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VN-Interview. Andreas Salcher (55) über Freundschaft als Königsdisziplin der Lebenskunst

Ein Beitrag zum Lebensglück

von Marlies Mohr

Freundschaft ist laut Salcher auch ein gutes Trainingsgebiet für Beziehungen.

Schwarzach. Diese Auffassung vertritt zumindest Andreas Salcher. Der Unternehmensberater ist auch der Überzeugung, dass, wer zur Freundschaft nicht fähig ist, auch keine Liebe geben kann. In seinem neuen Buch „Ich bin für Dich da“ formuliert Salcher seine Gebote für bereichernde Freundschaften.

Sie sind eher als Autor von Sachbüchern zum Thema Schule bekannt …

Salcher: Das ist die öffentliche Wahrnehmung, weil mein erstes Buch „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ mein mit Abstand bekanntestes ist. Meine vom Verkauf her deutlich erfolgreichsten Bücher sind „Meine letzte Stunde“ und „Der verletzte Mensch“.

Was war ausschlaggebend, sich die Kunst der Freundschaft vorzunehmen?

Salcher: Ich glaube, es ist ein unterschätztes Thema. Wenn man mit den Leuten redet, sagen die meisten, ich habe eh drei bis fünf Freunde, sie übersehen jedoch, dass es so etwas wie Freundschaftsvergessenheit gibt. Das heißt, in der produktivsten Phase unseres Lebens, zwischen 25 und 50, verlieren wir dramatisch Freunde, ohne dass es uns auffällt. Und im Alter, sprich ab 60, haben wir nur noch ganz wenige Möglichkeiten, neue Freunde kennenzulernen. Ich möchte Menschen dafür sensibilisieren, dass neben einer guten Partnerschaft auch funktionierende Freundschaften entscheidend sind für das Lebensglück. Das Buch enthält deshalb viele berührende Geschichten, die alle aus dem Leben gegriffen sind, obwohl sie manchmal sogar grotesk und unglaubwürdig klingen. Außerdem beschäftigen mich die Gründe, warum Freundschaft scheitert.

Was sind die Gründe?

Salcher: Zeit ist ein Thema. Immer, wenn ich keine Zeit für meine Freunde habe, ist mir etwas anderes wichtiger. Das passiert sehr oft. Wenn dann etwas zerbricht, beispielsweise eine Beziehung, sind die Freunde nicht mehr da, weil es sie nicht mehr gibt. Aber gerade in solchen Situationen sind es unsere Freunde, die uns auffangen, mit denen wir reden können.

Wie definiert sich eine haltbare Freundschaft?

Salcher: Freundschaft heißt Loyalität, Vertrauen, Verlässlichkeit und, das ist die höchste Stufe der Freundschaft, eine Art von Seelenverwandtschaft. Das sind die schönsten Elemente einer Freundschaft.

Was haben Sie aus dem Buch gelernt?

Salcher: Dass der Augenblick der ersten Enttäuschung in einer Freundschaft genau der ist, in dem wir uns wirklich näherkommen können, wenn wir nur ehrlich zueinander sind.

Ist eine Freundschaft zwischen Frauen und Männern möglich?

Salcher: Ich bin dieser Frage auch statistisch nachgegangen. Interessant ist, dass jüngere Frauen zwischen 20 und 30 noch in hohem Ausmaß an die platonische Freundschaft mit Männern glauben. Bei den 30- bis 40-Jährigen sind es deutlich weniger, weil sie offensichtlich schon andere Erfahrungen gemacht haben. Die Männer können sich tendenziell immer eher etwas vorstellen, während die Frauen sehr genau unterscheiden, ob das ein potenzieller Liebhaber oder ein Freund ist. Ein sehr spannendes Thema mit vielen Facetten.

Wer lebt Freundschaft mehr, Männer oder Frauen?

Salcher: Frauen- und Männerfreundschaften sind sehr unterschiedlich in ihrer Ausprägung. Frauenfreundschaften wirken zwar enger und intensiver und auf den äußeren Blick emotionaler, sie zerbrechen aber auch leichter bei einem Konflikt. Männer lassen Freundschaften eher sanft ausklingen. Das Buch ist deshalb auch der Versuch, Männern und Frauen zu zeigen, wie die andere Seite funktioniert. Man darf ja nicht vergessen: Freundschaft ist zudem  ein gutes Trainingsgebiet für Beziehungen. Bin ich zur Freundschaft nicht fähig, dann bin ich auch zur Liebe nicht fähig.

Sie sagen, drei bis vier enge Freunde reichen aus …

Salcher: Mehr schafft ein Mensch nicht.

Gibt es ein Rezept für eine gelingende Freundschaft?

Salcher: Es heißt immer, man sollte der Freundschaft einen Stellenwert im Leben geben. Ein entscheidender Punkt ist in diesem Zusammenhang die Pflege der Freundschaft. Dieses Pflegen besteht in einem bestimmten Ausmaß an Kontakt. Freundschaften, die sich im Laufe des Lebens auseinanderentwickelt haben, sollte man sanft ausgleiten lassen. Wenn ich in die falschen Beziehungen investiere, bleibt mir nicht mehr genug Zeit und Energie für die wichtigen oder für neue Menschen.

Warum haben manche Menschen keine Freunde?

Salcher: Weil sie schon sehr früh sehr negative Erfahrungen mit Freundschaften gemacht haben. Außerdem gibt es Menschen, die überhaupt Schwierigkeiten haben, tiefere Beziehungen einzugehen. Das kann dann vor allem im Alter zum Problem werden. Es kommt die Einsamkeit, und dann ist häufig ein Tier der letzte Freund im Leben.

Buchtipp: Andreas Salcher: Ich bin für Dich da. Die Kunst der Freundschaft, Ecowin Verlag, 240 Seiten, Preis: 24 Euro.

Freundschaft heißt Loyalität, Vertrauen, Verlässlichkeit.

Andreas Salcher
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