sich sehr schwierig.“

Wiesflecker berichtet zwar: „Wir haben uns gemeinsam mit den Städten auf 40 Plätze an zwei Standorten geeinigt.“ Allerdings mit dem Haken: „Es sind noch keine Quartiere definiert.“ Eine, die als Landtagsabgeordnete und Vizebürgermeisterin direkt an der Schnittstelle zwischen Land und Stadt sitzt, ist ÖVP-Abgeordnete Barbara Schöbi-Fink. Sie erläutert den VN: „Wir sind in Abklärung. Schon letztes Jahr hatten wir Notschlafstellen, und dies nicht ohne Belastung für die Feldkircher.“

Spenden nach Rumänien

Ihr Parteikollege, Feldkirchs Sozialstadtrat Guntram Rederer, führt aus: „Ganz persönlich tun mir die Menschen wirklich sehr leid. Aber als verantwortungsvoller Politiker muss ich sagen: Wenn wir Notwohnungen zur Verfügung stellen, dann ist das wie ein Magnet.“ Wie in Dornbirn will nun auch Feldkirch lieber vor Ort helfen, damit die Menschen ihr Land gar nicht erst verlassen müssen. Rederer verweist auf ein Projekt des Feldkirchers Simon Suitner. Er betreibt mit „Somaro“ zwei Sozialmärkte in Bukarest und Sibiu. In einem Brief an alle Feldkircher Unternehmer bittet die Stadt um Spenden für „Somaro“. „Somit wird das Geld vor Ort eingesetzt“, erklärt Rederer im VN-Gespräch.

In Dornbirn wurden im vergangenen Winter von der Organisation „Kaplan Bonetti“ Notschlafstellen angeboten. Ob erneut welche bereitgestellt werden, war für die VN nicht zu erfahren. „Keine Auskunft“, hieß es aus der gemeinnützigen Organisation. „Bitte wenden Sie sich an die Landesrätin.“ Die zuständige Stadträtin Marie-Louise Hinterauer (ÖVP) sagt dazu: „Ich kann mir schon vorstellen, eine begrenzte Zahl zur Verfügung zu stellen. Aber man muss auf jeden Fall darauf achten, dass jene, die vergangenen Winter eine enorme Belastung hatten, nicht wieder zum Handkuss kommen. Das waren vor allem Feldkirch und Dornbirn.“ Für Notschlafstellen brauche es klare Regeln, sagt Hinterauer: „Es darf keine Dauerunterkunft sein, sondern soll als Überbrückung bis zur organisierten Rückreise dienen.“

In Feldkirch war die Caritas für die Notunterkünfte zuständig. Caritas-Direktor Walter Schmolly sieht im Gespräch mit den VN das Land und die Kommunen in der Pflicht. Diese hätten zugesagt, Notunterkünfte zu organisieren: „Wir werden die Betreuung übernehmen, warten aktuell aber auf den Startschuss.“ Er setzt auf eine schnelle Lösung: „Ich hoffe, dass in der kommenden Woche etwas passiert.“ Die Zeit dränge, schließlich könne eine Notunterkunft nicht über Nacht organisiert werden. Für Schmolly steht jedenfalls außer Frage, dass es Notschlafstellen in Vorarlberg benötigt: „Man kann nicht warten, bis der Schnee kommt und Kinder und Jugendliche immer noch obdachlos sind.“

Kein Platz in Bludenz

Dessen ungeachtet werden in Bludenz wohl keine Plätze zur Verfügung gestellt, wie Bürgermeister Mandi Katzenmayer (ÖVP) im ORF sagte. Vergangenes Jahr stand noch der Turnsaal bereit, dies sei nicht mehr möglich. Er hat indes die Bludenzer per Flugblatt aufgefordert, für das Projekt von Pater Sporschill in Rumänien zu spenden.

Ist der Winter vorbei, sind auch die Notschlafstellen wieder Geschichte. Dann kann die Suche nach einer Strategie von Neuem beginnen.

Man kann nicht warten, bis der Schnee kommt.

Walter Schmolly

Notschlafstellen dürfen keine Dauer­unterkunft sein.

Marie-Louise Hinterauer
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