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VN-Interview. Kathrin Stainer-Hämmerle (47), Politikwissenschaftlerin an der FH Kärnten

“Clinton wirkte oft sehr kontrolliert”

von Magdalena Raos

Vielleicht war sie vielen dadurch gerade als Frau unsympathisch, sagt die Politologin.

washington. Ein Kandidat Donald Trump wäre in Europa nicht so leicht möglich, glaubt VN-Kommentatorin Kathrin Stainer-Hämmerle. Die Vorarlberger Expertin, die sich derzeit in den USA aufhält, spricht im VN-Interview auch über die Rolle der Medien beim Aufstieg des Immobilienmilliardärs.

Wie haben Sie das Finale des US-Wahlkampfs erlebt?

stainer-hämmerle: Für einen europäischen Beobachter kann das teilweise erschreckend sein. Diese gegenseitigen Unterstellungen, die im US-Wahlkampf an der Tagesordnung sind, wären in Europa unvorstellbar. Auch die zunehmende Spaltung der Gesellschaft hat sich klar bemerkbar gemacht. Ich bin durch das Land gefahren und habe etwa im Süden Gegenden gesehen, in denen nur Donald-Trump-Plakate stehen. Im Gegensatz dazu sind die Städte eher Hillary-Clinton-Bastionen. Man sieht, dass die USA geographisch, aber auch nach sozialen Gruppen zerfallen.

Wie erklären Sie sich die Spaltung?

stainer-hämmerle: Die USA haben sich einfach sehr stark verändert. Das macht sich einserseits demographisch bemerkbar. So sind die Zuwanderergruppen nicht mehr so stark integriert wie früher. Es gibt mehr Communities, etwa von Asiaten oder Latinos. Früher hat sich die Mittelschicht hauptsächlich aus Weißen zusammengesetzt, welche die Mehrheit im Land gebildet haben. Die haben sie nun nicht mehr. Andererseits hat die Wirtschaftskrise ihre Spuren hinterlassen. In den ländlichen Regionen ist Trumps Slogan „Make America great again“ auf fruchtbaren Boden gefallen.

Kann Trumps Aufstieg damit erklärt werden?

stainer-Hämmerle: Auch die Medien haben sicherlich ihren Teil dazu beigetragen. Es liegt an den Medienschaffenden, genau darüber nachzudenken, wie man damit umgeht, wenn ein Kandidat abenteuerliche Lügen erzählt. Ein Beispiel hierfür wäre etwa Trumps Aussage, dass der amtierende Präsident Barack Obama der Gründer der Terrormiliz Islamischer Staat sei. Trump hat unglaubliche Sager von sich gelassen, die Medien haben darüber berichtet, dann kam die Gegenmeinung, und bereits kurz darauf hat er schon wieder etwas Neues geliefert. Er hat ohne Unterlass weitergefeuert. Das bringt natürlich gute Quoten, aber der Wahlkampf verlagert sich damit auch auf Ebenen, die mit Sachthemen nicht mehr viel zu tun haben.

Wäre ein Kandidat Trump auch in Europa möglich?

stainer-hämmerle: Ich glaube, dass in Europa und speziell in Österreich die Parteien schon verhindern würden, dass so eine Person wie Trump als Spitzenkandidat übrig bleibt. Auch viele Republikaner sind nicht glücklich mit ihm, konnten seine Kandidatur aber aufgrund des Systems nicht verhindern. Die Parteien in den USA sind nicht wie die europäischen Parteien dauerorganisierte Apparate, sondern treten immer nur in Wahlkämpfen auf. Parteiendisziplin gibt es nicht.

Wird es Clinton nützen, dass das FBI sie erneut in der E-Mail-Affäre entlastet hat?

stainer-hämmerle: Meiner Einschätzung nach ist es dafür zu spät. Was Clinton in der E-Mail-Affäre vor allem geschadet hat, war ihre Verhaltensweise. Sie hat vieles vertuscht beziehungsweise nur zugegeben, was offensichtlich war. Wie eine Kriminelle. Da ist die Affäre nur ein Teil des ganzen Bildes. Man denke etwa an die Lungenentzündung, die sie hatte. Damals sagte sie, das sei nur ein allergischer Husten. Es hat ihr geschadet, dass sie mit Privatem nicht an die Öffentlichkeit gehen wollte. Sie wirkte mitunter zu kontrolliert. Vielleicht macht es sie für viele noch unsympathischer, weil sie eine Frau ist.

Hat es Clinton als Frau also schwerer?

stainer-hämmerle: 240 Jahre hat es gedauert, bis eine Frau tatsächlich US-Präsidentin werden kann. Clinton ist eine etablierte Kandidatin und schon 20 Jahre in der Spitzenpolitik unterwegs. Es ist also eine interessante Frage, wieso sie vielen unsympathisch ist: Kann das tatsächlich daran liegen, dass sie eine Frau ist? Fühlen sich die weißen Männer in ihrer Vorherrschaft bedroht? Eine spannende Wählergruppe sind etwa republikanische, gut gebildete Frauen. Es bleibt abzuwarten, ob sie den Frauenverachter Trump wählen oder es hier eine Solidarität unter Frauen gibt.

Für einen europäischen Beobachter kann der US-Wahlkampf teilweise erschreckend sein.

Kathrin Stainer-Hämmerle
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