IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

Besuchscafés mehr gefragt und gefordert

von Marlies Mohr
Bei einer Trennung sind es die Kinder, die am meisten leiden, wenn sie einen Elternteil nicht mehr sehen dürfen.

Bei einer Trennung sind es die Kinder, die am meisten leiden, wenn sie einen Elternteil nicht mehr sehen dürfen.

Finanzierung erweist sich als zunehmend schwieriger. Warteliste unvermeidbar.

Bregenz. (VN-mm) „Eher mehr als weniger“ ist das Angebot der Besuchsbegleitung für Familien in Trennungssituationen laut Alice Hagen-Canaval gefragt. Seit das IfS im vergangenen Jahr die Besuchsbegleitung eingestellt hat, ist das Vorarlberger Kinderdorf zentrale Anlaufstelle für alle Anfragen geworden. „Und wir platzen damit ziemlich aus den Nähten“, bestätigt die Bereichsleiterin für den ambulanten Familiendienst. Da reichen die vom Sozialministerium bewilligten 40 Stunden für eine geförderte Besuchsbegleitung fast nie, was die Finanzierung zunehmend erschwert.

Das Land fördert das Angebot mit rund 70.000 Euro. Knapp die Hälfte der Stunden kann mit dem Bund abgerechnet werden. Was sich jedoch als immens mühsam erweist. Auch um ein Nachtragsbudget für das heurige Jahr aufgrund des IfS-Ausstiegs bemühte sich das Kinderdorf vergebens. Die zusätzlichen Kosten müssen anderweitig gedeckt werden. Trotzdem soll die Besuchsbegleitung in Vorarlberg kostenfrei bleiben. „Die Bezahlung der Stunden könnte nur weitere Konflikte zwischen den Eltern verursachen“, begründet Alice Hagen-Canaval. Das Kinderdorf sei bemüht, den Bedarf im Land bestmöglich zu decken, bis Ende des Jahres müsse jedoch mit einer Warteliste gerechnet werden. Derzeit liegen 60 Anfragen für Besuchsbegleitungen vor.

Hoher personeller Aufwand

Eine beaufsichtigte Besuchsbegleitung, auch als Besuchscafé bekannt, ordnen Familiengerichte an, wenn sich Eltern über Obsorge oder Besuchsrecht nicht einigen können. Ziel dieser Maßnahme ist die Aufrechterhaltung des Kontakts zwischen dem minderjährigen Kind und dem getrennt lebenden Elternteil. „Immer wieder sind aufgrund der vielschichtigen Schwierigkeiten, die Familien mitbringen, längerfristige Begleitungen erforderlich“, sagt Gabriele Rohrmeister, die Leiterin der Besuchsbegleitung. Häusliche Gewalt sowie Suchtproblematiken benennt sie als Hauptgründe für begleitete Besuchskontakte. „Das stellt auch an die Mitarbeiterinnen enorme Anforderungen“, berichtet die Psychologin und Psychotherapeutin von zunehmenden 1:1-Begleitungen, die wiederum den personellen Aufwand erhöhen. Ungeachtet dessen wurde als Reaktion auf diese Entwicklung beschlossen, den Standort in Bregenz jeden Samstag zu öffnen. Dies werde früher oder später auch in Feldkirch notwendig sein, meint Rohrmeister. Dort steht die Besuchsbegleitung derzeit jeden zweiten Samstag zur Verfügung. Die Öffnung von zwei Standorten jeden Samstag erfordert allerdings zusätzliches Personal, das laut Alice Hagen-Canaval aber nicht so einfach zu finden ist.

Gute Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit mit der Familiengerichtshilfe bezeichnen beide Frauen als sehr gut. Das Angebot werde geschätzt. Vermehrt kommen auch Anfragen, wonach das Kinderdorf dem Gericht Berichte über durchgeführte Besuchsbegleitungen zur Verfügung stellen soll. „Grundsätzlich finden wir das wichtig, und es wäre im Hinblick auf das Kindeswohl auch notwendig“, bestätigen Hagen-Canaval und Rohrmeister. Dieser Aufwand könne aber nicht mit Bund abgerechnet werden. Ebenso wenig wie Beratungsgespräche bzw. Mediation parallel zur Besuchsbegleitung, die nach Meinung von Rohrmeister mehr denn je Sinn machen würden. Nicht zuletzt, weil die zugewiesenen Kinder immer jünger werden. „Ein Großteil von ihnen ist im Kleinkind- und Vorschulalter“, verdeutlicht die Psychologin.

Hannes Hausbichler, Vorsitzender der Männerpartei, fordert, dass dem Kinderdorf bei der Bewältigung dieser wichtigen Aufgabe vom Land finanziell besser unter die Arme gegriffen wird. Es könne nicht sein, dass die Organisation ein Drittel des Aufwandes selbst tragen müsse.

Ein Großteil der zur Besuchsbegleitung zugewiesenen Kinder ist im Kleinkind- und Vorschulalter.

Gabriele Rohrmeister

Fakten

Besuchsbegleitung bis 31. 8. 2016

» Begleitete Familien: 58

» Begleitete Kinder: 76

» Anfragen: 60

» Durchgeführte Besuchsbegleitungen: 335(744 Stunden)

» Geöffnete Samstage: 18 x in Feldkirch, 32 x in Bregenz

» Gesamtstunden: 899,25

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.