IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

Die Angst vor Zwang zu Ziffernoten

von Klaus Hämmerle
Diese fünf Punkte einer Verordnung zur verbalen Beurteilung von Volksschülern erhitzte die Gemüter.

Diese fünf Punkte einer Verordnung zur verbalen Beurteilung von Volksschülern erhitzte die Gemüter.

Ministerin-Verordnung über verbale Beurteilung an Volksschulen sorgt für Aufregung.

Wien, Bregenz. Der Grund der Lehreraufregung steht kleingedruckt auf einem im Ministerium konzipierten Zeugnisformular: fünf Punkte mit Beschreibungen für die Leistungsbeurteilung von Volksschülern der ersten bis dritten Klasse. Eine versteckte Wiedereinführung der Ziffernnoten auch an jenen Volksschulen, die sich für verbale Beurteilungen ihrer Schüler in den ersten drei Klassen entschieden haben, finden die Lehrer. Tatsächlich sind die verlangten Richtlinien bei der verbalen Beurteilung bzw. Leistungsinformation eng an die bekannten Definitionen für Ziffernnoten gebunden.

Harte Kritik

Die Reaktionen auf die jüngste Schöpfung von Juristen aus dem Bildungsministerium fallen entsprechend aus. „Es ist verrückt und ein pädagogischer Schildbürgerstreich, dass man im Frühjahr 2016 das Aus für die Ziffernnoten in den ersten drei Klassen der Volksschule verkündet und diese jetzt im Herbst durch die Hintertür verpflichtend wieder einführt“, geht der grüne Bildungssprecher im Nationalrat, Harald Walser (63), mit der Verordnung hart ins Gericht. Dies stünde auch im krassen Gegensatz zu den Beschlüssen für mehr Autonomie an den Schulstandorten, sind sich die Kritiker der Veordnung einig.

Wenig Verständnis für die ministerielle Verordnung scheint es auch in Vorarlberg zu geben. Pflichtschullehrer-Vertreter Willi Witzemann (57): „Der Unmut unter vielen Kollegen ist sehr groß. Es herrscht beträchtliche Verunsicherung. Es wurde an vielen Schulen sehr viel in die Ausarbeitung von Konzepten für Verbalbeurteilung investiert. Soll das alles umsonst sein, weil man nun an Ziffernnoten orientierte Richtlinien für die verbale Beurteilung einführen will?“

Christof Wund (53), Direktor der VS Lustenau Kirchdorf, hält vorgefertigte Textbausteine für die verbale Beurteilung ebenfalls für wenig zweckmäßig. Er spricht sich für ganz andere Wege der Leistungsbeurteilung aus. „Bei uns gibt es unter anderem die direkten Leistungsvorträge, bei denen das Kind in Anwesenheit von Eltern und Lehrern präsentiert, was es kann. Das wird dann gemeinsam analysiert.“

Als Anhängerin der verbalen Beruteilung von Volksschülern outet sich auch die Vorarlberger Pflichtschul-Elternvertreterin Martha Stüttler-Hartmann (43). „Die Verordnung kenne ich nicht, aber ich befürworte die verbale Beurteilung von Volksschülern“, betonte Stüttler-Hartmann. Die aber auch einräumt: „Es gibt bei den Eltern freilich auch andere Ansichten zu diesem Thema.“ Gelassen sieht die Angelegenheit Pflichtschulinspektorin Karin Engstler (59). „Die an den Schulen erarbeiteten Grundlagen zur Verbalbeurteilung bleiben unangetastet“, stellt Engstler klar. Sie bewertet die Richtlinien zur Verbalbeurteilung als Hilfestellung für die Lehrer.

Entwarnung

Gegen die Verordnung wurde von Lehrern österreichweit schnell eine Onlinepetition ins Netz gestellt. Die Reaktion vom Bildungsministerium kam schnell und fiel für die Pädagogen zufriedenstellend aus. Man habe die entsprechenden Passagen in der Verordnung zurückgezogen, hieß es in einer Aussendung vom Minoritenplatz. Reaktion von Walser: „Bleibt nur zu hoffen, dass Ministerin Hammerschmid das eigene Bürokratiemonster nun endlich an die Kandare nimmt.“

Es ist verrückt und ein pädagogischer Schildbürgerstreich.

Harald Walser
Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.