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Bis hin zum zivilen Widerstand

von Thomas Matt
Walter Schmolly zitierte aus den neuen Seligpreisungen. Foto: TM

Walter Schmolly zitierte aus den neuen Seligpreisungen. Foto: TM

Walter Schmolly über die Aufgaben der Kirchen 500 Jahre nach Martin Luther.

Bregenz. ™ Wer dieser Tage einen Caritas-Direktor vors Mikrophon bittet, muss zwangsläufig mit 45 Minuten Weltuntergang rechnen. Bestenfalls gewürzt mit einer Prise Erlösung. Aber der gebürtige Bizauer Walter Schmolly lässt Gnade walten. Klar, die ökumenischen Gespräche fordern zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation eine schonungslose Sicht. Deshalb umschreibt Schmolly die Aufgabe der Christen heute mit einem Wort Dietrich Bonhoeffers: „Die Kirche ist nur Kirche für die anderen.“ Das hätte auch Papst Franziskus sagen können, der Ende Oktober im schwedischen Lund Protestanten und Katholiken aufrief, „den Fremden zu Hilfe zu kommen“.

Brüchiger Friede

Aber gerade diese Fremden machen uns so ratlos. „Alle Problemmäntelchen hat man zwischenzeitlich dem Ereignis von Flucht und Vertreibung umgehängt.“ Schmolly erlebt das jeden Tag. Deshalb wird er nicht müde, die drei europäischen Grundwerte in Erinnerung zu rufen: Die Würde jeder Person: „Migranten sind keine Nummern, sondern Menschen mit Gesichtern, Namen und Geschichten.“ Die Solidarität: Ja, die Ressourcen sind begrenzt, aber nein, an einer neuen strukturellen Solidarität wird kein Weg vorbeiführen. Und die Subsidiarität: „Das bedeutet, den Menschen immer auch in seiner Größe und seinen Potenzialen zu sehen und ihn in seiner Lösungskompetenz stark zu machen.“

Welche Rolle kommt den Kirchen dabei zu? Zunächst eine altbekannte, die mit den Schlagworten Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung an die 1980er-Jahre erinnert. Aber das alles ist brandaktuell: „Der soziale Friede in Österreich ist brüchig geworden. Polarisierungen sind unverkennbar.“ Gewalt wird mittlerweile, so Schmolly, oft mit Religion assoziiert. In puncto Gerechtigkeit erinnert er an den Streit um die bedarfsorientierte Mindestsicherung: „Drücken wir uns nicht vor der Frage: Was ist fair und gerecht?“ Seine Wut auch über globale Verzerrungen – der subventionierte Import italienischer Tomaten ruiniert den Anbau im afrikanischen Ghana – lässt Schmolly immer öfter an zivilen Widerstand denken. „Gemeinsam diesen Unsinn beenden.“ Mit Protesten in Brüssel? „Vielleicht erst mal vor dem Landhaus“, sagt er augenzwinkernd. Auch angesichts der Tatsache, dass die Schöpfung von unserer technisch-konsumistischen Welt stündlich mit Füßen getreten wird.

Integratives Handeln

Die Kirchen können viel. Sie können durch ihr integratives Handeln die Größe der europäischen Seele beweisen. Sie können den Dialog kultivieren, „denn das, worüber wir reden und wie wir darüber reden, macht viel aus“. Die Kirchen sollten sich laut Schmolly aus dem Korsett der Moral befreien und die Menschen stattdessen mit ihrer Spiritualität beschenken. Auf dass die Gleichgültigkeit nicht das letzte Wort behält und stattdessen das Vertrauen ins Leben wieder wächst.

In Erinnerung an das Zweite Vatikanische Konzil verweist Schmolly die Unglückspropheten unserer Tage auf die Reservebank und bietet stattdessen Chance und Vertrauen auf. „Das bedeutet nicht Blauäugigkeit.“ Aber Furcht und Angst sind schlechte Ratgeber. „Wir brauchen den Mut, uns auf Prozesse einzulassen, die potenziell alle Beteiligten verändern.“

Ökumenische Gespräche Bregenz 2016

„Reformieren oder resignieren? Herausforderungen der Kirchen 500 Jahre nach Luther“

Dienstag, 22. November 2016, Mag.a Renata Schmidtkunz, ORF Wien: „Evangelisch in Österreich – Zwischen Dornröschenschlaf und ecclesia semper reformanda“

Ort: Evangelische Kreuzkirche am Ölrain, Gemeindesaal, Beginn: 19.30 Uhr

Impulsreferat mit anschließender Diskussion

Moderation: Thomas Matt; Veranstalter: Katholische Kirche in Bregenz und Evangelische Pfarrgemeinde Bregenz in Kooperation mit dem Ökumenischen Bildungswerk Bregenz und den VN

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