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VN-Interview. Patrick Nuck (34) über die Zeit, den Tod und was danach kommt

Das Sterben ist auch sein Leben

von Marlies Mohr
Patrick Nuck zählt zu den jüngsten Bestattern des Landes. Seine Freude am Leben trübt der Beruf nicht.  Foto: VN/Steurer

Patrick Nuck zählt zu den jüngsten Bestattern des Landes. Seine Freude am Leben trübt der Beruf nicht. Foto: VN/Steurer

An Allerheiligen zieht es viele auf den Friedhof. Patrick Nuck ist fast täglich dort.

Wolfurt. Er redet gerne. Über das Leben sowieso, aber auch der Tod ist ihm nicht fremd. Er ist praktisch sein Leben. Denn Patrick Nuck ist damit aufgewachsen. Sein Vater Günther machte sich vor zwölf Jahren als Bestatter selbstständig. Gespräche über das Sterben gehörten zum Familienalltag. Am 1. Dezember geht der Seniorchef in Pension, dann übernehmen Patrick und sein Bruder Jochen ein Geschäft, das inzwischen mehr als nur ein solches ist.

Warum wurden Sie Bestatter?

Nuck: Vermutlich, weil ich mit diesem Geschäft aufgewachsen bin. Mein Vater arbeitete immer schon als Bestatter. Dadurch bin ich sehr früh mit diesem Beruf in Kontakt gekommen. Ich habe auch sehr früh für mich entschieden, den Weg meines Vaters weiterzugehen. Seit August 2006 arbeite ich hauptberuflich in diesem Gewerbe.

Gab es nie das Bedürfnis, etwas anderes zu tun?

Nuck: Eigentlich bin ich gelernter Gas-Wasser-Installateur und Zentralheizungsbauer. In Österreich gibt es nämlich keine Lehre für Bestatter. Ich wollte jedoch einen Lehrberuf, weil man ja nie weiß, wie sich das Bestattungswesen entwickelt. Außerdem war ich vier Jahre lang beim Militär als Ausbildner tätig. Nebenbei habe ich meinem Vater immer auf dem Friedhof geholfen. Mit 14 war ich zum ersten Mal bei einer Abholung und Einsargung dabei. Ich hatte nie Berührungsängste, weil der Tod ein ganz normales Thema in unserer Familie war. Es wurde immer offen darüber geredet.

Hat sich die Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Nuck: Ja, denn die Kunden verlangen heutzutage deutlich mehr. Die Ansprüche haben sich verändert, nicht zuletzt deshalb, weil wir den Leuten die Möglichkeit geben wollen, sich einzubringen und das Abschiednehmen persönlich gestalten zu können.

Sie sind beinahe täglich mit dem Tod konfrontiert. Verändert einen der Beruf selbst auch?

Nuck: Ich möchte es so ausdrücken: Man lebt sicher ein Stück bewusster, weil man immer vor Augen hat, wie schnell alles vorbei sein kann. Man genießt das Leben, man genießt seine Freiheit, und man freut sich an kleinen Dingen.

Ist das nicht auch eine Belastung?

Nuck: Überhaupt nicht. Es ist ja nicht so, dass ich mir jeden Tag sage, es könnte mein letzter sein und ich muss jetzt Bäume ausreißen. Da würde man wohl verrückt werden. Das Ganze spielt sich eher im Unterbewusstsein ab.

Sterben ist ohne Zweifel ein Geschäft. Lässt es sich tatsächlich nur als solches betrachten, oder braucht es doch mehr?

Nuck: Ich denke, ohne Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen und Herzblut funktioniert es in diesem Gewerbe nicht. Das würden auch die Angehörigen merken. Leider haben Bestatter nach wie vor nicht den allerbesten Ruf.

Was ist der Grund?

Nuck: Sie wirken vielfach kalt und zurückhaltend.

Sterben kostet auch Geld. Reden die Leute darüber oder gilt das als pietätlos?

Nuck: Es wird zu den Kosten sehr viel nachgefragt, sogar, wenn es noch keinen Todesfall in der Familie gibt. Eine Bestattung kostet, keine Frage. Es steckt aber auch viel dahinter. Das darf ebenfalls nicht vergessen werden.

Welche Art der Bestattung ist besonders gefragt?

Nuck: Das ist nach wie vor die Urnenbeisetzung. Der Einäscherungsanteil liegt landesweit bei 78 Prozent. Das hat sicher auch mit dem beschränkten Platzangebot auf den Friedhöfen zu tun. Zudem sind Urnengräber einfacher zu pflegen. Dennoch bestehen regionale Unterschiede. In manchen Gemeinden sind Erdbestattungen nach wie vor häufiger als Feuerbestattungen.

Lohnt es sich da noch, teure Särge anzubieten?

Nuck: Natürlich. Niemand will mehr 08/15. Man gestaltet sein ganzes Leben individuell, das soll auch im Tod zum Ausdruck kommen. Zudem ist es oft so, dass auch bei einer Feuerbestattung die Trauerfeier an einem Sarg stattfindet. Dann möchten Angehörige ein Modell, das dem Verstorbenen gerecht wird und nicht irgendeine Presspanplatte.

Sind Sie eher ein fröhlicher oder eher ein besinnlicher Mensch?

Nuck: Ich würde mich als fröhlichen Menschen sehen. Der Beruf betrübt mich überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Es ist ein wunderbarer Beruf. Sicher hat man viel mit Leid zu tun, mit Hinterbliebenen, die sich in der schwierigsten Lebenssituation befinden. Aber der Dank, der einem entgegengebracht wird, wenn das Begräbnis den Wünschen der Angehörigen entsprochen hat, gibt unheimlichen Auftrieb, und man weiß, warum man das macht. Ich gehe zum Lachen sicher nicht in den Keller.

Welchen Wert hat Zeit für Sie?

Nuck: Zeit ist etwas ganz Wichtiges, weil Zeit sehr schnelllebig ist. Man sollte sich auch bei einem Todesfall Zeit lassen und nicht meinen, alles schnell hinter sich bringen zu müssen, weil es dann leichter wird. Erfahrungsgemäß tritt genau das Gegenteil ein. Wenn man jedoch Trauer zulässt, sich Zeit nimmt für den Abschied vom Verstorbenen, kann das viel Positives bewirken. Leider wird der Tod nach wie vor an den Rand gedrängt, die Gesellschaft räumt ihm keinen Platz ein, redet nicht darüber.

Glauben Sie persönlich an ein Leben nach dem Tod?

Nuck: Ich mache mir natürlich auch meine Gedanken dazu, und ich bin überzeugt, dass es etwas gibt.

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