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“Backen aus den Zutaten einen schönen Kuchen”

Walter Klocker, Markus Graz und Thomas König (v. l.) bilden das Dreier-Führungsgespann bei Typico in Lochau. Alle drei sind auch zu gleichen Teilen Eigentümer des Unternehmens. Fotos: VN/Paulitsch

Walter Klocker, Markus Graz und Thomas König (v. l.) bilden das Dreier-Führungsgespann bei Typico in Lochau. Alle drei sind auch zu gleichen Teilen Eigentümer des Unternehmens. Fotos: VN/Paulitsch

Lochau. Markus Graz, Walter Klocker und Thomas König führen zu dritt die Geschicke von Typico. Welchen spannenden Weg das Lochauer Unternehmen geht und wieso es bei der Größe keine Einschränkung gibt, erzählen sie im VN-Gespräch.

Sie bezeichnen Ihre Firma als Kompetenzzentrum für textile Kommunikation. Was kann man darunter verstehen?

König: Angefangen hat alles mit großformatigem Digitaldruck. Dann kam die Konfektion dazu und wir brauchten auch Aluminiumsysteme, um die Produkte aufzuhängen. Das hat sich mit der Zeit alles weiter und besser entwickelt. Heute sind wir sehr viel mehr und betreiben für Messen, Kongresse, Kunst, Leuchtenindustrie, Innenarchitektur und Fassaden textilen Leichtbau – bedruckt oder unbedruckt. Unsere Textilteile tragen immer in einer Form zum Außenerscheinungsbild bei. So kam es auch zu diesem Namen.

Wohin geht der Weg für Typico?

König: Die besten Aussichten für die Zukunft liefert die Kombination aus Aluminium, das sehr leicht und einfach zu verarbeiten ist, sowie Textil, mit dem man in sehr großen Dimensionen bauen kann. Das ist mit keinem anderen Werkstoff möglich. Man hat also Funktionalität und Kommunikationsinstrument in einem. Wir haben gerade die ersten Serien für industrialisierte Leuchten für Zumtobel produziert. Das sind Großformatleuchten mit fünf Metern Durchmesser, die viele positive Eigenschaften hinsichtlich Gewicht, Transportfähigkeit, Montage und Wärmedurchlässigkeit aufweisen.

Klocker: Die Kompetenz führt dazu, dass wir so viel Gespür dafür haben, dass wir nicht nur das können, was andere schon können, sondern immer einen Schritt weiterdenken. Wir machen fast tagtäglich Dinge, die wir noch nie gemacht haben.

Was machen Ihre Mitbewerber? Verfügen diese über ähnliches Know-how?

Graz: Es gibt viele, die drucken. Aber wir drucken fast nicht mehr. In unserer Bandbreite gibt es europaweit vielleicht drei Mitbewerber, aber in unterschiedlichen Ausprägungen.

König: Ich glaube, es gibt in Europa niemanden, der in so vielen unterschiedlichen Bereichen als Systemlieferant arbeitet. Wir haben im Gegensatz zu anderen, die outsourcen, möglichst viele Leistungen ins Haus geholt. Dadurch haben wir viele Vorteile. Wenn man weiß, wie die Fertigungstechnik ausschaut, konstruiert man beispielsweise ganz anders.

Was bedeutet für Typico Innovation?

König: Wir versuchen, ganz schnell die Idee des Kunden aufzuschnappen, stecken unsere Köpfe zusammen und backen aus allen Zutaten einen schönen Kuchen. Wenn große Unternehmen auf uns zukommen, dauert es bei uns sehr viel weniger lang als bei anderen.

Klocker: Für den Fahrzeughersteller MAN haben wir für den Messestand einen halben Kilometer 3-D-Deckenkonstruktion in nur fünf Wochen realisiert. Normalerweise dauert das Monate. Unser Name führt dazu, dass die Leute wissen, wir können das umsetzen. Dafür braucht man aber auch ein gnadenloses Zeitmanagement.

Ihre Projekte haben teilweise gigantische Ausmaße. Wird es immer größer oder gibt es auch für Ihr Angebot ein Limit?

König: Nein, das gibt es nicht. Wir hatten einmal eine Anfrage für ein BMW-Logo für die Wüste Gobi mit einer Fläche von einem Quadratkilometer. Letztlich wurde es aufgrund des Sandes aber nicht realisiert.

Graz: Von der Größe her gibt es keine Einschränkung, und wenn, dann nur beim Transport oder der Aufhängung.

Klocker: Früher dachte man, 50.000 Euro ist ein großes Projekt, heute ist das eher Tagesgeschäft. Es gibt Messeprojekte, die beschäftigen uns kurzfristig sehr heftig, und es gibt Projekte im Architekturbereich, die beschäftigen uns Jahre.

Wie weit strahlen Ihre Projekte? Wo werden sie realisiert?

König: Wir wachsen nicht dadurch, dass wir intensiv nach neuen Kunden suchen, sondern indem wir mit unseren großen Kunden internationalisieren. Wenn man ein Toyota-Messestand in Genf macht, brauchen sie später auch einen in Abu Dhabi. Somit arbeiten wir mittlerweile global. Aktuell haben wir gerade zwei Monteure im Silicon Valley.

Gibt es ein Wunschprojekt? Etwas, das Sie noch nicht
realisiert haben?

König: Eine Jahreshauptshow im Museum of Modern Art in New York wäre schon was. Generell spannend für uns sind Projekte, die länger stehen als nur für den Zeitraum einer Messe.

