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Naturschützer verzögern Rhesi

von Klaus Hämmerle
Am Rhein gab es in den letzten Monaten so wie bei Lustenau zahlreiche Trinkwasserbohrungen.  Foto: VN

Am Rhein gab es in den letzten Monaten so wie bei Lustenau zahlreiche Trinkwasserbohrungen. Foto: VN

Einspruch gegen Testbohrungen für Erkenntnisse über Grundwasser im Rheinvorland.

St. Margrethen. Ein Einspruch von Schweizer Vertretern des World Wildlife Fund (WWF) und der Naturschutzorganisation Pro Natura droht die Planungen für das Hochwasserschutzprojekt Rhein-Erholung-Sicherheit (Rhesi) erheblich zu erschweren. Die Schweizer Naturschützer haben Einspruch gegen die Errichtung von zwei Pegelmessstationen im Rheinvorland bei St. Margrethen erhoben. Aufgrund dieser Maßnahme könnte sich der Projektverlauf bis zu einem Jahr verzögern. Die Pegelmessungen haben den Zweck, die Grundwasserströme zu messen, um daraus Rückschlüsse auf den Bau alternativer Brunnenstandorte zu ziehen.

Mähr nicht glücklich

Projektleiter Markus Mähr (42) ist ob des Einspruchs der Naturschützer alles andere als glücklich. „Es hat sich abgezeichnet, dass die Schweizer Vertreter von WWF und Pro Natura über die Einrichtung von Pegelmessstationen im Rheinvorland nicht einverstanden sind. Trotzdem ist dieser Einspruch bei der Gemeinde St. Margrethen eine sehr drastische Maßnahme. Es könnte das Projekt um ein Jahr zurückwerfen. Wenn das jede Gruppe in diesem Prozess bei jedem Problem machen würde, kämen wir nicht weiter.“ Laut Mähr bedeutet die Einrichtung der Pegelmessstationen nicht zwangsläufig den Bau von Trinkwasserbrunnen. „Da geht es nur darum, den Grundwasserkörper in verschiedenen Bereichen zu untersuchen.“

Das Thema Trinkwasserversorgung hat vor allem die Kommunen am Rhein immer wieder beschäftigt. In Absprache mit diesen und den Trinkwasserverbänden wurden die Untersuchungen des Grundwasserköprers von Widnau bis Höchst deshalb vertieft. Zwei von drei Etappen wurden in diesem Untersuchungsprozess bereits bewältigt. Der Einspruch erfolgte auf Schweizer Seite während der dritten Etappe.

Schweizer Alleingang

Überrascht vom Einspruch der Schweizer Gesinnungsgenossen zeigten sich die bei Rhesi involvierten Vorarlberger Naturschutzvertreter. So wusste etwa Naturschutzbund-Obfrau Hildegard Breiner (80) nichts vom Protest der Schweizer WWF und Pro- Natura-Vertreter. „Gewöhnlich stimmen wir uns bei Maßnahmen ab.“ Nicht eingebunden in die Entscheidung der Kolleginnen und Kollegen jenseits des Rheins war auch Bianca Burtscher (46), die als Naturschutzbund Vorarlberg-Vertreterin mit dem Rhesi-Projekt eng vertraut ist. Sie verurteilt den Schritt der Schweizer nicht. „Die Schweizer müssen uns nicht fragen, wenn sie einen solchen Schritt setzen.“

Laut Burtscher hätten sich die Untersuchungen des Grundwassers am Rhein zum Zwecke der Suche nach alternativen Standorten für Trinkwasserbrunnen nur noch auf das Gebiet des Vorlandes beschränkt. „Wir glauben, dass es auch außerhalb des Vorlandes Möglichkeiten für Brunnen gäbe. Aber mit dem hat man sich ja leider nicht beschäftigt.“ Dass der Einspruch die Planung des Gesamtprojekts erheblich verzögern könnte, ist für Burtscher kein Problem. „Wenn am Ende eine bessere Lösung herausschaut, dann ist es das wert.“ Die Naturschützer plädieren bei Rhesi für eine Variante mit großflächigen Aufweitungen des Rheines und Außendamm­abrückungen an verschiedenen Abschnitten.

Für Markus Mähr ist klar: „Die Naturschutzgruppen wollen sämtliche Brunnen aus dem Vorland raus haben. Und als sie sahen, dass die Untersuchungen nicht in die von ihnen gewünschte Richtung gingen, haben sie zum Mittel des Einspruchs gegriffen.“ Trotzdem müsse man weiter das Gespräch suchen. „Wir wollen uns mit allen Interessensgruppen auseinandersetzen.“

Wie geht‘s weiter?

Wie es mit Rhesi nun weiter geht? Mähr: „Einerseits müssen wir natürlich jetzt sehen, wie der Einspruch behandelt wird. Der geht womöglich in höhere Instanzen. Und das kann dann dauern. Andrerseits ist es denkbar, auch ohne diese zwei letzten Messungen auszukommen. Wir haben ja schon Erkenntnisse von 28 Pegelmessungen.“ Im Frühjahr kommenden Jahres hätten die Rhesi-Verantwortlichen das generelle Projekt in seiner fertigen Grundstruktur vorstellen wollen. Ob dieser Zeitpunkt noch zu halten sein wird, steht jetzt natürlich in den Sternen.

Die Schweizer haben uns nicht gefragt. Müssen sie auch nicht.

Bianca Burtscher
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