IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

VN-Hintergrund. Heinz Gstrein über den neuen Präsidenten des Libanon

Bürgerkriegszombie wird Präsident

Aoun wurde vom Parlament zum Präsidenten gewählt. Foto: AP

Aoun wurde vom Parlament zum Präsidenten gewählt. Foto: AP

Michel Aoun führt Libanon ins syrisch-iranische Fahrwasser.

beirut. Nach zwei Jahren in jeder Hinsicht kopfloser Zeit hat der Libanon endlich wieder einen Präsidenten, wenn auch nicht gerade den Besten: Ex-General Michel Aoun (83) hatte im libanesischen Bürgerkrieg unter den Zedern zu oft die Fronten gewechselt, den Patriarchen seiner eigenen Maroniten-Kirche verprügelt und sich schließlich auf die Seite des irakischen Diktators Saddam Hussein geschlagen. Mit dessen Hilfe warf er sich 1989/90 sogar zum Staatschef in Beirut auf. Als Saddams Stern nach dem Überfall auf Kuwait zu sinken begann, wurde auch sein libanesischer Gefolgsmann sofort von den Syrern gestürzt, die damals auf US-Seite gegen Bagdad standen. Aoun konnte sich vor Schlimmerem nur durch die Flucht nach Frankreich retten.

Als er 2005 aus dem Exil heimkehren durfte, versuchte er sich sofort wieder als Politiker, doch diesmal an der Seite Syriens. Damit war er unter den sonst pro-westlichen oder gar pro-israelischen christlichen Maroniten nicht der erste und einzige. Als er sich aber auch mit Libanons radikalen und aus der Islamischen Republik Iran gegängelten Libanon-Schiiten verbündete, wurde er völlig zum Außenseiter. Dennoch ist ihm jetzt im vierten Anlauf die Parlamentswahl ins Präsidentenamt gelungen, das er vor mehr als einem Vierteljahrhundert usurpiert hatte.

Mit den Stimmen der Hisbollah-Abgeordneten, aber auch seiner alten Bürgerkriegsgegner der „Libanesischen Kräfte“ (Forces Libanaises) unter dem damals als Anstifter der Ausrottung ganzer Politikersippen bis zu den Wiegenkindern noch schlimmer als „Zombie“ Aoun beleumundeten Samir Geagea.

Der neue Präsident wird ihm nun bei der Regierungsbildung Konzessionen machen müssen. Dasselbe gilt noch mehr für den sunnitischen Altministerpräsidenten Saad Hariri, der in Beirut nun wieder als kommender Regierungschef gehandelt wird. Auch dieser ist aber inzwischen nicht mehr so vehement antisyrisch eingestellt, wie er das nach 2005 wegen der Ermordung seines Vaters und Vorgängers Rafik Hariri durch Agenten aus Damaskus gewesen war.

IS als größere Gefahr

Nicht nur in Syrien, auch in Libanon stellt heute der politislamische Extremismus mit dem IS an der Spitze eine viel größere Gefahr als das Assad-Regime dar. Die Zedernrepublik wird sich daher jetzt unter Präsident Aoun und vermutlich an seiner Seite eines Premiers Saad Hariri voll auf die Seite von Damaskus, aber auch der iranischen Interessen im syrischen Bürgerkrieg stellen. Für die kämpft dort schon lange der libanesische Schiiten-Hisbollah mit.

So dürfte Libanon jetzt einigermaßen zur Ruhe kommen. Eine Lösung für Syrien ohne Baschar al-Assad und seine Hintermänner in Teheran und auch in Moskau erscheint aber nun als Ding der Unmöglichkeit, da Beirut und Damaskus wieder am gleichen Strick ziehen.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.