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Kommentar

Wolfgang Burtscher

Europas Trump-Fans

Würde Trump auch in Europa gewinnen? Bevor wir entrüstet verneinen („Wir sind doch nicht so blöd wie diese Amerikaner“), sollten wir einen Blick auf die europäischen Trump-Fans werfen. Neben Putin: Der Holländer Wilders, die Französin Le Pen und Strache. Alles Rechtspopulisten mit Chancen auf Platz eins bei kommenden Wahlen. Dazu die Deutsche Frauke Petry, ebenfalls im Aufwind. Sie alle haben offene Sympathien für einen notorischen Lügner, Rassisten und Sexisten gezeigt und hoffen, es möge ihnen so gehen wie ihm.

Natürlich hat auch Kandidat Hofer gratuliert. Bei ihm ist anzunehmen, dass er sich genau angeschaut hat, wie Trumps Erfolg zustande kam. Also wird er seinen Stil verschärfen. Er bestreitet das. Natürlich wird er nicht verlangen, das sein Gegner ins Gefängnis geworfen wird oder Frauen oder Behinderte beleidigen, aber er hat sicher mitbekommen, dass drei Viertel der Trump-Wähler angegeben haben, dass sie sich einen starken Führer wünschen. Also wird er auch auf starker Führer machen. Aber offenbar kommt im Hofer-Lager Nervosität auf, wie der Vorarlberger Obmann Bösch zeigt, der jene ÖVP-Bürgermeister attackiert, die sich an einer Pro-Van-der-Bellen-Plattform beteiligen. Sie hätten sich vom christlichen Abendland verabschiedet. Und von wem hat sich Norbert Gerwald Hofer verabschiedet, als er aus der katholischen Kirche ausgetreten ist? Er ist nach einer längeren Nachdenkpause in die evangelische Kirche eingetreten. Wenn in der Volkspartei „heftig debattiert wird“ (VN vom Samstag), ob jene VP-Bürgermeister, die sich an einer Van-der-Bellen-Plattform beteiligen, das auch dürfen, wirft das ein bezeichnendes Schlaglicht auf das Demokratieverständnis der heftig Diskutierenden.

Dagegen meint Hofer-Kontrahent Van der Bellen, nach längerem Abtauchen wieder aufgetaucht: Der Sieg Trumps müsse als Weckruf für Österreich verstanden werden. Als Weckruf ja, aber eher für Europa, denn – da sind sich die meisten Kommentatoren einig – unter Trump werden sich die USA als globale Ordnungsmacht eher verabschieden. Europa wird mehr denn je als Gegengewicht zu den sich abschottenden USA gefordert sein. Ein Grund mehr, dass man beiden Präsidentschaftskandidaten ein deutliches Europabekenntnis abverlangen muss, und nicht nur ein schmales Lippenbekenntnis wie bei Hofer.

Mehr als bisher ist die Rolle der Medien zu hinterfragen. Trump hat die Medien laufend wüst beschimpft, aber die Medien waren dennoch von ihm fasziniert. Kommt uns bekannt vor? Die FPÖ mit dem ständigen Schimpfen auf die „Lügenpresse“? Trump wäre vermutlich nie so weit gekommen, wenn nicht selbst seine schlimmsten Äußerungen medial ausgeschlachtet worden wären. Die Nutzanwendung für unsere Breitengrade: Medien müssen mehr als bisher abwägen, ob sie auf jeden Sager, jede Finte, etwa von Strache, hereinfallen. Und bei der Auswahl der Gesprächspartner sensibel sein. Wenn die ARD-Talkerin Anne Will (öffentlich-rechtlich!) und der österreichische Sender Puls 4 einer bekennenden Schweizer Dschihadistin, Vertreterin einer kleinen radikalen Minderheit, Gelegenheit zur Propaganda geben, oder Servus TV in „Hangar 7“ einen Rechtsextremen rassistische Thesen vortragen lässt: Das bringt möglicherweise Quote. Eine Schweizerin und voll verschleiert! Aber es verzerrt die Realität und hat mit verantwortungsvollem Journalismus nichts zu tun.

wolfgang.burtscher@vorarlbergernachrichten.at
Wolfgang Burtscher, Journalist und ehemaliger ORF-Landesdirektor, lebt in Feldkirch.

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