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Offener Brief

Peter W. Schroeder

Offener Brief an Präsident Trump

Dear Mr. President-elect, sehr geehrter Herr Präsident (soviel Höflichkeit muss sein).

Nach Ihrer Wahl muss ich Ihnen mitteilen, wie sich jemand fühlt, dessen Berufsstand Sie verachten, dessen Mitglieder Sie pauschal für „korrupte Lügner“ halten, der sich als Washington-Korrespondent deutscher und österreichischer Zeitungen auch künftig bemühen wird, mit der gebotenen Sachlichkeit über ihre politische Arbeit zu berichten, und der in Leitartikeln und Kommentaren gleichzeitig und weiterhin seine Meinung belegen will, dass Ihr Verhalten, Ihre Lügen, Ihre oft menschenverachtenden, intoleranten und Hass säenden, frauenfeindlichen Aussagen und die prophezeiten Vertrags- und Rechtsbrüche mehr als nur die Grenzen des Anstands und des guten Geschmacks überschreiten und sie ihm Angst machen.

Sie müssen wissen, dass ich wie Ihr Großvater in Deutschland geboren wurde, seit 36 Jahren als Journalist in Washington arbeite, Kanadier bin, mehrere Familienangehörige in Deutschland leben und andere Familienmitglieder als US-Bürger in Ihrem Land. Und deshalb werden Ihre politischen Handlungen uns alle betreffen: die deutschen, die amerikanischen und kanadischen Vertreter der Familie. Sie sind damit auch „unser“ Präsident. Ich kann nicht für alle Angehörigen sprechen, aber mir und meiner Frau flößen Ihr Weltbild, Ihre Krawallversprechungen, das angekündigte „Foltern, jetzt aber richtig“ und die von Ihnen propagierten Einschränkungen von Grundrechten wie der Meinungs- und der Pressefreiheit Furcht und Schrecken ein.

Ich habe Sie bei Ihren Wahlkampfauftritten sagen hören, dass sie eine „Bewegung“ aus dem Boden gestampft hätten und dass Sie allein in der Lage seien, das Land „zu führen und zu retten“. Zusammen mit Ihren rassistischen und antisemitischen Sprüchen und Gewaltfantasien hat mich das alles an ein dunkles Kapitel der Geschichte erinnert, das Millionen von Menschen das Leben kostete. Ich habe auf Ihren Massenveranstaltungen die hasserfüllten Gesichter der von Ihnen angestachelten und ermunterten Anhänger gesehen und mich für eine Nation geschämt, die so oft für Freiheit und Menschenwürde eingetreten ist.

In Ihrer ersten Rede nach der Wahl haben sie mitgeteilt, „ein Präsident für alle Bürger des Landes“ sein zu wollen, auch jene, die sie nicht wählten. Das betrifft damit, wie ich mit Genugtuung registrierte, ziemlich genau die Hälfte aller Wähler, die wie Ihre Konkurrentin Hillary Clinton Werte vertreten, die im Großen und Ganzen auch die meinen sind.

Aber ich muss Sie fragen, ob Sie auch ein „guter Präsident“ für die zwölf Millionen illegalen Einwanderer in den USA sein wollen, die Sie im Wahlkampf mit der schnellen Deportation bedrohten. Auch für die von Ihnen unter Terroristengeneralverdacht gestellten US-Bürger muslimischen Glaubens? Und ist das Einmauern der USA an der Grenze zu Mexiko wirklich Ihr Ernst?

Sie sehen, Mister President-elect, dass ein anderer Wahlausgang für mich bekömmlicher gewesen wäre. Allein schon, weil ich fürchte, dass Ihre wahlkampf-erprobte rechtspopulistische und xenophobische Weltsicht andere Politiker und von Ihnen angefeuerte Massen etwa in Europa zu Nachahmungsbemühungen ermuntern könnten. Denn Sie wissen ja, dass sich die Geschichte gelegentlich doch wiederholt.

Trotzdem habe ich mich schweren Herzens entschlossen, zu hoffen, dass auch Sie sich ändern und demonstrieren können, dass die Grundregeln der Menschlichkeit auch vom 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten beachtet und verteidigt werden. Für diesen Fall verspreche ich Ihnen: Dann werde ich Ihnen nachträglich zum Wahlsieg gratulieren.

Bis dahin grüße ich Sie,

Peter W. Schroeder 

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