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VN-Interview. Ramazan Özcan (32), Torhüter ÖFB-Team/Bayer 04 Leverkusen

„Wir schauen in erster Linie auf uns“

von Christian Adam
Wie immer voll bei der Sache: Torhüter Ramazan Özcan. gepa

Wie immer voll bei der Sache: Torhüter Ramazan Özcan. gepa

Erstmals in seiner Karriere reiste der zehnfache Teamspieler als Nummer eins an.

Wien. An Erfahrung mangelt es dem in 36 Spielen in der deutschen Bundesliga gestählten Torhüter nicht, auch gehört er nicht zu jener Kategorie Fußballer, die mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten. Dennoch ist dieses Mal einiges anders. Ramazan Özcan reiste aufgrund des langen Ausfalls von Robert Almer erstmals in seiner Teamkarriere als Nummer eins an. Dass er der Situation nicht viel anderes abgewinnen kann, zeugt auch davon, dass der 32-jährige Vorarlberger stets mit dem größtmöglichen Engagement im Gepäck angereist war. Auf Irland, den kommenden WM-Quali-Gegner (Samstag, 18 Uhr) angesprochen, sagt er vor allem eines: „Wir schauen nur auf uns.“

Teamchef Marcel Koller baut auf Sie als Nummer eins im Tor. Verändert das Ihre Einstellung?

Ramazan Özcan: Es ist ganz normal, ich bin ein Teil der Mannschaft. Natürlich bin ich schon lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass das öffentliche Interesse größer sein wird. Wenn du nicht spielst, dann wirst du auch nicht gefragt – so ist das im Profigeschäft. Die Interview-Anfragen in den letzten Tagen waren jedenfalls schon häufiger. Das bringt jetzt einfach die Situation mit sich. Ich habe aber viele davon abgelehnt, weil ich mich eigentlich erst nach meiner Ankunft in Wien äußern wollte.

Ein Blick nach Leverkusen, wo Sie unter Vertrag stehen. Es fiel auf, dass sich die Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf schwer tat. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Özcan: Mehrere Faktoren spielen eine Rolle, wobei Fakt ist, dass wir einige Spiele sehr unglücklich verloren haben. Es gab auch kleinere Sachen, die nicht wirklich gut waren, umso wichtiger war es, die Ruhe zu bewahren. Die vergangene Woche mit neun Punkten (Anm. d. Red.: inklusive CL-Sieg bei Tottenham) hat deshalb so richtig gut getan.

Wie geht es der Österreich-Connection mit Özcan, Baumgartlinger und Dragovic?

Özcan: Insgesamt passt es sehr gut. Ich habe um meine Situation gewusst, Baumi hat seinen Platz schon schon erkämpft. Insgesamt ist es für mich schon eine neue Herausforderung. Wir sind sehr viel unterwegs.

Zuvor waren Sie fünf Jahre in Ingolstadt, sind mit dem Verein in die Bundesliga aufgestiegen und haben den Klassenerhalt geschafft. Nach Ihrem Abgang ist die Situation nicht so rosig. Schlusslicht nach zehn Spielen und noch ohne Sieg. Leiden Sie noch ein wenig mit?

Özcan: Mehr noch, ich bin komplett mittendrin mit den Jungs. Ich habe ja einige Jahre beim Klub verbracht und bekomme heute noch viele Nachrichten von verschiedensten Leuten. Da ist es klar, dass ich leide und zwar richtig.

In der Bundesliga-Diskussionssendung „Doppelpass“ wurde zuletzt auch Ihr Abgang thematisiert und mit als Grund für die Misere in Ingolstadt genannt. Der Verein habe eine wichtige Person auf dem Feld und in der Kabine verloren.

Özcan: Was soll ich daraufhin sagen. Klar, ich habe es mitbekommen, aber Fakt ist: Ich bin weg. Ich will nicht über mich sprechen. Es bedeutet halt, dass das eine oder andere von mir in meiner Zeit in Ingolstadt gut war. Natürlich war ich immer einer, der vorne weggegangen ist. Jetzt braucht es eben andere, die diese Position einnehmen. Die Jungs werden es schon richten.

Gerade Ihr Wesenszug, Dinge anzusprechen, andererseits aber Loyalität zu zeigen, wurde auch im Nationalteam vom Teamchef immer geschätzt?

Özcan: Ich bin, wie ich bin. Damit meine ich, dass ich mich weigere, Dinge unter den Teppich zu kehren. Für mich ist es wichtig, auch unangenehme Dinge anzusprechen.

Sprechen wir von der WM-Qualifikation: Am Wochenende heißt der Gegner in Wien Irland. Wie sehen Sie die Ausgangslage: Ist man Favorit, ist man Außenseiter? Oder treffen zwei Nationalmannschaften auf Augenhöhe aufeinander? Beide Teams waren ja EM-Teilnehmer.

Özcan: Es ist keine Floskel, wenn ich sage, dass wir nicht unnötig Druck aufbauen wollen. Es geht auch gegen Irland nur um drei Punkte. Wir haben die Mannschaft gut analysiert und unser Trainerteam wird uns einen Spielplan mit auf den Platz geben. Diesen werden wir versuchen, mit unseren Fans im Rücken am Samstag auf den Platz zu bringen. Es ist einfach so, dass wir nur auf uns schauen.

Die Vorfreude schon spürbar?

Özcan: Mit Sicherheit. Das Stadion ist ausverkauft. Wer schon einmal im Happelstadion gespielt hat, weiß, welche Atmosphäre herrscht. Ich freue mich darauf.

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