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Geflügelpest bedroht Existenzen

von Klaus Hämmerle
Mit voller Härte wurde die Familie Flatz von der Vogelgrippe getroffen. Die Ställe wurden gesperrt, später dann auch der Laden. Dort blieb die Fleischvitrine bereits am Freitagvormittag leer. Fotos: Stiplovsek

Mit voller Härte wurde die Familie Flatz von der Vogelgrippe getroffen. Die Ställe wurden gesperrt, später dann auch der Laden. Dort blieb die Fleischvitrine bereits am Freitagvormittag leer. Fotos: Stiplovsek

1100 Puten in Hard und Tausende Hühner in Möggers: Vogelgrippe in Ställen angekommen.

Hard, Möggers. Judith Flatz wirkt gefasst. „Seit ich als 14-Jährige miterleben musste, wie mein Elternhaus abbrannte, hab’ ich nie mehr etwas so Schreckliches erlebt“, sagt sie mit leerer, aber kontrollierter Stimme. Es sind bereits einige Stunden vergangen, seit die Familie mit der furchtbaren Gewissheit konfrontiert wurde: Die Geflügelpest hat ihren Hof in Hard erwischt, alle 1100 Puten müssen in den kommenden Tagen getötet werden. „Als ich das in der Früh vernahm, bin ich hingesessen und habe nur noch geweint.“ Auch jetzt werden ihre Augen feucht. Aber Judith Flatz hat wieder Mut gefasst. „Dank unserer treuen Kunden. Sie sind in den Laden gekommen und wir haben ihnen die Wahrheit gesagt. Sie gaben uns Trost und sicherten uns ihre Solidarität zu. Das hat mir unglaublich gutgetan, mir Kraft gegeben.“

Die leere Vitrine

Die Wahrheit. Man sieht sie im Laden, der das Etikett „Naturprodukte“ trägt und als Betrieb der Judith Flatz ausgewiesen ist. Die Vitrine mit dem sonst so begehrten Putenfleisch ist leer, ein Info-Blatt am Glas angebracht. „Aufgrund von aktuellen Erkrankungsfällen der Wildpopulation am Bodensee wird aus Biosicherheitsgründen der Fleischverkauf von Rohgeflügel ausgesetzt“, steht drauf.

Nur wenig später trägt die Chefin eine Informationstafel vor die Tür und sperrt
zu. Das Geschäft bleibt bis zum 18. November geschlossen.

Herein dürfen freilich Landesrat Erich Schwärzler (63), der Harder Bürgermeister Harald Köhlmeier (43) und der Bregenzer Bezirksamtsarzt Dietmar Rein (59). Mit ernster Miene treten sie auf Klaus Flatz zu und erörtern die schwierige Situation. Der Hof mit den noch lebenden Puten wurde bereits zuvor gesperrt, eine Absperrung soeben bei der Einfahrt angebracht.

Schuldlos

„Für das, was hier passiert, kann der Besitzer rein gar nichts“, erklärt Dr. Rein anschließend. „Das ist wie eine Naturkatastrophe, ein Elementarereignis.“ Fest drückt Erich Schwärzler Judith Flatz’ Hand, und der Bürgermeister versichert: „Das hier ist ein alteingesessener Harder Betrieb. Wir werden jetzt die notwendigen Maßnahmen zu treffen haben. Und danach geht es darum, der Familie beim Wiederaufbau zu helfen.“ Auch Schwärzler sagt der leidgeprüften Familie die Unterstützung des Landes zu.

Für Klaus Flatz (Bild links) ist das Balsam für die Seele in diesen schweren Stunden. Der Betrieb ist für ihn Identität. „Es gibt ihn bereits 50 Jahre. Früher war es eine normale Landwirtschaft. Ich habe dann vor 25 Jahren auf Direktvermarktung umgestellt und mit der Putenzucht begonnen. Die wurde dann zu unserem wichtigsten Bereich in der Landwirtschaft.“ 80 Prozent des Umsatzes macht Flatz im landwirtschaftlichen Betrieb mit dem Verkauf von Putenfleisch. Daneben hat die Familie den Hausladen mit eigenen Produkten, aber auch ausgesuchte Handelsware. Regelmäßig vertreten sind die Nahrungsmittelproduzenten auf den Märkten in Bregenz und Dornbirn.

Die Familie hat zahlreiche Stammkunden. Flatz-Puten werden an vielen Weihnachtstafeln genüsslich verspeist. Heuer fällt dieses Geschäft für den leidgeprüften Betrieb komplett aus. Dieser muss nach der Vogelgrippe-Katastrophe erst wieder auf die Beine kommen. „Wir werden alles unternehmen, diese schlimme Situation zu überstehen“, gibt sich Klaus Flatz kämpferisch. Vom Ausgang dieses Kampfes hängt nicht nur das Schicksal seiner Familie ab, sondern ebenso jenes der sieben Mitarbeiter.

Tausende Tiere betroffen

Auch im Leiblachtal steht eine Landwirtefamilie vor den Scherben ihrer Existenz. Wie gestern am späten Abend bekannt wurde, hat sich ein Verdachtsfall in einem Hühnerbetrieb in Möggers bestätigt. Sollte eine erneute Untersuchung heute kein anderes Ergebnis bringen, müssen mehrere Tausend Tiere getötet werden.

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