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“Wähler-Mobilisierung ist jetzt alles”

von Klaus Hämmerle

Historiker Günter Bischof (63) von der Uni New Orleans über das Wahlkampf-Finale.

New Orleans. Seit 1989 ist der gebürtige Mellauer Günter Bischof als Geschichte-Professor an der Universtität New Orleans im US-Bundesstaat Lousiana tätig. Aber auch für ihn, einem Intim-Kenner der amerikanischen Politik und der US-Wahlkämpfe, stellt das Duell Clinton – Trump etwas noch nie Dagewesenes dar. „Ich muss zugeben, dass ich mit manchen Prognosen im Laufe dieses Wahlkampfes falsch lag. Ich habe mehrmals geglaubt, dass Trump nach diversen Aussagen seine Chancen verspielt hätte. Aber er ist nach wie vor im Rennen.“

Feste Wählerblöcke

Die politische Auseinandersetzung um das Präsidentenamt habe eine noch nie erlebte Verrohung der Politik offengelegt. „Wir leben offensichtlich im Zeitalter eines hemmungslosen Populismus. Trump kann sagen, was er will. Seinen Wählern ist das egal. Die Wählerblöcke sind überhaupt so festgefahren, dass sich da nichts mehr bewegt“, analysiert Bischof die Ausgangsposition. „Während es in Österreich zuletzt bis zu 30 Prozent an unentschlossenen Wählern gab, sind es in den USA sehr viel weniger.“ Worauf es jetzt ankomme, sei die Mobilisierung der jeweiligen Lager.

Donald Trump habe unter weißen Männern und Frauen der unteren Bildungsschicht sein stärkstes Wählerpotenzial, Hillary Clinton bei gebildeteren Amerikanern und anderen Ethnien. „Doch das Problem für Clinton bei den Schwarzen ist, dass diese nicht in der von ihr gewünschten Zahl zur Wahl gehen. Erste Informationen über die Wahlbeteiligung in mehreren Bundesstaaten beweisen das.“

Gut für die Demokratin: „Bei den Latinos schreiten wohl aber überdurchschnittlich viele Wahlberechtigte zur Urne. Die sind mit großer Mehrheit demokratisch und zeigen gegen Trump, der sie beleidigt hat, Flagge“, glaubt Bischof.

Warum Trump trotz seiner unsäglichen Auftritte immer noch eine realistische Chance auf das Präsidentenamt besitzt, hat nach Ansicht von Bischof noch andere Gründe. Diese haben sehr viel mit Gefühlen zu tun. „Es gibt viele Wohlstandsverlierer in den USA. Die wünschen sich frühere Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt zurück. Trump gibt ihnen das Gefühl, diese Zeiten wieder zurückholen zu können. Obwohl das natürlich nicht möglich ist.“

Alles klar in Louisiana

Bischof wohnt in einem 5000-Seelen-Städtchen namens La Rose außerhalb von New Orleans. „Da sind fast alle für Donald Trump. Einige zeigen das auch, in dem sie Plakate von ihm vor ihrem Haus haben“, erzählt Bischof. Überhaupt ist Louisiana traditionell republikanisch. „Hierhin müssen die Kandidaten auch nicht kommen, weil ohnehin alles klar ist. Die neun Wahlmänner werden wie immer an den republikanischen Kandidaten, sprich an Donald Trump, gehen.“

Wahlgekämpft wird in den letzten Tagen und Stunden vor dem Urnengang in einigen Swing-States, also jenen Bundesstaaten, in denen der Wahlausgang ungewiss ist. „Hillary Clinton kämpft noch in Cleveland/Ohio um Wählerstimmen, Trump wird versuchen, Michigan für sich zu gewinnen.“

Bischof verfolgt den Wahlkampf über diverse US-Medien. „Laut jüngsten Umfragen hat Clinton bereits 268 Wahlmänner sicher. Von daher würde sie nur noch zwei brauchen.“ So wirklich überzeugt, dass Clinton die Wahl gewinnt, traut sich Bischof jedoch nicht zu sein. Zu viele Haken hat der Wahlkampf bisher geschlagen. Oft schienen die Gesetze der Logik außer Kraft gesetzt. Für den Vorarlberger Professor ein gutes Beispiel dafür: „Dass die E-Mail-Affäre Clintons der Kandidatin fast gleich viel geschadet hat wie Donald Trump seine zahlreichen verbalen Entgleisungen, ist schon bemerkenswert.“

Die Wohlstandsver- lierer hoffen auf Donald Trump.

Günter Bischof
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