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VN-HINTERGRUND. Heinz Gstrein über die katastrophale Lage in Aleppo

Aleppos Rebellen im Höllenfeuer

Aleppo: Ein Helfer bringt einen Verletzten in Sicherheit. afp

Aleppo: Ein Helfer bringt einen Verletzten in Sicherheit. afp

Donald Trumps Schatten fällt auch auf Nahost. Keine Hilfe von Amerikanern.

aleppo. „Das ist ein Vorgeschmack der Hölle.“ So lauten am Sonntag verzweifelte Hilferufe der Rebellen aus den östlichen Vierteln von Aleppo. Präsident Assads Piloten und Kanoniere lassen Bomben und Raketen auf die Ruinenwüste hageln, die einmal das Geschäftsviertel der nordsyrischen Metropole war. Die russische Luftwaffe hilft eifrig bei der Vernichtungsarbeit mit. Alle einst 132 Spitäler sind regelrecht zerfetzt, Verwundete wurden am Operationstisch getroffen. Allerdings weisen unabhängige Zeugen darauf hin, dass die Aufständischen unter den Krankenhausdächern mit dem Roten Halbmond Abschussrampen für Raketen versteckt hatten.

Zu den Schrecken der Kämpfe kommt zermürbendes Elend. Lebensmittel sind knapp, Medikamente noch knapper. Nur einmal am Tag gibt es für eine Stunde Strom, nur alle 48 Stunden kommt Wasser aus der Leitung. Am ärmsten sind die Witwen der Gefallenen dran, die mit meist vielen Kindern ohne Ernährer dastehen.

Parallelkrieg gegen IS

Doch das Regime in Damaskus sieht es als sein volles Recht an, die „Terrorbanden“ in Aleppo zu liquidieren, nachdem sie ein mehrmaliges Angebot für freien Abzug in den Wind schlugen. So tönte am Sonntagmittag der syrische Außenminister Walid al-Mualim bei einer Pressekonferenz. Er gab sich absolut sicher, dass die Amerikaner den Verteidigern des Ostens der Stadt – unter ihnen neben Islamisten etwa zur Hälfte demokratische Assad-Gegner – nicht zur Hilfe kommen werden.

Auch andere Beobachter teilen die Ansicht, dass US-Außenminister John Kerry in Nahost die Hände gebunden sind, seit der schwere Schatten Trumps auf dem Auslaufen der Administration Obama lastet. Während Assad-Syrer und Russen in Aleppo in ihrem Sinn reinen Tisch machen, führt Amerika davon völlig unberührt einen Parallelkrieg gegen den im syrischen Osten um Raqa verschanzten „Islamischen Staat“ (IS). Aber selbst dort weiß im Pentagon die eine Hand nicht mehr, was die andere tut. Obwohl die US-Kommandanten vor Ort die Hauptblutarbeit ihren kurdischen Hilfstruppen vom YPG überlassen, werden diese durch den Nato-Partner Türkei hinterrücks unter Beschuss genommen.

Hilflos und ratlos

Vollends kommt die amerikanische Hilf- und Ratlosigkeit auf der in Istanbul tagenden Parlamentarischen Versammlung der atlantischen Bündnisgemeinschaft zum Vorschein. Dort werfen Armenier, Deutsche und Österreicher der Türkei Erdogans heimliche Kumpanei mit dem IS und ein Unterdrückungsregime vor, das allen Werten Hohn spricht, welche die Nato zu verteidigen vorgibt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu spuckt dagegen Gift und Galle – und die Amerikaner schweigen betreten. Sie wissen ja nicht, ob Trump eher Erdogan unterstützten wird.

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