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Vogelgrippealarm am See

Seit Donnerstag sammeln Experten in Schutzkleidung am Bodenseeufer wie auf diesem Archivbild aus 2006 verendete Wildvögel ein. Allein im Rheindelta wurden bereits rund 100 tote Tiere entdeckt. VN-Archiv: BH

Seit Donnerstag sammeln Experten in Schutzkleidung am Bodenseeufer wie auf diesem Archivbild aus 2006 verendete Wildvögel ein. Allein im Rheindelta wurden bereits rund 100 tote Tiere entdeckt. VN-Archiv: BH

100 Tiere allein im Rheindelta verendet. Land empfiehlt Stallhaltung für Hühner.

bregenz. Die Meldungen wecken Erinnerungen. Im März 2006 gab es Vogelgrippe-alarm im Land. Mit Schutzmasken bekleidete Spezialisten sammelten tote Vögel am Bodenseeufer ein. Die Bilder ähneln sich. Wieder werden verendete Tiere unter Sicherheitsvorkehrungen geborgen. Die Vogelgrippe ist zurück. Das bestätigte gestern Agrarlandesrat Erich Schwärzler (63) den VN. Alleine am Vorarlberger Ufer sind 100 verendete Enten und Reiher gefunden worden. Der Schwerpunkt liege im Rheindelta, heißt es seitens des zuständigen Regierungsmitglieds.

Bereits am Donnerstag der Vorwoche wurden erste tote Wildvögel entdeckt. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat umgehend mit den Untersuchungen begonnen und mittlerweile den Erreger der Vogelgrippe des Subtyps H5N8 nachgewiesen. Weitere Analysen laufen. Das trifft auch auf tote Vögel zu, die am deutschen und Schweizer Ufer gefunden wurden, wo ebenfalls Vogelgrippe-alarm ausgelöst wurde. Ein ähnliches Bild im deutschen Schleswig-Holstein: auch hier wurde bei verendeten Tieren der Geflügelpest­erreger H5N8 nachgewiesen. Mit drastischen Folgen für Geflügelhalter. Der zuständige Landwirtschaftsminister hat umgehend Stallpflicht für fünf Millionen Hühner, Puten, Enten und Gänse verordnet.

Stallhaltung empfohlen

In Vorarlberg will Landesrat Erich Schwärzler weitere Untersuchungen abwarten. Allerdings: „In einem Korridor von zwei bis drei Kilometern vom Bodenseeufer gibt es die Empfehlung zur strikten Stallhaltung“, so Schwärzler. Es dürfe nicht zum Kontakt zwischen Wildtieren und Hühnern kommen. Auf keinen Fall sollten Hühner im Freien gefüttert oder getränkt werden. Es müssten alle Maßnahmen getroffen werden, damit es nicht zu einer Übertragung der Seuche auf Stalltiere kommt.

Enge Zusammenarbeit

Hinter den Kulissen arbeiten Veterinäre der Bodensee-Anrainerstaaten mit Hochdruck an der Seuchenbekämpfung. Es finde ein breiter Informationsaustausch statt. Jetzt warte man auf neue Untersuchungsergebnisse, die Aufschluss über die Ansteckungsgefahr geben sollen. Schon heute soll die Situation neu beurteilt werden, heißt es seitens des Landes.

Genau beobachtet werden die Wildvögel weiter in den besonders betroffenen Regionen am See. Sollten verendete Tiere gefunden werden, dürfen diese ohne Schutzkleidung nicht berührt werden. Der Fund toter Tiere sollte den Behörden gemeldet werden, damit sie untersucht bzw. fachgerecht entsorgt werden können, so Schwärzler.

Hühner dürfen auf keinen Fall im Freien gefüttert werden.

LR Erich Schwärzler

Chronologie

24. Februar 2006: Das Vogelgrippe-virus H5N1, das sich bereits seit 2015 weltweit verbreitet, ist am Bodensee angekommen. Bei einer in Überlingen (D) gefundenen Ente wurde das Virus nachgewiesen.

1. März 2006: In Vorarlberg werden fünf Fälle von Vogelgrippe bekannt. Das Land richtet eine Überwachungszone für 13 Gemeinden im Bereich des Bodensees ein.

6. März 2006: in einem Grazer Tierheim wird das Virus bei drei Katzen nachgewiesen.

21. Juni 2006: Entwarnung – die seit Monaten für ganz Österreich geltende Stallpflicht für Nutzgeflügel wird aufgehoben.

19. Februar 2013: Eine neue Vogelgrippewelle nimmt in China ihren Anfang. In Schanghai erkranken zwei Männer, diesmal am H7N9-Subtyp. Sie sterben wenig später.

15. Dezember 2013: China zählt bislang 143 Infizierte, davon starben 45. Die H7N9-Epidemie breitet sich jedoch nicht nennenswert über den asiatischen Kontinent hinaus aus.

19. Oktober 2016: Im Mannheimer Luisenpark müssen mehrere infizierte Enten, Fasane und Pfaue getötet werden. Schuld ist diesmal der Virustyp H7N3. Gut eine Woche später gibt die Stadt jedoch Entwarnung.

28. Oktober 2016: Auf einem Geflügelhof in den Niederlanden bricht das eher milde H5-Virus aus. Um eine Mutation zu verhindern, werden dennoch Tausende Enten, Truthähne und Fasane gekeult.

7. November 2016: H5N8-Alarm in Schleswig-Holstein. Die Behörden sprechen gar von Geflügelpest und ordnen strikte Maßnahmen für Nutztierhalter an.

7. November 2016: Wegen eines Vogelgrippeausbruchs werden in einer Geflügelfarm in dem Ort Totkomlos (Ungarn) 9000 Truthähne getötet. Auch hier war es der Typ H5N8, an dem die Tiere erkrankt waren.

8. November 2016: Abermals Vogelgrippealarm in Vorarlberg:
H5N8 wird in verendeten Wasser­vögeln nachgewiesen.

Bernhard mahnt zu Besonnenheit

Bregenz. (VN) Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (53) hat nach Bekanntwerden des Vogelsterbens am See sofort mit den zuständigen Stellen im Land die Situation erörtert. „Mein derzeitiger Wissensstand ist der, dass der Typ des festgestellten Vogelgrippeerregers für Menschen nicht gefährlich ist. Ich will das aber nicht einfach so zur Kenntnis nehmen. Am Mittwoch werden wir alle denkbaren weiteren Abklärungen machen, um dies auch entsprechend zu bestätigen“, erkärte der Gesundheitslandesrat gegenüber den VN.

Bernhard schätzt die Gefahr des Erregers für den Menschen aber auch dann gering ein, wenn dieser sich entgegen aller Erwartungen doch auf den Menschen übertragen lässt. Man wolle in der jetzigen Situation mit Ruhe und Besonnenheit agieren und keine Maßnahmen treffen, die Panik auslösen könnten.

 

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