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Wahlkampf am ersten Advent

von Michael Prock
Weihnachtliches mobilisieren: In Dornbirn "hoffen und beten" einige Passanten, dass Alexander Van der Bellen Präsident wird.

Weihnachtliches mobilisieren: In Dornbirn "hoffen und beten" einige Passanten, dass Alexander Van der Bellen Präsident wird.

FPÖ und Grüne mobilisieren sechs Tage vor der Wahl noch einmal alle Kräfte.

Feldkirch, Dornbirn. Die Silhouette eines älteren Herren auf einem Gebrauchsgegenstand. Bart, markante Gesichtszüge. Nein, das ist nicht das Grabtuch von Turin. Es sind Kekse. Selbst gebackene Kekse mit dem Abbild Alexander Van der Bellens. Es ist Samstag, 9 Uhr früh. Juliane Alton, grüne Landesgeschäftsführerin, steht am Eingang zum Marktplatz in Dornbirn, auf dem Pult vor ihr liegen Kekse. Die Glühweinstände sind noch mit Brettern verriegelt, ansonsten herrscht reges Treiben: Käse, Gemüse, Blumen: Alles ist da, was das Marktbesucherherz sucht. Mit einem kleinen Zusatz: Es ist Wahlkampf. In einer Woche wählt Österreich einen neuen Bundespräsidenten. Die involvierten Parteien mobilisieren noch einmal alle Kräfte, um ihrem Kandidaten in die Hofburg zu verhelfen.

Selbe Zeit, 30 Kilometer weiter südlich. Feldkirch, Sparkassenplatz. Neben dem Walsertor hat die FPÖ ihren Wahlkampfstand aufgebaut. Klubobmann Daniel Allgäuer ist hier, flankiert von Stadtrat Thomas Spalt und weiteren Parteikollegen. Allgäuer ist gut gelaunt, Wahlkampf bereitet ihm offensichtlich Freude. Der Auftrag: Mobilisierung. „Bei vielen steht die Meinung bereits fest“, spricht er, dreht sich um, geht auf einen Mann zu. „Grüß Gott“. „Danke. Ich weiß, was ich zu tun habe“, sagt der Passant freundlich und geht weiter.

Katholik durch Taten

In Dornbirn haben sich mittlerweile weitere Unterstützer eingefunden. Willi Hagleitner, ÖVP-Urgestein, Katholik und Van-der-Bellen-Unterstützer, erzählt: „In Bregenz bin ich kürzlich von zwei Frauen beschimpft worden. Sie konnten nicht verstehen, wie ich als Christ Van der Bellen unterstützen kann.“ Hagleitner dreht seinen Kopf, erblickt eine Marktbesucherin, und sagt: „Grüß Gott.“ Ihr knappes „Brauche ich nicht“ quittiert er mit einem Achselzucken. Er fährt fort: „Was christlich ist, orientiert sich daran, wie ein Mensch handelt. Nicht daran, was im Taufschein oder auf Wahlplakaten steht.“ Seine Worte passen zum Setting: Weihnachtsbäume, geschmückte Straßenlaternen, kitschige Musik.

Feldkirch lässt sich ebenfalls nicht lumpen. Ein großes aufblasbares Lebkuchenhaus gegenüber dem FPÖ-Stand soll wohl Weihnachtsstimmung erzeugen. Die FPÖ ist an diesem ersten Adventwochenende im ganzen Land unterwegs. Märkte in Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Bludenz werden zur Mobilmachung genutzt. Landesparteiobmann Reinhard Bösch beginnt seinen Tag in Bludenz, nun ist auch er in Feldkirch eingetroffen. Er reibt sich die Hände: „Brrr Wahlkampf im Winter.“ Er spüre die Polarisierung in der Bevölkerung, sagt Bösch: „Aber wir haben viele konstruktive Gespräche.“ Er lächelt, während Thomas Spalt im Gespräch mit einer Dame auf Reinhard Bösch zeigt: „Das ist unser Chef.“

Auch die Grünen haben sich auf allen Märkten positioniert. Jutta Huber ist in Dornbirn dabei. „Über 100 Kekse habe ich gebacken, ich bin bis ein Uhr nachts in der Küche gestanden“, berichtet sie. ÖVP-Stadtpolitiker Gottfried Waibel interessiert sich für das Weihnachtsgebäck: „Sind die vegan?“ fragt er. Klar. Landesgeschäftsführerin Juliane Alton ist gut gelaunt: „Wir machen einen kreativen und friedlichen Wahlkampf. Aber natürlich gibt es Menschen, die negativ auf das Plakat reagieren.“ Zwei ältere Damen gesellen sich dazu. „Wir können nur beten, dass der Richtige gewinnt“, hofft die eine: „Aber der andere Kandidat hat ein süßes Gesicht.“ Ihre Freundin nickt: „Wir können nur hoffen. Hoffen und beten.“

Routinierter Wahlkämpfer

In Feldkirch herrscht indes reges Treiben. Reinhard Bösch hat sich zu den Damen gesellt, denen er als „der Chef“ vorgestellt wurde. Bösch routiniert: „Ist es Ihnen nicht zu kalt? Woher kommen Sie? Ah, aus Kärnten? Da war ich auch kürzlich, meine Frau ist Kärntnerin.” Daneben wirbt Seniorenringobmann Werner Danek: „Er ist schon 74, was will er noch in der Hofburg? Hofer ist jünger und könnte danach in die Privatwirtschaft wechseln.“ FPÖ und Grüne haben sich auf den Markteingang beschränkt. Sie wollen die Menschen in ihrer Weihnachtsstimmung nicht zu sehr belästigen.

Es ist kurz vor zwölf. Die Werber packen zusammen. Thomas Spalt ruft einem Parteifreund zu: „Michael, erinnere mich bitte daran, dass ich noch einen Adventkranz kaufen muss.“ Auch Wahlkämpfer feiern Weihnachten.

<p class="caption">Diskussionen neben dem Lebkuchenhaus: Daniel Allgäuer erklärt, weshalb Norbert Hofer die richtige Wahl ist. Fotos: VN/Steurer</p>

Diskussionen neben dem Lebkuchenhaus: Daniel Allgäuer erklärt, weshalb Norbert Hofer die richtige Wahl ist. Fotos: VN/Steurer

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