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Kommentar

Peter W. Schroeder

Verzerrtes Ergebnis

Das neueste Kapitel des Dramas „US-Präsidentschaftswahl 2016“ wird gerade geschrieben: Die „grüne“ Präsidentschaftskandidatin Jill Stein, die gerade einmal ein einziges Prozentchen an Stimmen abbekam, lässt im Bundesstaat Wisconsin nachzählen. In Michigan und Pennsylvania soll das Wahlergebnis vom 8. November ebenfalls überprüft werden, ob da nicht irgendwie gemauschelt wurde. Tatkräftig unterstützt werden die mehrere Millionen Dollar kostenden und von privaten Spendern finanzierten Nachzählanträge inzwischen auch von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die insgesamt über zwei Millionen Stimmen mehr erhielt als der schon zum Wahlsieger ausgerufene Kandidat Donald Trump.

 

Die vor mehr als zwei Jahrhunderten festgeschriebenen amerikanischen Präsidentschaftswahl-Verhältnisse sind nun mal so schräg, dass sie die Mehrheitsregeln der Demokratie auf den Kopf stellen können: Die bei der Wahl abgegebenen Stimmen werden nicht einfach addiert. Und wer die meisten Stimmen bekommen hat, wird nicht automatisch Sieger und Präsident/in. Stattdessen werden in jedem einzelnen Bundesstaat „Elektoren“ genannte Delegierte gewählt. In manchen Bundesstaaten gibt es pro 100.000 Wahlberechtigte einen Elektor, in anderen einen für jeweils eine halbe Million. Was das Wahlergebnis ganz schön verzerrt. Der Kandidat mit den jeweils meisten Wahlstimmen bekommt alle Elektoren des Staates und die Mitbewerber bekommen Nullkommanix.

 

Mitte Dezember treffen sich die Elektoren und verkünden das vorher bekannte Ergebnis: Bis jetzt hat Trump die meisten Delegierten auf seiner Seite und damit basta. Aber jetzt kommt die Nachzählerei ins Spiel: In den drei Nachzählstaaten erhielt Trump ziemlich knapp die meisten Stimmen. Sollte sich beim Nachzählen herausstellen, dass tatsächlich Hillary Clinton hier die meisten Stimmen bekam, ist nicht Holland in Not, sondern der designierte Präsident Trump. Dann ist er weg vom Fenster und Frau Clinton Präsidentin.

 

Zur Zeit streiten sich die Experten, wie wahrscheinlich die Wahlumkehr ist. Aber so oder so kommt vielleicht eine amerikanische Diskussion über die Reform des US-Wahlrechts in Gang. Wie schon einmal vor 16 Jahren, als der Demokrat Albert Gore die absolute Mehrheit aller abgegebenen Stimmen erhielt und Wahlverlierer George W. Bush zum Präsidenten ausgerufen wurde.

 

Das wünschenswerte Ergebnis einer Reform wäre die ziemlich späte amerikanische Besinnung auf die demokratische Grundregel „Mehrheit ist Mehrheit“. Es würde einem Staatswesen, das sich in höchsten Tönen als Musterdemokratie preist und das anderen Ländern mit sanftem und manchmal auch sehr unsanftem Druck die demokratischen Flötentöne beibringen will, ein Stück verlorener Glaubwürdigkeit zurückbringen.

Peter W. Schroeder, Washington

Wünschenswert wäre die Besinnung auf die demokratische Grundregel ,Mehrheit ist Mehrheit‘.

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