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“Sehr wertvolle Erfahrungen”

von Heidi Rinke-Jarosch
Wann immer sich Möglichkeiten bieten, stürmt Mehmed Djalali Gipfel der heimischen Bergwelt.

Wann immer sich Möglichkeiten bieten, stürmt Mehmed Djalali Gipfel der heimischen Bergwelt.

Flüchtling aus dem Iran ist berührt von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft in Vorarlberg.

schwarzach. Mehmed Djalali hält sich gerne in Bregenz am See auf. Und immer, wenn der 56-jährige Flüchtling aus dem Iran am Ufer sitzt und die Landschaft genießt, die er als ein von der Natur geschaffenes Gemälde betrachtet, schlägt er sein „Tagebuch im Kopf“ auf und lässt seine Gedanken Revue passieren. „Ich blicke zurück auf meine Odyssee, die vor 20 Jahren begann.“

Als Kritiker des Khomeini-Regimes und als Muslime, aber nicht Islamist musste Mehmed Djalali den Iran verlassen. Seine Flucht dauerte Jahre und führte ihn am Ende über die sogenannte Balkanroute nach Österreich. Nach Aufenthalten in Flüchtlingsheimen in Wien und Salzburg landete er vor etwa einem Jahr in Lingenau, wo er heute, betreut von der Caritas Flüchtlingshilfe, lebt und auf den Asylbescheid wartet.

Die Jahre der Heimatlosigkeit haben dem Iraner zugesetzt. „Dennoch fühlte ich mich glücklich, in einem so schönen Land, wie es Vorarlberg ist, angekommen zu sein“, sagt er, „in einer solch herrlichen Gegend mit üppigen Wäldern, Flüssen, Bergen.“ Auch von der heimischen Bergwelt ist der Iraner angetan. Wann immer sich Möglichkeiten bieten, stürmt er Gipfel und lernt so seine neue Heimat auch aus der Höhe kennen.

Drei Episoden

Besonders berührt ist Djalali jedoch von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die er durch Einheimische erfahren hat. Eine Episode spielte sich in Bregenz ab: „Ich hatte einen Termin bei einem Arzt.“ Die Adresse der Ordination hatte er aufgeschrieben, aber keine Ahnung, wie er dorthin gelangte. So habe er eine ältere Frau, die ihm auf einen Rollator gestützt entgegenkam, nach dem Weg gefragt. „Die Frau sagte ‚Kommen Sie mit, ich bringe Sie hin‘. Ich bedankte mich und lehnte ab. Ich wollte nicht lästig sein.“ Die Frau habe jedoch darauf bestanden, ihn zur Arztpraxis zu begleiten. „Ich war erstaunt. Warum hat diese Frau für mich, einen Fremden, Verantwortung übernommen?“

Handy zurückgebracht

Die zweite Episode ereignete sich in Lingenau. Nach einem Spaziergang ließ sich Djalali auf einer Bank vor dem Bahnhof nieder. „Wieder zu Hause bemerkte ich, dass ich mein Handy verloren hatte.“ Den Verlust habe er gleich beim Gemeindeamt gemeldet. „Am nächsten Tag habe ihm ein dort Angestellter das Handy zurückgebracht. Jemand hatte das Gerät gefunden und abgegeben. „Ich war erleichtert, staunte aber einmal mehr über die Hilfsbereitschaft, die so selbstverständlich schien.“

Das dritte Erlebnis hatte Djalali, als er über ein Online-portal einen Satz Hanteln erwarb. Ein Vorarlberger verkaufte ihm die Sportgeräte um 15 Euro. „Als er erfuhr, dass ich Flüchtling bin, gab er mir fünf Euro Rabatt. Ich freute mich sehr.“ Auf dem Weg zum Bahnhof bemerkte Djalali, dass ihm der Mann nachlief. „Nun will er doch die fünf Euro haben, dachte ich“, erinnert sich Djalali. „Doch der Mann gab mir das ganze Geld zurück und sagte, er schenkt mir die Hanteln.“

Und wieder sei er erstaunt und gleichzeitig berührt gewesen. Nicht wegen des Geldes, betont Djalali, „das war nicht wichtig, sondern wegen der warmherzigen Geste dieses Menschen, der mich nicht kannte, aber wusste, dass ich Flüchtling bin.“

Die menschliche Einstellung dieser Vorarlberger ihm gegenüber als Fremden und als Flüchtling empfindet der Iraner als „sehr wertvolle Erfahrung“. Mit dieser Einstellung könnten die Menschen in Frieden miteinander leben, sagt er, „auch mit unterschiedlichen Denkweisen und Ideologien“.

Herr Hubert und Frau Rita

Nun wolle er noch die Gelegenheit nutzen, um sich einmal öffentlich bei Herrn Hubert und Frau Rita zu bedanken. Die beiden hätten, seit er in Lingenau angekommen ist, den größten Beitrag geleistet, „dass ich mich hier zu Hause fühle“.

Doch der Mann gab mir das ganze Geld zurück.

Mehmed Djalali
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