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Schon vier von zehn Kindern unehelich

von Johannes Huber
In Kärnten sind bereits mehr als die Hälfte der Eltern von Neugeborenen nicht verheiratet. In Vorarlberg sind es 38,5 Prozent.  Foto: APA

In Kärnten sind bereits mehr als die Hälfte der Eltern von Neugeborenen nicht verheiratet. In Vorarlberg sind es 38,5 Prozent. Foto: APA

Seit Mitte der 1990er- Jahre hat sich der Anteil verdoppelt. Weiterer Anstieg erwartet.

Schwarzach. (joh) „Heiraten und dann Kinder kriegen“, war einmal. Auch in Vorarlberg handelt es sich längst nicht mehr um die Regel. Immer öfter heißt es stattdessen: „Kinder kriegen und vielleicht einmal heiraten.“ Das zeigen die Zahlen, die die „Statistik Austria“ erhoben hat: 1995 waren hierzulande 19,1 Prozent der Geborenen unehelich. Knapp zwei von zehn also.

Im vergangenen Jahr waren es mit 38,5 Prozent von insgesamt 4092 vier von zehn bzw. ziemlich genau doppelt so viele. Wobei die Zunahme mehr oder weniger kontinuierlich verlief – und nach Einschätzung von Experten weiterhin anhalten dürfte.

Die Geburtenstatistik verrät einiges über den gesellschaftlichen Wandel. Beispielsweise auch, dass Frauen immer später Kinder zur Welt bringen. Im Schnitt waren sie in Vorarlberg 2015 bereits 30,9 Jahre; das Alter ist damit allein seit 2005 um ein Jahr gestiegen.

Am rasantesten bleibt jedoch die Veränderung der Familienformen, in die Säuglinge hineingeboren werden: Bundesweit sinkt der Anteil jener mit verheirateten Eltern, während der mit nicht verheirateten zunimmt. Mit den 38,5 Prozent unehelich Geborener hat sich Vorarlberg in der jüngeren Vergangenheit dem Durchschnittswert, gemessen vom Boden- bis zum Neusiedlersee, angenähert; dieser beträgt 42,1 Prozent. Sehr viel höher ist er nur in Kärnten; mit 53 Prozent ist das im Übrigen das einzige Land, in dem es sich bereits um eine Mehrheit handelt. Niedriger als in Vorarlberg ist der Anteil nur in Wien (34,8 Prozent), was sehr wahrscheinlich auf die vielen Migranten zurückzuführen ist, die in der Bundeshauptstadt leben und noch eher traditionellen Familienmustern folgen.

„Das Bindungsverhalten ändert sich“, analysiert der Obmann des Familienverbandes, Andreas Prenn, die Entwicklung im Land: „Immer mehr Frauen und Männer tun sich schwer, sich auf Dauer aufeinander einzulassen und darauf zu vertrauen, dass es gut geht, ohne eine Versicherung darauf abschließen zu können. Unsere Elterngeneration hat das eher getan. Heute überlegen sich das viele genauer.“ Was auch auf die hohe Scheidungsquote zurückzuführen sei und die Angst vor allen möglichen Belastungen, die mit einer solchen Trennung einhergehen könnten.

Der Wendepunkt ist nach Einschätzung von Prenn noch nicht erreicht. Zumal es ein Stück Normalität geworden sei, dass man zum Beispiel zusammenlebt, ohne verheiratet zu sein; und dass sich auch die Kinder daran gewöhnen. Wobei für den Familienvertreter immer eines entscheidend ist: dass die Partnerschaft zwischen den Eltern funktioniert.

Zu spüren bekommen die Veränderungen auch Rechtsanwälte, wie der Dornbirner Clemens Pichler: Sie werden öfter zu Rate gezogen. „Vielen ist nicht bewusst, was ein uneheliches Kind bedeutet“, erklärt er. Grundsätzlich liege die Obsorge in solchen Fällen nämlich bei der Mutter; der Vater könne daran teilhaben, wenn eine entsprechende Vereinbarung getroffen wird. Oder: Der Nachwuchs bekommt den Familiennamen der Mutter, es sei denn, sie und der Vater kommen überein, seinen zu wählen. Das zeigt schon, dass es besonders haarig werden kann, wenn die Beziehung nicht mehr klappt, getrennte Haushalte vorliegen und möglicherweise auch noch Unterhaltsstreitigkeiten dazukommen, die mit bis zu 22 Prozent des Nettoeinkommens pro Kind an die Substanz gehen können, wie Pichler ausführt.

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