Klocker: Wir haben uns vor zwei Jahren sehr viel gewünscht, und das ist eingetreten. Qualität und Knowhow aus Europas ist nach wie vor gefragt. Man kann den Erfolg genießen, muss aber auch bescheiden sein.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit unter drei Geschäftsführern?

Graz: Wir waren zuerst zu zweit, und zu dritt ist es fast noch toller. Nicht nur dass wir uns super verstehen, so sind die Aufgaben auch besser verteilt.

Klocker: Ein dreibeiniger Stuhl steht wesentlich besser. Ich habe es immer geschätzt, dass wir von Anfang an zu zweit waren und unsere Kompetenzen aufgeteilt und uns gegenseitig gestützt haben. Mit Thomas König ist eine dritte Stütze dazugekommen, auch in Hinblick auf die Unternehmensnachfolge. Unsere Zusammenarbeit ist sehr erfreulich und zukunftsorientiert. Als Dreierteam ist man unglaublich stark.

König: Es braucht nicht nur eine klare Kompetenzaufteilung, sondern genauso auch die Kombination aus Erfahrung und jüngerem Sturkopf. Zudem hat man zu dritt eindeutigere Entscheidungskonstellationen. 

<p class="caption">Bei Typico wird zwar nach wie vor auch gedruckt, vielmehr versteht sich das Unternehmen heute aber als Systemlieferant.</p>

Bei Typico wird zwar nach wie vor auch gedruckt, vielmehr versteht sich das Unternehmen heute aber als Systemlieferant.

Die Kunden sind so vielfältig wie die Geschäftsbereiche. Das beste Marketing sind die Projekte.

Kennzahlen

» Gegründet: 1992

» Geschäftsführer und Gesell­schafter: Markus Graz, Walter Klocker, Thomas König

» Mitarbeiter: 70

» Umsatz 2014/15: 13,5 Mill. Euro

» Export: rund 95 Prozent

» Standorte: Lochau, zwei Vertriebsniederlassungen

Digitaler Großdruck ist nur ein Geschäftsbereich

Als Manufaktur für „textile Kommunikation“ hat sich Typico am Weltmarkt etabliert.

Lochau. Die Erfolgsgeschichte nahm Anfang der 90er-Jahre ihren Lauf, als Walter Klocker und Markus Graz darüber nachdachten, ob denn in der Wirtschaft nicht ein Bedarf an großformatigen Drucken besteht. Sie beschlossen, nicht nur darüber nachzudenken, sondern starteten als eine der weltweit ersten Digitaldruckereien für Großformate. Die Geräte dafür entwickelte und baute der Techniker Klocker selbst.  Im Laufe der inzwischen 24-jährigen Firmengeschichte hat sich die Firma vom Drucker zum Systemanbieter, oder wie sich die inzwischen auf 70 Mitarbeiter angewachsene Firma selbst bezeichnet, zum „Kompetenzzentrum für textile Kommunikation“ weiterentwickelt.

Die Kompetenz ist wörtlich zu nehmen. Typico hat Insourcing betrieben, und im Hause selbst neben der Druckerei eine Näherei sowie eine Metallbauabteilung eingerichtet, welche die nötige Flexibilität für kurzfristige Aufträge und individuelle Wünsche der Kunden bietet. „Im weitesten Sinn dreht sich alles um bedruckte, aber auch unbedruckte Membrane, die mittels Aluminium-Leichtbaukonstruktionen in Form gebracht werden“, so Thomas König.

Typico ist ein Handwerksbetrieb, der von der und für die Innovation lebt, wie die Besitzer sagen. „More of the same“, also Serienfertigung, ist nicht ihr Ding: „Wir freuen sich über jede neue Herausforderung“, sagt Walter Klocker. Bei schwierigen Aufträgen kommt deshalb richtig Leben ins hochmotivierte Team. Die Firma ist in den Bereichen Messebau, Architektur, Event , Kunst- oder Lichtprojekte tätig, zu den Kunden zählen alle bekannten Weltmarken „von A bis Z“ so Klocker.

Typico selbst hat sich zum Systemanbieter entwickelt, das Unternehmen „werbeflaechen24“, das selbstständig ist, aber die gleichen Eigentümer hat, funktioniert ähnlich und ergänzt das Geschäft von Typico. Es bietet via Internet Werbeflächen in Flughäfen, Messebauten, Stadien etc. an. Gebucht wird im Netz: „Das war vom ersten Tag an ein Erfolg.“

Der Erfolg hat drei Väter

Lochau. Gegründet wurde Typico als Firma „Schrift – Bild – Service“ vom gelernten Eletroniker Walter Klocker (57) und dem damaligen Besitzer einer Reinigungsfirma, Markus Graz (57), obwohl ihnen der damalige Steuerberater davon abriet. Klocker arbeitete zuvor in der Industrie, machte sich danach selbstständig und entwickelte hochpräzise Maschinen. Markus Graz wurde nach der Absolvierung der Handelsschule selbstständig als Reinigungsunternehmer. Die Nachbarn taten sich zusammen und glaubten an ihre Idee. Vor zehn Jahren holten sie einen ehemaligen Kunden ins Geschäft, „auch in Hinblick auf die Nachfolge“. Der studierte Marketer Thomas König ist seit zehn Jahren bei Typico. Ihrer Ausbildung entsprechend agieren sie in der Geschäftsleitung und sind zu dritt „unglaublich stark“, wie sie im Interview betonten.

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