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Gemeinden stellen sich gegen Weiße Zonen

von Michael Prock
VN-Bericht über die Weißen Zonen am 22. Jänner 2016.

VN-Bericht über die Weißen Zonen am 22. Jänner 2016.

Brandner Gemeindevertretung einstimmig gegen Weißzonen. Kritik auch aus Dalaas.

Schwarzach. Der Bürgermeister von Vorarlbergs größter Gemeinde heißt weder Markus Linhart noch Andrea Kaufmann. Er heißt Martin Netzer. Netzer ist Orts-Chef von Gaschurn. Und was die Fläche betrifft, ist Gaschurn Vorarlbergs Nummer eins. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 175,28 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Liechtenstein ist 160 Quadratkilometer groß, Dornbirn 120. In Gaschurn leben allerdings nur knapp 1500 Menschen – macht acht Bewohner pro Quadratkilometer. Der Großteil des Gebiets ist unbebaute Natur: Berge, Wälder, Wiesen, Alpen. Die Vorarlberger Landesregierung hat den Plan gefasst, diese Naturjuwele besonders zu schützen. Das Ressort von Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (ÖVP) entwickelte einen Vorschlag, welche Gebiete des Landes zu „Weißen Zonen“ werden und damit diesem Schutz unterliegen. Das heißt: keine zusätzlichen Skilifte, keine zusätzlichen Straßen, keine zusätzliche Verbauung. Rund 80 Prozent der Gemeindefläche Gaschurns würde als Weißzonen ausgeschildert. In einer Stellungnahme der Gemeindevertretung heißt es dazu: „In der Gemeinde wurde bisher mit vernünftigem Augenmaß agiert, sodass eine Ausweisung von Weißzonen als nicht notwendig erachtet wird.“

Auch Brand dagegen

Im Herbst hat die Landesregierung allen Gemeinden das Projekt präsentiert. Bis Anfang 2017 haben die Kommunen nun Zeit, sich eine Meinung zu bilden. Auch Brand hat das bereits getan. Dort sitzt FPÖ-Landtagsabgeordneter Christof Bitschi in der Gemeindevertretung. Er thematisierte die Weißzonen. Am Ende stand ein einstimmiger Beschluss, in dem sich die Gemeindevertreter gegen Weiße Zonen aussprechen. Vorerst, wie Bürgermeister Michael Domig den VN erklärt: „Es ist einfach noch nicht klar, was in den Weißzonen passiert.“ Sollte das Konzept im Detail ausgearbeitet sein, werde es noch einmal bewertet.

Auch Christian Gantner bereiten die Weißzonen Sorgen. Der ÖVP-Landtagsabgeordnete ist zugleich Bürgermeister von Vorarlbergs sechstgrößter Gemeinde Dalaas. Von den 94 Quadratkilometer sind zwei Drittel als Weißzonen vorgesehen. „Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass es die Naturjuwele zu schützen gilt. Aber wir schauen jetzt schon sehr gut darauf, weil wir wissen, was wir daran haben“, erklärt Gantner und fügt an: „Wir haben in der Gemeinde
den Meinungsbildungsprozess allerdings noch nicht abgeschlossen.“

Landesstatthalter Rüdisser will die Rückmeldungen abwarten: „Es ist so, dass es Gemeinden gibt, die solche Zonen nicht für nötig erachten. Wir werden sicher nicht gegen den Widerstand der Gemeinden agieren.“ Wenn die Rückmeldungen eingetroffen sind, wird er entscheiden, wie es weitergeht. Sollten sich viele Gemeinden gegen den geplanten Naturschutz stellen, müsste sich das Land ein neues Konzept überlegen. Rüdisser betont: „Dann werden wir nachdenken, wie wir die Natur auf andere Weise schützen können.“

Aufwendige Studie

Die Weißen Zonen sollen besondere Regionen vor weiteren Eingriffen bewahren. In einer umfangreichen Studie ließ die Regierung das Land in 700 Landschaftskammern einteilen und untersuchen. 83 Kammern in 38 Gemeinden wurden von den Studienautoren als Weißzonen vorgeschlagen. Die Experten der 800 Seiten dicken Studie erfassten Lage, Geologie, Klima, Tier- und Pflanzenwelt, Nutzung, Hütten und Geschichte der Gebiete. Kritiker wie die Vorarlberger FPÖ fürchten, dass dem Tourismus damit Entwicklungschancen genommen werden. Rüdisser rechnete im Jänner den VN vor, dass bereits auf 72 Prozent der Vorarlberger Fläche eine Seilbahn zu sehen sei. Er erklärte aber: „Natürlich wird es den Skigebieten weiterhin möglich sein, sich zu entwickeln.“ Der Dalaaser Orts-Chef Gantner meint im VN-Gespräch: „Mein Lecher Kollege Ludwig Muxel sagte, man muss die Gemeinden nicht vor sich selber schützen.“ Schließlich sei allen bewusst, was sie an Naturjuwelen haben. Mit oder ohne Weißen Zonen.

Wir werden sicher nicht gegen die Gemeinden agieren.

Karlheinz Rüdisser
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