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Kommentar

Meinrad Pichler

Volkisten

Sogenannte Populisten im Allgemeinen und die heutigen Rechtspopulisten im Besonderen berufen sich stets darauf, Stimme des Volkes zu sein. Sie geben vor, außerhalb des politischen Establishments zu stehen, obwohl sie von diesem alimentiert werden. Sie maßen sich den moralischen Anspruch an, die einzigen Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit zu sein. Sie erklären sich selbst zu den legitimen Vertretern des Volkes, obwohl sie durch keine Wahl als solche legalisiert sind. Die gewählten Volksvertreter(innen) diffamieren sie als „Volksverräter“, weil angeblich nur sie den wirklichen Volkswillen kennen und umzusetzen bereit sind. „ER will, was WIR wollen“, war auf einem Strache-Plakat zu lesen; und Kandidat Hofer verspricht, er werde „In eurem Sinne entscheiden“. Der Populist als selbsternannter Intimus des Volkes ist mit diesem natürlich per du. Aber immer mit dem Volk und nie mit der Bevölkerung. Zu letzterer gehören nämlich auch Menschen und Menschengruppen, denen nach dem rechtspopulistischen Reinheitsgebot aufgrund ihrer kulturellen oder ethnischen Andersartigkeit oder wegen ihrer gegensätzlichen politischen Haltung ein Anspruch auf materielle Teilhabe und politische Teilnahme nicht zustehe. „Wir sind das Volk“, rief der türkische Volkstribun Erdogan seinen Kritikern zu, „und wer seid ihr?“ Die Populisten meinen, darüber bestimmen zu können, wer zu „ihrem“ Volk gehört, und ausgrenzen zu müssen, wer ihnen nicht passt.

Bürger(innen), die den Populisten mit Fakten und Argumenten entgegentreten, gehören nach völkischer Weltsicht jedenfalls nicht zum wahren Volkskern. Die selbsternannten Vollzieher des Volkswillens definieren ihre Gefolgschaft nach eigenem Bedarf und bedienen sie mit populären Vorurteilen. Ihr kalkulierendes Ego schmeißt sich mit „Herz und Seele“ ans Wahlvolk. Und wenn ein solcher Volkist von der undankbaren Wählerschaft nicht auf den angestrebten Posten gehievt wird, war auf jeden Fall Wahlbetrug im Spiel – und die „Lügenpresse“. Der Fairness-Begriff kommt im politischen Verhaltenskodex des Populisten nicht vor.

Falls die politischen Marktschreier aber in die Verantwortung genommen werden, schleichen sich die vormals Lauten leise davon (siehe England) oder sie werden die großspurigen Ankündigungen wie Trumps „Make America great again“ nicht wahr machen können, weil es die einfachen Lösungen in einer komplexen Welt nicht gibt. Für die betrogenen Wähler wird dann aber ein Sündenbock geschlachtet.

meinrad.pichler@vorarlbergernachrichten.at
Meinrad Pichler ist Historiker und pensionierter Gymnasialdirektor.

Der Populist als selbsternannter Intimus des Volkes ist mit diesem natürlich per du.

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