IHRE MEINUNG IST UNS WICHTIG!
Hier klicken und mitmachen!

Ärzte sind auf Protest gebürstet

von Marlies Mohr
Bei den niedergelassenen Ärzten rumort es. Sie fürchten um ihren Stand, wenn Versorgungseinrichtungen kommen. Foto: apa

Bei den niedergelassenen Ärzten rumort es. Sie fürchten um ihren Stand, wenn Versorgungseinrichtungen kommen. Foto: apa

Ausbau der Primärversorgung beschlossen. Zwei bis drei umstrittene Zentren in Vorarlberg möglich.

bregenz. (VN-mm) 200 Millionen Euro stehen bis 2020 für den Ausbau der medizinischen Primärversorgung zur Verfügung. Mit dem Finanzausgleich hat der Ministerrat am Dienstag nämlich die entsprechenden 15a-Vereinbarungen zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung beschlossen. „Damit ist ein weiterer wichtiger Baustein für ein moderneres und sicheres Gesundheitssystem gelegt“, sagte Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ). Der Ausbau der Primärversorgung bedeute für die Menschen die Versorgung nahe am Wohnort durch Hausärzte in Teams, besseren Zugang durch längere Öffnungszeiten und attraktivere Gesundheitsberufe, ist die Ministerin überzeugt.

Auf ein bis zwei schätzt Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) den Bedarf an Primärversorgungseinheiten in Vorarlberg. Wie er im VN-Gespräch bestätigte, haben verschiedene Anbieter bereits Ideen vorgelegt, spruchreif sei aber noch nichts. Denn es fehlen nach wie vor die gesetzlichen Grundlagen zur Ausgestaltung solcher Einrichtungen, die von der Ärztekammer vehement abgelehnt werden. Artur Wechselberger, Präsident der ÖÄK, kündigte sogar Streikmaßnahmen an. Dass die regionale Strukturplanung unter Ausschluss der Kammern geschehen solle, wolle er nicht akzeptieren.

Vorarlberg wartet ab

Die Länderkammern von Oberösterreich und der Steiermark wollen die Verträge mit den lokalen Kassen kündigen, sollten die Primärversorgungseinheiten kommen, die Ärztekammer in Vorarlberg will abwarten, was das Land tut, wie der Sprecher der niedergelassenen Ärzte, Burkhard Walla, erklärte. „Ich hoffe, dass wir uns eine gewisse Form der Gemeinsamkeit auch in dieser Frage bewahren“, sagt er. Bernhard möchte einen vertragslosen Zustand ebenfalls vermeiden und Gespräche mit der Ärztekammer und der Gebietskrankenkasse führen.

Primärversorgungszentren sollen einen besseren Service für Patienten bringen. Die niedergelassenen Ärzte fürchten jedoch, dass langfristig die Hausärzte ausgedünnt beziehungsweise frei gewordene Stellen nicht mehr besetzt werden und die wohnortnahe Versorgung damit bald Geschichte sein könnte. Die „persönliche Medizin“, basierend auf der Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient, gebe es dann jedenfalls nicht mehr. Auch der Gesamtvertrag der Ärzte steht nach deren Meinung auf der Kippe. „Das eigentliche Ziel hinter dem Projekt“, mutmaßt Burkhard Walla. Er bedauert, dass das Land von einem 2014 gemeinsam formulierten Positionspapier mit dem Titel „Team rund um den Hausarzt“ abgegangen ist. Dabei werde viel von der Idee der Versorgungszentren durch entsprechende Vernetzung schon angeboten, kritisierte der Ärztesprecher.

Land will sich einbringen

Bernhard wirft ein, dass sich das System ändernden Bedingungen anpassen müsse. Er verweist auf die bevorstehenden Pensionierungen zahlreicher niedergelassener Ärzte und darauf, wonach junge Kollegen andere Anforderungen an die Lebensqualität stellen. Er glaubt auch, dass ein gutes Nebeneinander der Strukturen möglich ist. Gleiches gilt seiner Ansicht nach für die finanzielle und juristische Seite. „Da werden wir eine vernünftige Lösung finden“, bekräftigt er die aktive Mitbeteiligung des Landes.

Das nun im Ministerrat verabschiedete Vereinbarungsumsetzungsgesetz zu den Primärversorgungseinheiten regelt lediglich das Verhältnis zwischen Ländern und Bund. Zur Vertragsausgestaltung von Primärversorgungszentren benötigen Ärztekammern und Sozialversicherungsträger ein eigenes Gesetz. Bernhard spricht zwar von einer schwierigen juristischen Suppe, gibt sich aber überzeugt, dass sie letztlich doch nicht so heiß gegessen wie gekocht wird.

Ich hoffe auch in dieser Frage­ auf eine Gemeinsamkeit.

Burkhard Walla
Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.