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Kommentar

Hanno Loewy

Der Kandidat

Ich bekomme immer mal wieder rhetorische Analysen zugeschickt, die zeigen, wie ein bestimmter Kandidat der österreichischen Präsidentschaftswahl es schafft, ihm unbequeme Fragen in Interviews grundsätzlich nicht zu beantworten. Das tun Politiker ja überhaupt oft und ausgiebig, also: Fragen nicht beantworten. Manchmal liegt das ja auch an den Fragen. Wenn der ORF einen am Abend schon wieder fragt, ob es eine Koalitionskrise gibt, obwohl man das doch schon vor dem Frühstück dementiert hat, wird es einem schon fad.

 

Aber der Kandidat, nennen wir ihn der Einfachheit halber „Hofer“, beantwortet kritische Fragen nicht nur grundsätzlich nicht, er macht sie geradezu verächtlich. Er macht sich über seine Gegenüber lustig. Ob das nun sein Gegenkandidat ist oder ein Journalist oder einfach nur Menschen, die noch die Idee haben, es könnte in der Politik auch um Inhalte gehen, um die Abwägung von Interessen. Um etwas, worum halbwegs ernsthaft gerungen werden müsste. Der Kandidat namens „Hofer“ findet das völlig übrig. Er ist der Vertreter der Spaßgesellschaft, die selbst noch aus den vielbeschworenen Ängsten von Menschen eine Gaudi macht, „a Hetz“ sagen die Wiener, glaub’ ich. Ich denke dabei immer an Qualtinger und den Herrn Karl, der von den Juden erzählt, die nach dem „Anschluss“ die Parolen für den Erhalt Österreichs von den Straßen schrubben durften. Auch das war „a Hetz“.

 

„A Hetz“ ist, wenn man an einem Tag das eine und am anderen Tag das Gegenteil behauptet, mal für den Öxit sein und dann wieder ein bissel dagegen, mal mit der Amtsenthebung der Regierung drohen, und dann wieder nur a bissel miteinander reden wollen, mal deutschnationale Parolen schwingen, und dann ein bissel gar nichts mehr davon wissen. Mal das Bundespräsidentenamt abschaffen wollen, und dann wieder so tun, als könne der Präsident mit der Demokratie Schlitten fahren. Vor allem aber: Immer und wirklich immer grinsen, den anderen „ausgrinsen“, als ob man es die ganze Zeit mit Idioten zu tun hätte, mit Leuten, die noch glauben, diese Veranstaltung „Kandidatur für den Bundespräsidenten“ habe irgendetwas mit Politik zu tun, mit Demokratie, mit Willensbildung. Nein, es geht um den Triumph der Wut, ums Dampfablassen. Gegen die Eliten? Na ja . . . Hauptsache, es trifft irgendwelche Schwachen, irgendwelche „anderen“, irgendwen, der „nicht dazu gehört“. Eine bequeme Revolte ist das. Nichts Neues.

hanno.loewy@vorarlbergernachrichten.at
Hanno Loewy ist Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems.

,A Hetz‘ ist, wenn man an einem Tag das eine und am anderen Tag das Gegenteil behauptet.

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