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Virus aggressiver als gedacht

von Michael Gasser
Noch immer werden auf Vorarlberger Seite des Bodensees tote Wildvögel angeschwemmt. Foto: Niederer

Noch immer werden auf Vorarlberger Seite des Bodensees tote Wildvögel angeschwemmt. Foto: Niederer

Vogelgrippe: Stallpflicht für Geflügel in Seenähe. Keine Gefahr für Menschen.

Bregenz. Weit draußen am Rheindamm habe es die toten Tiere angeschwemmt, sagt Walter Niederer. Der Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta hat viele der rund 100 toten Wasservögel am Vorarlberger Ufer selbst geborgen und den Behörden übergeben. Das war vergangene Woche. Auch gestern hat er wieder ein totes Tier aus dem Wasser gezogen. Eines mehr, das an der Vogelgrippe verendet ist.

Erkrankt sind die Wildtiere am Erreger H5N8. Das wurde bereits Dienstagabend bekannt (die VN berichteten). Weitere Untersuchungen haben jetzt gezeigt, dass es sich um eine besonders gefährliche Variante des Erregers handelt. „Das Ansteckungsrisiko von Geflügel zu Geflügel ist deutlich größer als ursprünglich angenommen“, sagt der zuständige Landesrat Erich Schwärzler gegenüber den VN. Gleichzeitig betont er, dass die Tierseuche für Menschen ungefährlich sei. Vertreter der Anrainergemeinden von Fußach bis Hörbranz wurden gestern zu einem Informationsgespräch geladen. Zudem steht das Land in engem Kontakt mit den Behörden in Deutschland und der Schweiz, wo bei verendeten Tieren mittlerweile ebenfalls die gefährliche Variante des H5N8-Erregers nachgewiesen wurde.

Stallpflicht verordnet

Im Gesundheitsministerium wurde gestern eine Verordnung zum Schutz von Nutzgeflügel vorbereitet, die heute in Kraft treten soll. Sie sieht eine Schutzzone entlang des Bodenseeufers, in der eine Stallpflicht erlassen wird, vor. Details dazu waren gestern noch nicht bekannt. Agrarlandesrat Schwärzler rechnet mit einem Korridor von zwei bis zweieinhalb Kilometern. Über die Dauer der Stallpflicht konnte er noch keine Aussage treffen. „Es braucht eine gute länder­übergreifende Zusammenarbeit, um die Maßnahmen aufeinander abzustimmen und den Krankheitsverlauf gut beobachten zu können“, sagt Schwärzler.

Die Zahl der betroffenen Tierhalter könnte aber beträchtlich sein. In einem 3-Kilometer-Streifen entlang des Vorarlberger Seeufers beziffert Landesveterinär Norbert Greber die Zahl der Geflügelhalter mit 120. Wie viele davon tatsächlich betroffen sind, hängt von den für heute erwarteten Details zur Stallpflicht-Verordnung ab.

Gemeinden gefordert

Unterdessen hat das Land gemeinsam mit den Anrainergemeinden einen 7-Punkte-Plan fixiert. Er sieht unter anderem vor, dass sich die Bauhöfe der Kommunen um das Einsammeln und Entsorgen der toten Wildvögel kümmern. Auch Feuerwehren könnten bei Bedarf eingebunden werden. Und es gibt eine Empfehlung auch für Hühnerbesitzer außerhalb des definierten Schutzgürtels. Auch sie sollten „unter Eigenverantwortung alles unternehmen, um einen Kontakt von Wasservögeln mit Hausgeflügel zu verhindern“. Zudem werden Hundehalter angewiesen, am Seeufer die Tiere an die Leine zu nehmen, so Landesrat Schwärzler.

Regelmäßige Beprobung

Seit der Vogelgrippe vor zehn Jahren gibt es am Rheindamm eine Untersuchungsstation. Im Rhythmus von vier bis sechs Wochen wurden Proben an Tieren genommen. „Die letzte war eine Tupfer-Probe vor zwei Wochen und sie war negativ“, sagt Landesveterinär Norbert Greber. In zwei Wochen soll die nächste erfolgen. Auch die Beprobung der verendeten Tiere soll weitergeführt werden. Es wird weitere Einsendungen an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) geben, heißt es seitens des Landes. So soll der Verlauf der Krankheit beobachtet werden.

Walter Niederer vom Naturschutzverein Rheindelta, der die ersten toten Tiere entdeckt hat, ist sich sicher, dass noch mehr Wildvögel angeschwemmt werden. „Es sind noch tote Tiere im Wasser“, sagt er im VN-Gespräch.

Das Ansteckungsrisiko ist größer als anfangs angenommen.

LR Erich Schwärzler
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