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Kommentar

Johannes Huber

Die Waffen der Trumps

Wird der designierte US-Präsident Donald Trump seine Macht nützen, um Hillary Clinton einsperren zu lassen? Das Weiße Haus ließ vorsorglich schon einmal wissen, dass es eine solche Vergeltung in der amerikanischen Geschichte noch nie gegeben habe. Auszuschließen ist jedoch nichts: Im Wahlkampf hatte Trump angekündigt, sie werde im Gefängnis sitzen, wenn er einmal in Amt und Würden sei.

So etwas muss man ernst nehmen – und dabei auch sehen, worum es diesem Mann gegangen ist: Erstens Aufmerksamkeit erregen. Und zweitens vor allem seine Mitbewerberin und mit ihr das gesamte „Establishment“ kriminalisieren. Erst damit nämlich konnte er die Wutbürger für sich gewinnen, die schon lange der Überzeugung sind, dass man es den Politikern einmal so richtig zeigen sollte. Wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, und Trump diese Zügellosigkeit verkörperte.

In Österreich tut sich Vergleichbares: So sehr sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in vielerlei Hinsicht von dem Amerikaner unterscheidet, so ähnlich sind seine Methoden. Wenn er etwa im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise ein Bürgerkriegsszenario an die Wand malt, dann geht es ihm nicht nur darum, in die Schlagzeilen zu kommen. Vor allem will er die Masse derer ansprechen, die sich Sorgen machen und die von Ängsten geplagt werden. Sie sollen erfahren, dass sie wirklich mit dem Schlimmsten rechnen müssten. Womit Strache sie schon zur Hälfte gewonnen hat.

Die Wahrheit spielt bei alledem übrigens genauso wenig eine Rolle, wie es Lügen tun. Daher waren die ganzen „Fakten-Checks“, die den US-Wahlkampf in den vergangenen Wochen und Monaten begleitet haben, auch so wirkungslos. Sie mögen die Trump-Gegner bestärkt haben. Seine Anhänger interessierten sich nicht dafür: Ihnen war wichtig, dass er zuspitzt, was sie bisher nur insgeheim dachten.

Das Schlimme ist, dass es dafür in Österreich noch eine Steigerung gibt: Hier verkennen Regierungsmitglieder ihre Aufgabe und beklagen sich immer wieder nur über Flüchtlinge und reden dann auch noch einen Notstand herbei. Was kaum zu glauben ist, bringen sie damit doch ihr Versagen auf allen Linien zum Ausdruck: Ihr Job wäre es, für Sicherheit, ordentliche Asylverfahren, Abschiebungen in den einen und Integrationsprojekte in den anderen Fällen zu sorgen und so weiter und so fort. Kurz: Sie sollten Probleme lösen. Und nicht nur aufblasen; damit nützen sie einzig und allein Strache.

johannes.huber@vorarlbergernachrichten.at
Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at –
Analysen und Hintergründe zur Politik.

Seine Anhänger interessierten die ,Fakten-Checks‘ nicht: Ihnen war wichtig, dass er zuspitzt, was sie bisher nur insgeheim dachten.

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