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Die schwierige Suche nach neuen Hausärzten

von Birgit Entner
Primärversorgungszentren hätten in ländlichen Gebieten nichts verloren, sagt Ärzte-Vertreter Walla.  Foto: APA

Primärversorgungszentren hätten in ländlichen Gebieten nichts verloren, sagt Ärzte-Vertreter Walla.  Foto: APA

Vorarlberg laut VGKK bald flächendeckend versorgt, Nahversorgung nicht gefährdet.

Wien. Mellau und Schoppernau können aufatmen. Die Gemeinden haben wieder einen Hausarzt. Die Suche war keine einfache, berichtet Manfred Brunner, Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK). Vor allem im ländlichen Raum werde es immer schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu finden. Das habe man auch in Gaschurn gespürt. Lange sei dort nach einem Allgemeinmediziner gesucht worden. Jetzt sei die offene Vertragsstelle wieder besetzt, sagt Brunner. Lediglich in Lusten­au und Thüringen würden noch Ärzte fehlen. Doch auch hier seien schon Gespräche am Laufen. Sind sie mit Erfolg gekrönt, so ist Vorarlberg wieder flächendeckend versorgt, erklärt der VGKK-Obmann. Ausruhen kann er sich aber nicht. Schließlich müssten im Land jedes Jahr rund 20 Vertragsstellen nachbesetzt werden. Die Suche beginnt damit wieder von vorne.

Mehrfache Ausschreibung

Vorarlberg ist hier kein Unikum. Zahlreiche österreichische Gemeinden – vor allem jene in der Peripherie – müssen frei gewordene Landarztstellen mehrmals ausschreiben. Rund 55 Prozent der Kommunen glauben, dass sich die medizinischen Versorgung in Zukunft schwieriger gestaltet. Das ergibt eine Umfrage des Hauptverbandes. In Gemeinden ohne praktischen Kassenarzt ist die Sorge noch größer. 75 Prozent von ihnen befürchten große Probleme.

Dies nahmen Hauptverbands-Chefin Ulrike Rabmer-Koller und Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer zum Anlass, vor dem drohenden Landärztemangel zu warnen. Vor allem die anstehende Pensionierungswelle erfordere Maßnahmen, um das System zu sichern. Einerseits könnten die Primärversorgungszentren zusätzlichen Bedarf decken, andererseits sei eine Reform der Honorarordnung nötig. Bis 2020 werden knapp ein Drittel, bis 2030 drei Viertel der Allgemeinmediziner 65 oder älter sein, sagt Rabmer-Koller.

VGKK-Obmann Brunner beruhigt allerdings. In Vorarlberg stehe keine „Pensionierungswelle“ bevor. Jedes Jahr werde es rund 20, vielleicht auch 25 Stellen geben, die man nachbesetzen müsse. Eine Lawine sei das nicht. Burkhard Walla, Sprecher der niedergelassenen Ärzte in Vorarlberg, hat sogar das Gefühl, dass unter jungen Ärzten das Interesse am Job des Allgemeinmediziners wieder steigt. Dennoch seien Reform nötig, etwa dass Ärzte künftig auch andere Ärzte in ihrer Praxis anstellen können. „Das würde die Situation entschärfen“, glaubt auch VGKK-Obmann Manfred Brunner: „Es ist tatsächlich so, dass viele Ärzte nicht im niedergelassenen Bereich arbeiten, weil sie nicht selbstständig sein wollen“, sagt er. Hier sei nun der Bund gefordert.

Keine Zentren am Land

Die Primärversorgungszentren sieht Brunner grundsätzlich positiv. Die Sorgen der Ärztekammer kann er zwar nachvollziehen. Sie seien allerdings nicht berechtigt. Schließlich sollen Zentren aus Ärzten und Pflegepersonal nicht in Konkurrenz zu den Allgemeinmedizinern stehen. Die Nahversorgung durch die Hausärzte müsse aufrechterhalten bleiben, sagt Brunner. Dass die Primärversorgungszentren in peripheren Gebieten umgesetzt werden, glaubt er daher nicht: „Das wäre realpolitisch nicht sinnvoll.“ Gleicher Meinung ist Ärzte-Vertreter Walla. Im ländlichen Raum hätten Primärversorgungszentren nichts verloren. Ebenso dürften diese den bestehenden Gesamtvertrag nicht gefährden.

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