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Vorarlberger, über die man spricht. Norbert Fink (62)

Bewegte Bildgeschichte

Norbert Fink veröffentlichte unter Mithilfe von Peter Pienz das Buch "Jugendverbot" zur Vorarlberger Kinogeschichte.

Norbert Fink veröffentlichte unter Mithilfe von Peter Pienz das Buch "Jugendverbot" zur Vorarlberger Kinogeschichte.

Norbert Fink veröffentlicht mit „Jugendverbot“ ein Buch über die Kulturgeschichte des Kinos in Vorarlberg.

Dornbirn. (cro) Das waren noch Zeiten: Als ein Kinofilm auf mehrere Rollen verteilt lagerte, die der Vorführer alle 20 Minuten wechseln musste, ohne dass das Publikum davon was mitbekam. Norbert Fink, seit 37 Jahren Obmann des Filmkulturclubs Dornbirn (FKC), weiß davon Geschichten zu erzählen. „Manchmal kam es vor, dass jemand schlampig arbeitete und deshalb die Reihenfolge verdreht war“, erinnert er sich an die Zeit des Zelluloids zurück. „Es dauerte oft bis zu einer halben Stunde, bis das Problem behoben war.“ Eine lange Zeit für ein wartendes Publikum. Die Reaktionen reichten von Klatschen über Lachen bis hin zum Auspfeifen. Ganz schlimm war es aber, wenn der Film erst gar nicht eintraf, weil der Zug am schneereichen Arlberg hängen geblieben war. Dann war der Unmut noch größer. Dennoch hatte das Kino von damals einen ganz besonderen Reiz. Statt Popcorn und Cola gab es Ashantis, Sportgummi und Rumkugeln, und nie schmeckten die Süßigkeiten so lecker wie in der Intimität des dunklen Saals, in dem doch alle etwas gemeinsam hatten: Sie lachten, weinten oder erschraken immer im selben Moment, und das schuf ein unnachahmliches Zusammengehörigkeitsgefühl.

Zensur durch Kirche

Der 62-jährige Dornbirner hat in seiner Filmkarriere durchaus Geschichte geschrieben. Wenn auch nicht vor, sondern vielmehr hinter der Kamera. Oder noch besser: über die bewegten Bilder, die ihn von Kindheit an faszinieren. „Jugendverbot – Das Vorarlberger Kinobuch“ heißt das Werk, das er am 29. November im Bregenzer Metro-Kino präsentiert und das schwarz auf weiß die Entwicklung der Film- und Projektionstechnik von der ersten Kinematographie im 19. Jahrhundert bis zum 3D-Kino der Gegenwart dokumentiert. In einem eigenen, nach Gemeinden gegliederten Lexikon listet er außerdem alle Kinos, die es je im Ländle gab, auf. Sein Lieblingskapitel ist jedoch die Zensur. „341 Filme waren bei uns verboten“, recherchierte der pensionierte Psychologe eineinhalb Jahre lang in Archiven, der Landesbibliothek und in Filmdatenbanken. Und dass schon 1923 der Katholische Jugendverein davon überzeugt war, dass „laut Statistik 90 Prozent aller jugendlichen Verbrecher auf das Konto des Kino zu buchen sind“.

300 Seiten Kinogeschichte

Das 300 Seiten dicke Buch, das im Lindauer Unikum-Verlag erschienen ist und zu dessen Gelingen auch Kinobetreiber Peter Pienz beitrug, enthält aber auch Informationen, die bisher noch niemand herausgefunden hatte. Etwa, dass 1907 ein Zirkuszelt mit einem Kinematographen durch Vorarlberg tingelte, in dem 2500 Menschen Platz fanden. Oder dass es das „Senoners Kinematographen-Theater“ im Dörlerhaus am Dornbirner Marktplatz bereits seit Oktober 1910 gab. Also noch vor dem „Saalbau“ in Feldkirch, das erst im Dezember desselben Jahres seine Pforten öffnete. Auch schreibt Fink, dass die Tonfilm-Ära im Bregenzer Forstersaal-Kino begann, das auch 1931 den ersten Farbfilm vorführte.

Der Dornbirner Kinoliebhaber und FKC-Obmann hat mit der erstmaligen Veröffentlichung der Vorarlberger Kinogeschichte aber auch ein Nachschlagewerk geschaffen, das nicht nur Kinofans begeistern wird. Vielmehr lässt es einen selbst zu einem Teil Vorarlberger Kinogeschichte werden. Die Erinnerungen an damals tragen ihren Teil dazu bei.

Norbert Finks große Leidenschaft ist das Kino. Er ist seit 38 Jahren Obmann des Filmkulturklubs Dornbirn.

Buchtipp: Jugendverbot - Das Vorarlberger Kinobuch, 300 Seiten,
€ 29,90, Unikum Verlag Lindau, 2016. Erhältlich bei Brunner Buchhandlungen oder beim Autor unter Mail: nobi@fkc.at.

Ganze 341 Filme waren bei uns in Vorarlberg verboten.

Norbert Fink

Zur Person

Norbert Fink

Geboren: 4. Juni 1954

Wohnort: Dornbirn

Beruf: Pensionist (ehem. Psychologe, Reha-Berater und IT-Koordinator beim AMS)

Familie: ledig

Hobbys: Kino, Reisen, Fotografie

Buchtipp

Norbert Fink (unter Mithilfe von Peter Pienz): Jugendverbot. Das Vorarlberger Kinobuch, 300 Seiten, € 29,90, ISBN 978-3-84570-319-0, Unikum Verlag Lindau, 2016. Erhältlich in allen Buchhandlungen oder beim Autor unter Mail: nobi@fkc.at.

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